Duisburg: Vegan, nachhaltig und erfolgreich

Duisburg : Vegan, nachhaltig und erfolgreich

Vegane Ernährung liegt im Trend. Das Duisburger Restaurant "Mexican Hat" setzt schon lange auf Lebensmittel rein pflanzlicher Herkunft. Anfangs waren die beiden Besitzer vom wirtschaftlichen Erfolg nicht überzeugt.

Als sie ihren mexikanischen Imbiss von einem auf den anderen Tag auf rein vegan umstellten, befürchteten Yvonne Richter (29) und Sven Brüntrop (28), dass sie nach spätestens eineinhalb Monaten pleite sein würden. Wie erwartet blieben ehemalige Kunden aus. Für die beiden Jungunternehmer hätte das ein Desaster bedeutet, hatten sie sich doch zur Gründung ihres Gastronomiebetriebes mit 60 000 Euro verschuldet. Inzwischen gibt es im "Mexican Hat" seit rund zwei Jahren keine Produkte tierischen Ursprungs mehr - und der frühere Imbiss hat sich zu einem ansehnlichen Restaurant mit Außenterrasse gemausert, dessen Besitzer zudem Wert auf Nachhaltigkeit und Ökologie legen. Ein Markt, für den es offensichtlich eine zahlungsbereite Zielgruppe gibt. Und das nicht nur, weil "vegan" derzeit modern ist.

Erst kürzlich ist der Mexican Hat von der Mülheimer Straße an den Sternbuschweg in Höhe des Alten Friedhofs umgezogen und hat sich von 50 Quadratmeter Gastronomiebereich auf rund 80 Quadratmeter vergrößert. "Wir hatten vorher 21 Sitzplätze, jetzt sind es 29 drinnen und 20 draußen", sagt Brüntrop nicht ohne Stolz. Sogar Parkplätze gibt es jetzt direkt vor der Tür.

Die neue Lage des Mexican Hat ist nicht mehr so zentral wie zuvor. Trotzdem befürchtet Brüntrop keine nennenswerten Kundenverluste: "Wir haben etwa 70 Prozent Stammkunden, die kommen teilweise sogar extra aus Düsseldorf. Eine Vergrößerung war auch notwendig geworden, weil wir häufig Stammtische zu Gast haben." Für den Sonntagsbrunch, zu dem immer viele Besucher kommen, wird ebenfalls mehr Platz benötigt.

"Unsere Mission ist die Erschaffung eines nachhaltigen und zukunftsorientierten Geschäfts" ist auf der Website des Restaurants zu lesen. Mit ihrer Unternehmensphilosophie wollen Richter und Brüntrop nicht nur Tiere schützen, sondern versuchen auch, die Verschwendung von Lebensmitteln so gering wie möglich zu halten. "Wenn ein Gericht abends nicht mehr zubereitet werden kann, weil eine Zutat nicht mehr vorrätig ist, dann ist das nicht schlimm", sagt Yvonne Richter. "Denn das bedeutet ja nur, dass wir nicht zuviel eingekauft haben und deshalb nichts wegwerfen müssen." Im Mexican Hat wird auf den Gebrauch von Plastik verzichtet und in der Küche ausschließlich in Glas oder Edelstahl gekocht und gelagert. "Wir nutzen weitgehend Bioware. Dazu arbeite ich eng mit einem Lieferanten aus der Region zusammen", betont Richter.

Schon vor eineinhalb Jahren hatte das Duo eigentlich mit seinem Geschäft umziehen wollen. Ein geeignetes Ladenlokal in der Tonhallenpassage war bereits ins Auge gefasst. "Ich hatte einen tollen Businessplan ausgearbeitet, um einen weiteren Kredit für die benötigte Bestuhlung und die Umzugskosten zu beantragen. Aber der Bankberater hat uns nur ausgelacht und gemeint, dass ein veganer Imbiss ja wohl eher ein Nebengeschäft sei", erzählt Richter. Dass besagter Bankberater damit offenbar einen Trend verpasst und nicht ganz richtig gelegen haben dürfte, zeigt allein die Tatsache, dass der zur Gründung aufgenommene Kredit bereits zur Hälfte zurückgezahlt ist. "Das ist überhaupt kein Problem. Wir können uns über die Umsätze nicht beklagen", sagt Brüntrop.

Ausschlaggebend für die Umstellung des mexikanischen Imbiss auf rein pflanzliche Kost war, dass die beiden Gastronomen zunehmend bewusster mit Lebensmitteln umgingen und sich fragten, wo die Tiere, deren Fleisch sie tagtäglich verarbeiten, überhaupt herkommen. "Dann haben wir den Film ,Earthlings' gesehen, eine Dokumentation über den Konsum von Fleisch und die Nutzhaltung von Tieren. Danach konnten wir kein Fleisch mehr essen", berichten Richter und Brüntrop. "Wir haben überlegt, was wir jetzt mit dem Imbiss machen, haben quasi über Nacht eine neue vegane Speisekarte entworfen und lediglich die bereits eingekauften Tierprodukte abverkauft." Ab dann war der "Mexican Hat" vegan. Auf der Speisekarte finden sich heute Gerichte wie etwa Tortillas, Burritos, Enchilladas oder Tacos. Ein Renner ist die "Käse"-Soße ohne tierische Inhaltsstoffe. Das genaue Rezept wird von Yvonne Richter nicht verraten. Und für Liebhaber süßer Speisen stehen Leckereien wie zum Beispiel selbstgemachte Cupcakes, Schokomousse auf Avocado-Basis oder auch süße Rohkosttorten auf dem Programm - alles vegan.

Der Mexican Hat ist zu finden am Sternbuschweg 310 in Neudorf. Geöffnet ist dienstags bis donnerstags von 16 bis 21 Uhr sowie freitags und sonntags von 13 bis 21 Uhr. Mehr Infos finden sich auch unter www.the-mexican-hat.de im Internet.

(RP)
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