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Duisburg: Verfallen Häuser, steigt die Kriminalität

Duisburg : Verfallen Häuser, steigt die Kriminalität

Duisburgs Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels beleuchtet in einem Aufsatz den Zusammenhang von Wohnumfeld und Kriminalität. Sie plädiert für Sicherheitskonferenzen, bei denen auch Vertreter des Städtebaus beteiligt sind.

Sie zeigt Fakten und unbequeme Wahrheiten auf, nennt Probleme beim Namen, versucht aber dennoch, für ihre Diagnosen Therapiemöglichkeiten aufzuzeigen: Die Duisburger Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels schreibt in ihrem Aufsatz für den gerade erschienenen Sammelband "Geflüchtete in Deutschland" Klartext. Unter der Überschrift "Migration und Sicherheitsaspekte aus polizeilicher Sicht" greift sie viele Themenfelder auf, die in Duisburg brisant sind. Ein wichtiger Aspekt in Bartels Aufsatz ist der Einfluss von Städtebau auf Sicherheit und Ordnung.

Besonders für die Stadt Duisburg habe, so Bartels in ihrem Aufsatz, die "Städtebauliche Kriminalprävention" eine große Bedeutung. Bei dieser noch sehr jungen Disziplin wird das Ziel verfolgt, "aktuell und künftig durch Gestaltung und Umgestaltung von Wohnraum und Wohnumfeld Kriminalität zu verhindern oder zu erschweren". Dabei soll die objektive Sicherheitslage verbessert und das subjektive Sicherheitsgefühl gestärkt werden.

Zwar kenne, so Bartels, die Polizei vor Ort meist als erste Institution die Sorgen der Anwohner und wisse um deren Ängste. Auch habe die Polizei die besten Erkenntnisse zur Kriminalitätsentwicklung. Doch dürfe man sich damit nicht zufrieden geben: "Eine effektive Städtebauliche Kriminalprävention fußt auf einer funktionierenden Kooperation mit allen vor Ort Beteiligten. Nur durch die enge Zusammenarbeit zwischen Verantwortungsträgern aus Polizei, Kommune, Bau- und Wohnungswirtschaft, Architektur und Städtebau sowie Sozial- und Jugendhilfeeinrichtungen kann das Ziel verwirklicht werden."

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Bartels regt neue Kooperationen und Initiativen an, bei denen Kommune und Polizei gemeinsam agieren. Es sollten regelmäßig Sicherheitskonferenzen durchgeführt und "Kriminalpräventive Räte" etabliert werden. Auch befürwortet Bartels eine Zusammenarbeit von Polizei und Sicherheitsunternehmen: "Die Mitarbeiter dieser Unternehmen erkennen im Rahmen ihrer Streifenfahrten oder während des Objektschutzes Brennpunkte vor Orte, an denen es beispielsweise häufig zu Vandalismus oder Gewaltdelikten kommt." Die sofortige Unterrichtung der Polizei über solche Fakten müsse selbstverständlich werden.

Auch sei die Einbeziehung der Bürger bei aktuellen oder auch zukünftigen Bau- und Nutzungsmaßnahmen sinnvoll, damit das Sicherheitsgefühl gestärkt wird; beispielsweise mit einer besseren Straßenbeleuchtung.

Mit Blick auf Duisburg geht die Polizeipräsidentin besonders auf die in den 60er und 70er Jahren entstandenen Großraumsiedlungen und die so genannten Schrottimmobilien ein. Hier fehle durch die Anonymität der Wohnsituation die informelle Sozialkontrolle. Unzureichende Infrastruktureinrichtungen, mangelnde Freiraumgestaltung, hoher Instandhaltungsrückstand und ein unzulängliches Wohnumfeld führten zu einer überdurchschnittlich hohen Kriminalitätsrate. Bartels: Vandalismus, z.B. in Form von Vermüllung und Graffiti, greift um sich und immer mehr Angsträume entstehen. Bereits der physische Verfall von Gebäuden in einem Viertel erzeugt Ängste. Ein zerbrochenes Fenster in einem Gebäude, das nicht sofort repariert wird, zieht die Zerstörung der restlichen Fenster des Gebäudes innerhalb kürzester Zeit nach sich."

Die Erfahrung zeige, so Bartels, dass bestehende Bau- und Nutzungsstrukturen die Begehung von Delikten begünstigen oder hemmen können. Bei neuen baulichen Maßnahmen müssten diese Überlegungen genauso einbezogen werden wie zum Beispiel die übersichtliche Gestaltung von Straßenzügen, günstige Standorte von Spielplätzen oder die nächtliche Ausleuchtung von Plätzen und Straßen.

Info: Der Aufsatz ist nachzulesen in dem Band: Gerhard K. Schäfer, Barbara Montag, Joachim Detering, Astrid Giebel (Hg): "Geflüchtete in Deutschland. Ansichten-Allianzen-Anstöße". Verlag Vandenhoeck&Ruprecht. 414 Seiten, 20 Euro.

(pk)