Duisburg: Viel Kritik und Sorge um den City-Handel

Duisburg: Viel Kritik und Sorge um den City-Handel

Die Industrie- und Handelskammer hat ihre Ablehnung des Designer Outlet Centers kurz vor dem Bürgerentscheid am Sonntag noch einmal bekräftigt. Die Bürgerinitiative erneuert ihre Kritik ebenfalls.

Ein Outlet-Center auf dem Güterbahnhofsgelände könne "deutlich spürbare Folgen für das Stadtbild haben", hieß es. Dies zeigten Berechnungen Kammer. Danach können die möglichen Vorteile eines DOCs, etwa ein erhöhter Zustrom von Besuchern, diese Effekte nicht kompensieren. Im Gespräch mit der RP hatte Sebastian Sommer von Neinver grob kalkuliert, dass konservativ geschätzt immerhin zehn Prozent der DOC-Besucher auch in die Innenstadt kommen könnten.. "Ein Outlet-Center an dieser Stelle betrifft besonders die Händler und Gastronomen in der Innenstadt", betonte dagegen gestern IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger. "Sie sorgen für eine lebendige und attraktive Innenstadt. Dieses Gut sollten wir wertschätzen und schützen."

Besonders die kleinen und mittleren Geschäfte mit Kleidung, Schuhen, Sportartikeln und Accessoires könnten vom DOC betroffen sein, so Dietzfelbinger. Nach Berechnungen der IHK würden sich schon geringe Umsatzeinbußen in der Innenstadt erheblich auf das Betriebsergebnis der Unternehmen auswirken. "So könnten sich bei einem rund 200 Quadratmeter großen Modegeschäft die Einnahmen, die nach Abzug aller Betriebskosten bleiben, um fast 30 Prozent reduzieren. Dies würde einen enormen Kostendruck für die Betriebe bedeuten, die dann aus der City abwandern müssten", teilte die Kammer mit.

Dieser Kostendruck könnte auch die Anzahl und Bezahlung der Beschäftigten beeinflussen. "Einzelhändler und Gastronomen schaffen Ausbildungsplätze, sie sind Arbeitgeber und tragen so zum gesellschaftlichen Miteinander bei", erklärte Dietzfelbinger. Die Betriebe vor Ort haben Interesse daran, auszubilden und Mitarbeiter langfristig an ihr Geschäft zu binden. Nach Berechnungen der IHK sei ein Umsatzverlust in der Innenstadt von etwa 80.000 Euro pro Einkaufstag zu erwarten, an besonderen Verkaufstagen wie in der Adventszeit sogar von bis zu 100.000 Euro.

"Die Folgen des DOCs, so wie es jetzt geplant ist, lassen sich gut am Beispiel anderer Städte in der Region ablesen. Wir brauchen deshalb ein Handelskonzept für die gesamte Stadt", so der IHK-Hauptgeschäftsführer. "Wenn wir möchten, dass Unternehmen in die City investieren, müssen wir ihnen Sicherheit geben. Wir müssen die Entwicklung der Innenstadt verlässlich und langfristig planen. Gute Vorschläge dafür liegen seit Jahren vor, so zum Beispiel der Masterplan Innenstadt von Lord Norman Foster, der vom Duisburger Rat beschlossen wurde."

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Die Ansiedlung des Outlet-Centers in Duisburg könnte jedoch nicht nur für die Duisburger Innenstadt unmittelbare Folgen haben. Aufgrund der Magnetwirkung können sich in einem Einzugsbereich von etwa 30 bis 45 Minuten Fahrzeit Auswirkungen auf die Umsatzzahlen in den Nachbarstädten wie Wesel, Moers, Dinslaken oder Hünxe ergeben. Zu erwarten seien Umsatzeinbußen zwischen fünf und 15 Prozent, hätten die Berechnungen der IHK ergeben. Neinver geht davon aus, dass andernorts Einbußen allenfalls im einstelligen Bereich zu verzeichnen wären - wenn überhaupt. Und bei solchen Zahlen hätte ein DOC im Zweifelsfall auch bei einer eventuellen Klage - wie sie ja von Ratingen wie berichtet bereits angekündigt wurde - vor einem Verwaltungsgericht gute Chancen, Recht zu bekommen.

Kompromisslos gibt sich Petra Manoah, Inhaberin des Knüllermarktes an der Münzstraße: "Für mich ist ganz klar: Kommt das DOC, geht unsere Innenstadt ein wie eine vertrocknete Primel. Es ist nicht möglich, unsere lebendige Innenstadt mit dem DOC zu verbinden. Hier gilt: Entweder - oder!"

Die Bürgerinitiative "Ja zu Duisburg - Kein DOC" kritisierte gestern, dass die von den DOC-Machern bemühten Vergleiche mit den Centern in Zweibrücken und Neumünster hanebüchen seien, weil diese Städte überhaupt nicht mit Duisburg vergleichbar seien. Arrivierte Gutachter oder Experten, die Aussagen zu Verträglichkeitsproblematiken in Duisburg erstellen können, suche man auf der Internetseite von "Ein Stück Duisburg" vergebens. Die Initiative befürchtet, dass Shops wie Esprit, WMF oder Vero Moda ins DOC umziehen könnten.

(RP)
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