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Duisburg: VDK sieht wachsende Probleme für Alte und Arme

Duisburg : VDK sieht wachsende Probleme für Alte und Arme

Im Juli ist die Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Bedarfsplanung von Ärzten in Kraft getreten. In dieser Richtlinie ist festgelegt, auf wie viele Einwohner jeweils ein Arzt bzw. Facharzt kommt.

Der Sozialverband VDK in Duisburg ist entsetzt, weil darin eine eklatante Ungleichbehandlung für die Region Ruhrgebiet festgeschrieben worden sei.

Während in Deutschland auf 1671 Einwohner je ein Hausarzt entfalle, sei diese Zahl für das Ruhrgebiet auf 2134 festgeschrieben. "Darunter leiden vor allem die Älteren, Einkommensschwachen und Pflegebedürftigen", sagt Horst Vöge, Vorsitzender im VdK-Kreisverband am Niederrhein.

Aber auch Menschen, die aus stationärer Behandlung aus den Kliniken entlassen werden, seien besonders betroffen. "Noch viel schlechter sieht die Situation bei den Fachärzten aus", so Vöge weiter. Auf Augenärzte, Chirurgen, Orthopäden und Urologen kämen um 30 bis 60 Prozentpunkte erhöhte Einwohnerzahlen. Bei Nervenärzten und Psychotherapeuten liege die angesetzte Einwohnerzahl gemäß Richtlinie für das Ruhrgebiet gegenüber dem Bundesgebiet mehr als doppelt so hoch. "Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Termin beim Psychotherapeuten liegt im Ruhrgebiet bei 17 Wochen", führt Horst Vöge aus. Damit sei diese Wartezeit doppelt so lang wie in anderen Großstädten. "Dabei sind die psychischen Erkrankungen auf dem Vormarsch."

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Während der Anteil der körperlichen Erkrankungen auf 25 Prozent abgesunken sei, hätten sich die psychischen Erkrankungen auf 40 Prozent verdoppelt. Allein im Jahr 2010 seien nach Angaben des statistischen Bundesamtes durch psychische Erkrankungen 53,5 Millionen Euro Fehltage angefallen. Die weiter steigende Zahl der Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, aktiv am Arbeitsleben teilzunehmen, spiegele sich deutlich in der Mitgliederentwicklung des VdK-Kreisverbandes wider. Allein im 1. Halbjahr dieses Jahres kamen 1478 Neumitglieder hinzu, führt der VDK aus. Die Zahl der Mitglieder im Kreisverband sei auf über 21 000 angestiegen. "Circa 80 Prozent unser neuen Mitglieder haben akuten Beratungsbedarf", berichtet Raimund Bohsmann, stellvertretender Vorsitzender im VDK-Kreisverband Niederrhein. "Im ersten Halbjahr haben wir für unsere Mitglieder über 528 000 Euro an Nachzahlungen erstritten", ergänzt Robert Walter, Geschäftsführer im Kreisverband.

Wie akut die Problematik dann im Alter werden kann, zeigt sich laut VDK bei den "Erwerbsminderungsrentnern". Sie hätten ein erhöhtes Armutsrisiko, wie Bohsmann festhält. Das Eintrittsalter in die Erwerbsminderungsrente sei seit Mitte der 90er Jahre auf 50,5 Jahre gesunken. Bei praktisch allen Betroffenen fielen dadurch Abschläge bei der Altersrente bis zu 10,8 Prozent an, was zu einem drastisch erhöhten Armutsrisiko führe. Die durchschnittliche Erwerbsminderungsrente betrage 716 Euro. "Allein auf unserem Gebiet beziehen 2429 Menschen eine Erwerbsminderungsrente", sagt Robert Walter.

(RP)