Verfassungsschutz hat Duisburger Islamisten und Rechte im Visier

Verfassungsschutz : Duisburger Islamisten und Rechte im Visier

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz hat seinen Jahresbericht vorgelegt. Diese Duisburger Organisationen spielen dabei eine Rolle.

Die Tür ist verschlossen, an ihrem Fenster klebt ein handgeschriebener Zettel. „Wenn geschlossen, dann warten“ steht darauf, darunter noch eine Handynummer. Der Blick durch die lange Schaufensterfassade, die mit dem Schriftzug „Umma Shop – Second Hand. We turn Shopping into Charity“ beklebt ist, lässt erahnen, dass hier schon länger niemand mehr einkaufen war. Alte Decken und Kisten, ein Röhrenfernseher, eine alte Mikrowelle, abgegriffene Rollstühle und jede Menge Unrat liegen kreuz und quer auf dem Boden. Und doch hat der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz diesen Laden im Visier.

Die Beamten vermuten, dass hier an der Koopmanstraße 102 in Obermeiderich Spenden eingetrieben werden, die islamistischen Extremisten zugute kommen.

Ein Blick durch die Fensterscheibe des Ummashops auf das chaotische Ladeninnere. Foto: sinan sat

Der Vorwurf: Ansaar International soll die Spitze eines islamistischen Netzwerks sein, zu dem auch der ebenfalls in Nordrhein-Westfalen ansässige Verein WWR Help gehört. Spendengelder sollen unter anderem an die als Terrororganisation eingestufte Hamas geflossen sein.

Wählt man die in der Fensterscheibe in Obermeiderich angegebene Handynummer, geht ein freundlicher, junger Mann ans Telefon, der behauptet, nur ein ehrenamtlicher Helfer zu sein, der dafür Sorge tragen soll, dass der Laden ausgeräumt wird. „Der Laden wird geschlossen. Soweit ich weiß, wird in Duisburg auch kein neuer aufgemacht“, sagt er. Dass die Organisation hinter dem Shop im Visier der Verfassungsschützer steht, habe er nicht gewusst, es sich aber fast gedacht, wie er zugibt. Der junge Mann könne aber die Verantwortlichen bitten, noch zurückzurufen, bietet er an.

In einem Eintrag auf der Facebook-Seite des Umma Shops nach der Razzia im vergangenen April wiesen die Betreiber die Vorwürfe der Terrorfinanzierung entschieden zurück. Der Rückruf, den der ehrenamtliche Helfer in Aussicht gestellt hat, bleibt aus. Weitere Fragen der Redaktion bleiben unbeantwortet. Der chaotische Zustand, der durch das Schaufenster zu sehen ist, scheint die Aussage, dass sich der Verein aus Duisburg zurückzieht, zumindest augenscheinlich zu bestätigen.

Nicht nur die vermeintlichen Islamisten sind den Verfassungsschützern im vergangenen Jahr in Duisburg aufgefallen, sondern auch zwei rechtsextremistische Gruppierungen. So registrierten die Verfassungsschützer, dass die Partei Die Rechte im Mai 2018 auch in Duisburg einen Kreisverband gründete. „Diese Organisationsstruktur stellt den Versuch dar, dezentrale Strukturen der Neonazi-Szene in vormals lokalen Kameradschaften in eine Parteiorganisation zu überführen“, so die Beamten.

Auch die Identitäre Bewegung, die zuletzt auch wegen eines Aufklebers in einem Polizeiwagen bei einer Demo in Duisburg in die Schlagzeilen geriet, findet Erwähnung im Verfassungsschutzbericht. Die Beamten machen darin unter anderem auf Versammlungen und Kampagnen der Duisburger Zelle aufmerksam.

(sat)
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