Erste Hilfe Hilft: Verbrennungen sind keine Lappalie

Erste Hilfe Hilft : Verbrennungen sind keine Lappalie

Ob Sonnenbrand oder Brandverletzungen infolge eines Stromschlags - solche Verletzungen dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn sie können lebensbedrohlich sein.

Ein Großteil der Verbrennungsunfälle ereignet sich im Haushalt. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin wurden allein 2012 fast 2000 Personen aufgrund akuter Verbrennungen stationär behandelt. Mehr als die Hälfte von ihnen waren Männer mittleren Alters. Vor allem aber Kinder sind Opfer von direktem Feuer oder Verbrühungen. Rund zehn Prozent dieser Unfälle enden tödlich.

Zu den Verbrennungen "ersten Grades" zählt zum Beispiel der Sonnenbrand. Nur die oberste Hautschicht (Epidermis) ist betroffen und der Verbrennungsschaden äußert sich durch eine schmerzhafte Rötung, eventuell verbunden mit Kreislaufproblemen und Juckreiz. Anschließend schuppt sich die Haut und verheilt ohne Narben.

Bei Verbrennungen "zweiten Grades" ist auch die nächste Hautschicht (Lederhaut) betroffen beziehungsweise zerstört. Es bilden sich Blasen und Schorf. Diese Verletzungen müssen medizinisch behandelt werden. Verbrennungen "dritten Grades" zeichnen sich durch tiefe Verletzungen bis ins Fettgewebe aus und sind dadurch zu erkennen, dass der Betroffene keine Schmerzen an der Wundoberfläche mehr spüren kann. Bei Verbrennungen "vierten Grades", der Verkohlung, die auch Muskeln, Sehnen und Knochen betrifft, ist mit starker Narbenbildung und gegebenenfalls Amputation zu rechnen. Das Einatmen giftiger Gase wie Kohlenmonoxid und Rauch verursacht Schäden an den Atemwegen, die in den meisten Fällen die Todesursache bei Feuer sind.

Dr. Boris Pörner, Assistenzarzt in der Anästhesie im Klinikum Duisburg, weiß, was ein Ersthelfer tun kann: "Die brennende oder schwelende Kleidung des Verletzten muss sofort mit Wasser gelöscht oder mit Decken erstickt werden. Am besten sollte die Kleidung dann ganz entfernt werden. Falls Stoffe oder ähnliches in eine Wunde eingebrannt sind, sollten sie rundherum abgeschnitten werden, in der Wunde selbst aber verbleiben." Schmuck müsse sofort entfernt werden. Der Verletzte sollte zugedeckt werden, da es aufgrund der zerstörten Haut schnell zu einer Unterkühlung kommen kann. "Falls möglich, kann mit nicht zu kaltem Leitungswasser direkt nach dem Unfall für zehn Minuten gekühlt werden. In keinem Fall darf der Helfer Puder oder Salben auftragen", warnt er. Zum Abdecken der Wunde solle man steriles Verbandmaterial verwenden.

Neben Arbeitsunfällen ereignen sich etwa zwei Drittel aller Stromunfälle im Haushalt. Bei Stromunfällen mit Niederspannung (bis zirka 500 Volt) muss der Ersthelfer unbedingt vor Beginn der Erste-Hilfe-Maßnahmen die Stromquelle abschalten oder den Stecker aus der Steckdose ziehen. Der Kontakt zwischen dem stromführenden Gegenstand und dem Verletzten muss dann mit nicht leitenden Hilfsmitteln, wie einem trockenen Holzstück oder einem Tuch, Kleidungsstücken oder einem Plastiksack getrennt werden.

Unfälle im Hochspannungsbereich sind meist Arbeitsunfälle, zum Beispiel in der Nähe von Hochspannungsleitungen oder Strommasten. Der Notruf (Telefon: 112) muss unverzüglich veranlasst werden. "Der unmittelbare Gefahrenbereich darf erst betreten werden, wenn durch Fachleute des zuständigen Stromversorgers die Abschaltung der Stromversorgung garantiert wird", betont Pörner.

Verletzungen durch Blitzschlag ereignen sich häufig im Freien beim Arbeiten, Wandern oder Schwimmen. Besonders gefährdet ist man an ungeschützten Stellen wie Felswänden, unter Bäumen oder in Gewässern. "Über die Weiterleitung an der Erdoberfläche gelangt die Energie auch ins Innere von Gebäuden, besonders in Küchen und Bäder", erklärt der Mediziner. Das Baden und das Telefonieren über das Festnetz sollten ebenso wie das Baden oder der Aufenthalt an Gewässerrändern während eines Gewitters vermieden werden. Schutz vor Blitzschlag bieten geschlossene Gebäude und Fahrzeuge.

Bei Unfällen mit Gleichstrom - etwa in Autobatterien - kann es gleichfalls zu Verbrennungen kommen. Wechselstrom hingegen führt häufig zu Herzrhythmusstörungen, die bis zu zwölf Stunden nach einer Stromverletzung auftreten können. Auch Herz-Kreislauf- und Atemstillstand sind möglich. Bei 70 Prozent der Stromverletzten kommt es laut Pörner zu Störungen des Nervensystems, die von kurzer Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma reichten. Auch Krampfanfälle und Lähmungen würden beobachtet sowie Knochenbrüche, Thrombosen oder Nierenversagen.

Da Stromschläge oft mit Verbrennungserscheinungen einhergehen, greift man bei der Erstversorgung auf dieselben Maßnahmen zurück. Darüber hinaus kann der Einsatz eines Defibrillators bei Kammerflimmern notwendig sein. Um Verbrennungen und Stromschlägen vorzubeugen, ist grundsätzlich Vorsicht im Umgang mit Feuer und elektrischen Geräten geboten.

(RP)
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