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Verhuven-Prozess in Duisburg: Viel Aufregung um einen blauen Fleck

Verhuven-Prozess in Duisburg : Viel Aufregung um einen blauen Fleck

Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und fahrlässiger Körperverletzung ist Alltours-Chef Willi Verhuven am Dienstag zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen a 500 Euro sowie einem zweimonatigen Fahrverbot verurteilt worden.

Ein kleiner, sechsmal sechs Zentimeter großer blauer Fleck an der Knieinnenseite des 47-jährigen Duisburger Motorradpolizisten, zehn Tage Dienstunfähigkeit und eine abgebrochene Scheibenwischerabdeckung am Mercedes 350 SL von Alltours-Chef Willi Verhuven — das waren die Ergebnisse eines unerfreulichen Zusammentreffens beider am 21. März 2012 am Innenhafen. Ein Fall, der normalerweise nach Auffassung von Prozessbeobachtern mit einem schriftlichen Strafbefehl, allenfalls mit einer halbstündigen Prozessverhandlung abgeschlossen werden kann.

Aufgrund der Prominenz des Angeklagten wurden daraus zwei Verhandlungstage mit zahlreichen Zeugen und mehreren Gutachtern. Die genauen Umstände blieben dabei bis zum Schluss unklar. Allerdings sah es die Richterin am Ende als erwiesen an, dass Verhuven die Anhaltezeichen des Polizisten an der Einmündung Schifferstraße / Am Innenhafen missachtete.

Der Polizist hatte die Straße gesperrt, um Teilnehmern einer Demonstration der Gewerkschaft ver.di auf dem Burgplatz eine sichere Anreise zu ermöglichen. Die Busse der Demonstranten parkten im Innenhafen. Verhuven fuhr nach Auffassung des Gerichts mit Schrittgeschwindigkeit auf den vor seinem Wagen stehenden Beamten zu und verletzte ihn dabei. Das sei als Widerstand gegen einen Vollstreckungsbeamten in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung zu werten. Das Urteil: 50 Tagessätze zu je 500 Euro — also 25.000 Euro — sowie ein zweimonatiges Fahrverbot.

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"Arroganz, Ignoranz und Respektlosigkeit"

Staatsanwalt Garip Günes-Böhm hatte zuvor in seinem Plädoyer 70 Tagessätze a 600 Euro und drei Monate Fahrverbot gefordert. Wie Günes-Böhm rügte auch der Rechtsvertreter des Motorradpolizisten, der als Nebenkläger auftrat, das Verhalten Verhuvens nach der Tat. Der Anwalt sprach von der "Arroganz, Ignoranz und Respektlosigkeit" Verhuvens und monierte, dass der Firmenchef nach dem Vorfall eine Zivilklage über 442,12 Euro wegen des Reparaturschadens an seinem Wagen gegen den Beamten anstrengte, eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn erhob und Strafanzeige wegen Sachbeschädigung stellte. "Das ist der Versuch einer Einschüchterungskampagne", so der Nebenklägervertreter. Er forderte eine Strafe von 90 Tagessätzen zu 500 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot.

Zuvor hatte Verhuven erstmals selbst im Gerichtssaal ausgesagt. "Ich habe gesehen, dass bis zur Brücke alles frei war. Es waren nur 40 bis 50 Meter bis zu meinem Parkplatz. Deshalb wollte ich auch dorthin fahren. Das hat dem Polizisten wohl nicht gepasst", sagte Verhuven. Der Polizist habe sich seitlich über sein Auto gebeugt, sich mit beiden Händen auf die Motorhaube gestützt und auf das Auto geschlagen. "Ich war ganz erschrocken und habe deshalb kurz die Bremse losgelassen. Ich habe ihn aber nicht angefahren."

Stattdessen habe er wenden und auf dem Looper-Gelände parken wollen, wo sein Unternehmen ebenfalls Stellplätze hat. "Das hat der Polizist wohl falsch verstanden", so Verhuven wörtlich. Der Beamte sei aggressiv geworden, habe die Abdeckung des Scheibenwischers abgerissen und damit auf den Wagen geschlagen. Verhuvens Verteidiger Dr. Björn Gercke verwies auf die zum Teil widersprüchlichen Zeugenaussagen. Die Gutachter hätten nicht ausschließen können, dass auch Verhuvens Version richtig sein könne. Nach dem Urteil erklärte Verhuven, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen und werde daher Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. In diesem Fall würde das Verfahren noch einmal (vor dem Landgericht) aufgerollt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Duisburg: Alltours-Chef Verhuven vor Gericht

(RP/rl/top)