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Duisburg: Verzicht als Selbstbeherrschung

Duisburg : Verzicht als Selbstbeherrschung

In der Ditib-Begegnungsstätte der Marxloher Moschee sprachen Vertreter der evangelischen, katholischen und russisch-orthodoxen Kirche sowie des Islam über das Fasten. Das anschließende spätabendliche Fastenbrechen wurde zum Gemeinschaftserlebnis

Für eine Podiumsdiskussion hat die Ditib-Begegnungsstätte Duisburg-Marxloh e.V. ihre Tore geöffnet. Anlass ist der Fastenmonat Ramadan, der noch bis zum 29. August das Leben der gläubigen Muslime bestimmt. Zu dem Thema "Fasten in den Religionen" hatten sich unter der Leitung von Gastgeberin Zehra Yilmaz (Ditib Begegnungsstätte) Vertreter der russisch-orthodoxen Gemeinde, der beiden großen christlichen Kirchen und des alevitischen Kulturvereins zusammengefunden.

Den Auftakt machte Elisabeth Schmidt, die über die Fastenzeiten in der russisch-orthodoxen Kirche informierte. Neben einer vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern, werde außerdem noch vom ersten Sonntag nach Pfingsten bis zum Fest Peter-und-Paul (29. Juni) gefastet, um das Fest Mariä Entschlafung vom ersten bis 14. August und während der Phillipus-Fastenzeit vom 15. November bis 24. Dezember, die in etwa dem westlichen Advent entspräche. Gesunde Erwachsene ernährten sich während dieser Zeiten rein pflanzlich. Das Fasten diene der Selbstbeherrschung, der Überwindung von Abhängigkeiten und damit der allgemeinen Heilung des Menschen.

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Pastor Michael Kemper von der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul schloss sich den Ausführungen von Frau Schmidt an. Auch in der römisch-katholischen Tradition käme dem Fasten eine besondere Bedeutung zu. In der Bibel fände sich das Fasten als Akt der Erinnerung oder Demütigung, als Verweis auf soziale Missstände oder als Vorbereitung auf besondere Aufgaben. In der heutigen Zeit werde meistens noch die Fastenzeit vor Ostern praktiziert, die sich häufig in Form von Konsumverzicht äußern würde, wie zum Beispiel der Verzicht aufs Fernsehen.

Verzicht auf Fernsehen

In der evangelischen Kirche hingegen finde sich heute keine institutionell geregelte Praxis des Fastens, so Pfarrer Hans-Peter Lauer von der evangelischen Bonhoeffer Gemeinde. Dies sei auf die Reformation zurückzuführen. Deren Vertreter sahen im Fasten kein göttliches Gesetz, sondern ein menschliches Gebot. Kazim Serman vom Alevi Bektasi Kulturverein informierte über die Fastenpraxis im Alevitentum. Anders als die sunnitischen Muslime fasten die Aleviten im Monat Muharran für eine Dauer von 12 Tagen und verzichten dabei auf Fleisch, aber auch auf Konsum wie Fernsehen. Als letzte Rednerin führte Zehra Yilmaz in die Traditionen und Praktiken des Fastens im sunnitischen Islam ein. Während des Fastenmonats Ramadan verzichten gesunde Erwachsene von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Speisen, Getränke und Sexualität. Nach Sonnenuntergang wird das Fastenbrechen als geselliges Ereignis in Gemeinschaft begangen. In der anschließenden Diskussion wurden rege die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der einzelnen Religionen ausgeführt. Den Abschluss dieser informativen Veranstaltung bildete das gemeinsame Fastenbrechen in den Räumen der Begegnungsstätte.

(RP)