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Unwetter NRW: Mehr als 800 Einsätze in Duisburg und im Kreis Wesel​

Unwetter in NRW : Mehr als 800 Einsätze in Duisburg und im Kreis Wesel

Auch im Kreis Wesel und in Duisburg hat das Unwetter am Donnerstagabend heftige Schäden angerichtet. Auf der Ruhr ist ein Boot gekentert, in Voerde fiel der Strom aus, in Hünxe wurde ein Traktorfahrer verletzt. Wir geben einen Überblick.

Das Unwetter, das am Donnerstagabend über weite Teile Nordrhein-Westfalens gezogen ist, hat in Duisburg und im Kreis Wesel schwere Schäden hinterlassen.

Bis 22 Uhr gingen allein bei der Feuerwehr in Duisburg rund 700 Meldungen ein. Neben einer Vielzahl umgestürzter Bäume im Stadtgebiet wurden zahlreiche Straßen und Keller überschwemmt. Das teilte die Leitstelle am späten Abend mit.

Auf der Ruhr ist ein Boot durch das heftige Gewitter gekentert. Die Feuerwehr konnte drei Personen, die an Bord waren, an Land bringen. Personen sind nach bisherigen Erkenntnissen nicht zu Schaden gekommen.

In den Duisburger Wäldern läuft derzeit noch die Schadensaufnahme.In den Wäldern besteht eine deutlich erhöhte Gefahrenlage durch herabstürzende Äste oder angebrochene Stämme, die jederzeit umfallen können. Das Umweltamt bittet daher darum, die Waldgebiete derzeit nicht zu betreten. Wer einen Schaden melden möchte, kann sich unter der Rufnummer 0203 94000 an das städtische Callcenter wenden.

Im Stadtteil Baerl war am Abend zeitweise das Telefonnetz ausgefallen. Die Störung konnte allerdings bis 20.40 Uhr behoben werden.

 An der Voerder Straße in Dinslaken fiel ein Baum auf ein Auto.
An der Voerder Straße in Dinslaken fiel ein Baum auf ein Auto. Foto: Feuerwehr Dinslaken
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Überwiegend hat das Unwetter den Norden sowie Westen des Duisburger Stadtgebietes getroffen. Die Abarbeitung der Einsätze war auch am Morgen noch nicht abgeschlossen. Mehr als 500 Einsatzkräfte der Feuerwehr und des THW waren im Einsatz.

Auch der Niederrhein war vom Unwetter betroffen. In Hünxe wurde der Fahrer eines Traktors durch Baumteile leicht verletzt, in Dinslaken erlitt ein Autofahrer durch einen umgestürzten Baum ebenfalls leichte Verletzungen. Nachdem das Unwetter Dinslaken gegen 19 Uhr erreicht hatte, gingen innerhalb kürzester Zeit 146 Meldungen über Schäden im gesamten Stadtgebiet bei der Feuerwehr ein. Willy-Brandt-Straße, Voerder Straße, Augustastraße, Ziegelstraße und die Hünxer Straße waren durch umgestürzte Bäume teilweise nicht passierbar.

Die Wehr war mit 90 Einsatzkräften aller Einheiten im Einsatz. Zudem bekam sie Unterstützung aus Voerde, die Voerder Wehr schickte zwei Löschfahrzeuge und eine Drehleiter nach Dinslaken. Die dringendsten Einsatzstellen in Dinslaken konnten bis 1.45 Uhr abgearbeitet werden.

Kurz nach 19 Uhr erreichten die ersten Ausläufer der Gewitterfront Voerde. Innerhalb kürzester Zeit gingen bei der Feuerwehr die ersten Notrufe ein. Überwiegend wurden umgestürzte Bäume gemeldet, zwei fielen auf Oberleitungen. Am Peerdsbuschweg in Möllen musste der Netzbetreiber hinzugezogen werden. Der Baum, der an der Rönskenstraße in die Oberleitung gefallen war, fing Feuer. Ein Baum fiel in Friedrichsfeld auf ein Auto. Gegen 19.15 Uhr fiel dann in weiten Teilen von Voerde der Strom aus. Dadurch versagten dann auch einige Pumpanlagen, was unter anderem zu überfluteten Kellern im Bereich der Prinzenstraße führte.

Auch liefen die Bahnunterführungen an der Steinstraße und am Hammweg voll. Hauptschwerpunkt der unwetterbedingten Schäden lag im Bereich der Rahmstraße / B8 in Möllen, wo zahlreiche Bäume Opfer der starken Windböen wurden. Im Bereich Schwarzer Weg unterstützen Kräfte der Feuerwehr Voerde die Hünxer Wehr bei der Beseitigung von umgestürzten Bäumen. Insgesamt waren 55 Einsatzkräfte der Voerder Feuerwehreinheiten bis etwa 23.45 Uhr im Einsatz, um 27 Einsatzstellen im Stadtgebiet abzuarbeiten. Die Stromversorgung in Voerde war gegen 22.20 Uhr wieder hergestellt.

