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Duisburg: Viel mehr als nur medizinische Hilfe

Duisburg : Viel mehr als nur medizinische Hilfe

Eine Oberärztin und eine OP-Schwester arbeiten mit und für ihren Verein "Free-Medical-Care" ehrenamtlich in der nordindischen Provinz Ladakh. Ihr Arbeitsplatz ist eigentlich die Helios St.-Johannes-Klinik in Hamborn.

Ayla Bayrak und Margarethe Gasiorowski sind die "Frontfrauen" des neu gegründeten Nothilfevereins "Free-Medical-Care". Bayrak lebt seit etwa 40 Jahren in Duisburg, Gasiorowski seit mehr als 30 Jahren. Die Erstgenannte ist Oberärztin, die andere OP-Schwester, beide arbeiten im Helios St. Johannes in Hamborn. Weil sie ihre ehrenamtliche Hilfe offizieller und professioneller gestalten wollten, gründeten sie jetzt den Verein "Free-Medical-Care".

"Hilfe zu bekommen ist schön. Hilfe zu geben aber nicht minder", sagt die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe Ayla Bayrak, die in der Türkei geboren wurde. Seit 2012 fährt sie zusammen mit ihrer Krankenhaus-Kollegin, der polnischen OP-Schwester Margarethe Gasiorowski, regelmäßig in die nordindische Provinz Ladakh, um Menschen, insbesondere Frauen und Kindern, medizinisch zu helfen. Sie behandeln angeborene Fehlbildungen bei Kindern, insbesondere die sogenannte "Lippen-Kiefer-Gaumenspalte", einst umgangssprachlich als "Hasenscharte" bezeichnet, Kontrakturen infolge von Verbrennungen einschließlich der Brandverletzungen selbst sowie Geschlechtskrankheiten aller Art. Besonderes Augenmerk legt die engagierte Gynäkologin auf Entbindungen und die Aufklärungsarbeit von jungen Mädchen hinsichtlich Genitalhygiene und Verhütung.

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Ihr Ziel ist es, so steht es auch in der Satzung des Vereins, überall dort zu helfen, wo eine reguläre humanitäre und medizinische Versorgung nicht gewährleistet sowie keine Infrastruktur vorhanden sei, beziehungsweise medizinisches Fachpersonal fehle. Und weiter heißt es: "Wir helfen aufgrund der Mittellosigkeit von Menschen, die sozial benachteiligt sind, ungeachtet der ethnischen Herkunft sowie politischen und religiösen Überzeugungen." In Kriegs- und Katastrophengebiete, wie Syrien oder Nepal, gehe der Verein bislang nicht. Dafür fehle es ihm an ausreichend ausgebildeten Helfern, so wie diese beispielsweise die Duisburger Hilfsorganisation "I.S.A.R." besitzen (die RP berichtete). Doch eine Zusammenarbeit der beiden Organisationen können sich die zwei couragierten Frauen von "Free-Medical-Care" durchaus vorstellen. Vorher aber wollen sie gemeinsam mit ihrem Schatzmeister Ralph Kramer aus Essen um Mitglieder(beiträge), Spenden und Sponsoren für ihren gemeinnützigen Verein werben. Immerhin hat Türkisch Airlines zwar die Gepäcktransporte der jüngsten Ladakh-Reise finanziert, nicht aber die Flüge des medizinischen Personals. Zu dem gehören außer der Gynäkologin und der OP-Schwester ein Anästhesist, je ein plastischer und ein internistischer Chirurg, zwei Kinderärzte, ein Zahnarzt sowie zwei Krankenpfleger. "Wenn diese Kosten von einer anderen Fluggesellschaft aufgefangen werden würden", hofft Bayrak, "wäre das großartig". Die nächste Mission nach Ladakh ist für den 12. Juni vorgesehen.

Während sich der vierköpfige Vorstand hierzulande, zu dem noch der IT- und PR-Fachmann Piotr Gasiorowski gehört, um die deutsche Vertretung kümmert, übernehmen buddhistische Mönche, insbesondere Samten und Thuptan Konchok sowie Angdus Tsering, die Vor-Ort-Vertretung in Ladakh. Deren Engagement erstreckt sich vor allem auf die Bereitstellung der klinischen Räumlichkeiten, die Versorgung und Verpflegung aller Beteiligten, auf Patiententransporte sowie Übersetzer- und Seelsorger-Dienste. "Die Mönche genießen in der heimischen Bevölkerung großes Ansehen", erklärt die Gynäkologin. "Sie an unserer Seite zu wissen ist wunderbar."

(RP)