Duisburg Viel Applaus zum Auftakt

Duisburg · Im ersten Philharmonischen Konzert präsentierte sich der junge Gastdirigent Benjamin Shwartz. Das Klavierkonzert des israelischen Komponisten Tzvi Avni (83) wurde hier erfolgreich uraufgeführt.

Die Philharmonischen Konzerte haben uns wieder, und das erste der Saison hatte ein klares Konzept. Der amerikanische Gastdirigent Benjamin Shwartz, der polnisch-israelische Wurzeln hat und der im Februar von San Francisco nach Berlin umgesiedelt ist, leitete die erfolgreiche Uraufführung des Konzerts für Klavier und Kammerorchester des israelischen Komponisten Tzvi Avni, geboren vor genau 83 Jahren in Saarbrücken als Hermann Jakob Steinke. Mit Felix Mendelssohn und Gustav Mahler standen auf dem Programm außerdem zwei wichtige deutschsprachige Komponisten mit gleichfalls jüdischen Wurzeln.

Das Auftragswerk der Duisburger Philharmoniker stellt dem Klavier neben den Streichern nur ein paar Blas- und Schlaginstrumente gegenüber. Es ist vital und farbenreich, erkennbar das Werk eines erfahrenen, aber innerlich jung gebliebenen Tonsetzers. Zwischen chromatischen flirrenden Flächen und Klezmer-Tänzen zeigt es sich abwechslungsreich. Schade nur, dass es trotz einiger genialer Einfälle über weite Strecken etwas beliebig wirkte. An der äußerst engagiert agierenden Solistin Heidrun Holtmann lag das jedenfalls nicht.

Benjamin Shwartz, gerade mal 30 Jahre alt, wird als möglicher Kandidat für die anstehende Nachfolge von Duisburgs Generalmusikdirektor Jonathan Darlington gehandelt. Nimmt man nur Mendelssohns Konzert-Ouvertüre "Die Hebriden" op. 26 als Test, hätte er ihn kaum bestanden. Dafür ging er darin zu flexibel mit dem Tempo um und der von ihm erzeugte philharmonische Plüsch-Sound klang auch wenig nach atlantischem Seegang. Was der begabte junge Dirigent schon kann, zeigte er erst in der schwierigen Sinfonie Nr. 1 D-Dur von Mahler. Dieser Komponist scheint ihm zu liegen – wir können uns jetzt vorstellen, warum er 2007 Preisträger beim Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker war. Denn hier hielt er sich weitgehend an die ziemlich präzisen Angaben der Partitur und kam so zu einer beeindruckend idiomatischen Aufführung, wie man sie von diesem Stück nicht oft hört. Die Duisburger Philharmoniker wurden zu einer Höchstleistung inspiriert, mit schmelzenden Streichern, detailliert blühenden Bläsern und treffsicherem Schlagwerk.

Sicher, stellenweise hätte man sich noch etwas mehr Übertreibung wünschen können, schließlich geht es bei Mahler immer ums Ganze, um Existenzielles. Das kam hier endgültig am Schluss, in dem bewusst übertrieben jubelnden Finale. Da mobilisierten der Dirigent und das Orchester noch letzte Reserven und ernteten Begeisterung.

(RP)
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