Vergleichsweise gering betroffen war auf der rechten Rheinseite die Stadt Wesel. Die Feuerwehr musste unwetterbedingt lediglich zu fünf Einsätzen ausrücken. Drei davon entpuppten sich als Fehlalarme. Ernsterer Natur war indes ein Blitzeinschlag am Bruchweg im ländlichen Stadtteil Lackhausen. Er ereignete sich ganz nah an einem Wohnhaus. Die Spannung wirkte sich auf die Elektrik des Hauses aus. Die Bewohner (82 und 79 Jahre) stellten nach dem Knall fest, dass Funken aus ihrem Sicherungskasten sprühten und versuchten zunächst, diese mit mit Lappen und Decken zu ersticken. Schließlich mussten sie doch die Wehr rufen, die dann fachgerecht löschte. Das Ehepaar wurde mit Verdacht auf Rauchgasverletzungen in eine Klinik gebracht, konnte diese aber noch in der Nacht wieder verlassen. Darüber hinaus hatte die Wehr noch einen umgestürzten Baum vom Gehweg am Willibrordiplatz in der Innenstadt zu räumen.

Auch in Moers hat die Unwetterfront Polizei und Feuerwehr bis in die hinein Nacht beschäftigt. Vor allem in den südlichen und östlichen Stadtteilen sorgte der Sturm für Schäden in Grünanlagen und ließ Regenwasserkanäle kurzzeitig überquellen. Das Team von Marcus Petrausch, Sachgebietsleiter Grünflächen bei der Enni Stadt & Service Niederrhein, verzeichnete bis zum Freitagmorgen im öffentlichen Bereich mindestens 15 umgestürzte Bäume und unzählige Astbrüche. Mindestens zehn weitere stark beschädigte Bäume wird Enni kurzfristig fällen. In den kommenden Tagen bittet Petrausch Bürger weiter, besonders in Grünanlagen, Wäldern und Parks wachsam zu sein. „Wer einen Schaden an einem Baum im öffentlichen Bereich sieht, sollte uns informieren. In privaten Anlagen können wir nur bei einer Verkehrsgefährdung helfen.“

Mit meist nur Astbrüchen sind auch die Moerser Friedhöfe trotz ihrer großen Grünanteile glimpflich davongekommen. „Auf den Friedhöfen Lohmannsheide und Kapellen sind aber drei Bäume umgestürzt“, so der zuständige Sachgebietsleiter Ralf Hoetzel. „Alle Trauerfeiern und Bestattungen finden wie geplant statt.“ Kaum mehr war bei Frank Büser los. Laut dem Abteilungsleiter für den Bereich der Stadtentwässerung verzeichnete Enni in Pumpwerken und Rückhaltebecken zwar Höchststände. Meldungen zu überfluteten Straßen gab es aber nur wenige, da das System die Wassermassen weitgehend gut aufnehmen konnte. Wasser abpumpen musste Enni in einigen Straßen dennoch, etwa in der Orsoyer Allee in Eick, in der Ruhrstraße in Moers-Meerbeck und auf der Homberger und der Xantener Straße im Innenstadtbereich. „Hier konnten die Kanäle die Wassermassen kurzzeitig nicht aufnehmen.“ Auch der Friedrich -Ebert-Platz war betroffen, wo sich durch rückstauendes Wasser Teile des Pflasters hochdrückten.

Laut Feuerwehrchef Christoph Rudolph mussten die Retter in der Grafenstadt am Donnerstagabend zu mehr als 100 Einsätzen ausrücken. Dabei handelte es sich in erster Linie um Gefahrenstellen durch umgestürzte Bäume, unter Wasser stehende Fahrbahnen und ausgefallene Ampeln. Verletzt wurde niemand. „Betroffen war vor allem die Innenstadt“, sagt Rudolph.  „Der Schwerpunkt des Unwetters lag allerdings nebenan in Krefeld.“

Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn hingegen kamen bei dem kurzen aber heftigen Unwetter relativ glimpflich davon.„Wir wurden zu vier Einsätzen innerorts gerufen“, so der Neukirchen-Vluyner Wehrführer Lutz Reimann. Einsatzmeldungen wie Wasserschäden durch vollgelaufenen Keller, ein abgeknickter Baum auf der Krefelder Straße sowie eine lose Kaminverkleidung auf dem Drosselweg konnten von der Feuerwehr zügig abgearbeitet werden.

In Rheurdt (Kreis Kleve) gab es am Donnerstagabend keinen einzigen Gewittereinsatz.

(atrie/hsd/juha/akö/fws)