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Thema Bundestagswahl Im Rathaus: Verhaltener Jubel und viele Aufgaben

Thema Bundestagswahl Im Rathaus : Verhaltener Jubel und viele Aufgaben

Die Spannung ist greifbar. Rathaus, Wahltag, 17.50 Uhr: Vertreter aller großen Parteien haben sich im Ratsaal zusammengefunden und starren gebannt auf die aufgebaute Leinwand, auf der in wenigen Minuten die erste Prognose der ARD übertragen wird.

Bei der SPD dagegen herrscht Grabesstimmung. "Das ist noch schlimmer als befürchtet", sagt Sarah Philipp, die für die Sozialdemokraten im Düsseldorfer Landtag sitzt. "Das Feedback auf der Straße war eigentlich in Ordnung. Wir müssen uns jetzt erst einmal sammeln und dann sehen, wie wir weitermachen." Ralf Jäger, Ex-NRW-Innenminister, Landtagsabgeordneter und Duisburger Parteichef, gibt sich ebenfalls negativ überrascht: "Dass wir jetzt bei nur knapp über 20 Prozent gelandet sind, schmerzt natürlich sehr", sagt er. Man müsse nun Lehren aus den vergangenen vier Jahren ziehen. "Ich sehe an der Basis keine Mehrheit mehr für die Fortsetzung einer großen Koalition." Auch dem Umstand, dass nun eine rechtsextreme Partei die drittstärkste Kraft im Bundestag stelle, müsse man nun Rechnung tragen. "Das erfordert eine starke parlamentarische Opposition. Mit der SPD an der Spitze."

Auch die Vertreter der CDU wollen sich nicht so recht freuen, obwohl ihre Partei einmal mehr als stärkste Kraft ins Berliner Parlament einziehen wird. "32 Prozent - das muss ich erst einmal verdauen", sagt Rainer Enzweiler, Fraktionsvorsitzender der Christdemokraten im Duisburger Stadtrat. "Dass wir stärkste Partei sind, ist die einzige gute Nachricht des Tages. Für mich ist unfassbar, dass da nun Rechte im Bundestag sitzen und sprechen werden." Man müsse jetzt erst einmal in Ruhe überlegen, wie man mit der AfD umgehen könne. Vor allem die Außenwirkung sei katastrophal. "Denken Sie nur daran, wie das Ausland den Umstand aufnehmen wird, dass wieder Rechte in unserem Parlament sitzen - und dann auch noch mit 13 Prozent."

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Thomas Mahlberg, CDU-Direktkandidat für den Duisburger Süden, wirkt gefasst. Ob es für ihn über die Landesliste zum Einzug in den Bundestag reichen wird, ist in diesem Moment noch nicht klar. "Das Ergebnis ruft bei mir gemischte Gefühle hervor", sagt er. "Zum einen stärkste Partei, zum anderen die wenig überzeugenden Prozentzahlen -außerdem ist mit der AfD die Partei eingezogen, die wir alle nicht im Bundestag haben wollten." Das sei nun aber der Wählerwille und den müsse man respektieren. "Vor allem müssen wir uns die Frage stellen, wieso sich so viele Menschen für die AfD entschieden haben. Wir müssen uns mit den Themen auseinandersetzen."

Betretende Mienen bei den Volksparteien, verhaltene Freude dagegen bei den Liberalen. "Der Wiedereinzug in den Bundestag ist ein herausragendes Ergebnis", sagt Frank Albrecht, liberaler Kandidat für den Duisburger Norden. "Beim Wahlkampf hatten wir eine gute Resonanz. Wir hatten attraktive, moderne Themen, mit denen wir verschiedene Generationen angesprochen haben, und einen hervorragenden Spitzenkandidaten." Der Erfolg zeige aber auch, dass die Wähler in den vergangenen Jahren unzufrieden mit der Großen Koalition und der linken Opposition gewesen seien.

Das sieht auch FDP-OB-Kandidat Thomas Wolters so: "So ein Ergebnis haben wir gehofft, aber nicht erwartet", sagt er. "Mit den AfD-Zahlen müssen wir leben. Nun ist es Aufgabe der demokratischen Parteien, die Wähler zurückzugewinnen."

(RP)