Duisburg: Unterricht mit Zukunft am FHG

Duisburg : Unterricht mit Zukunft am FHG

Homberger Schüler interviewen zwei englischsprachige Autoren via Internet.

Was bewegt einen Autor dazu, ein Gedicht zu schreiben? Was ist sein größter Traum, und was ist seine größte Angst? Beim Lesen von Texten im Unterricht kommen Schülern viele verschiedene Fragen in den Sinn. Aber wer hat schon die Gelegenheit, sie den Verfassern selbst zu stellen? Im Franz-Haniel-Gymnasium feierte jetzt ein etwas anderer Englischunterricht Premiere. Via Internet konnten die jungen Leute die Autoren Benjamin Zephaniah und Kirsty Murray interviewen. Für sie und die Befragten eine völlig neue Erfahrung.

Zuvor hatten sich die jungen Homberger im Unterricht mit dem Gedicht "The British" des britisch-jamaikanischen Schriftstellers und Reggae-Poeten Benjamin Zephaniah auseinandergesetzt. Außerdem lasen sie den Roman "A Prayer for Blue Delaney" der in Melbourne lebenden Australierin Kirsty Murray.

Für Englischlehrerin Nina Toller gleich zwei gute Gründe, neue Wege zu gehen. Via Twitter stellte sie einen ersten Kontakt zu den beiden englischsprachigen Autoren her und vereinbarte schließlich für die Schüler Interviewtermine über Skype, also von Angesicht zu Angesicht.

Die Schüler bereiteten die Interviews im Englischunterricht vor, sammelten und übersetzten Fragen. So wollten sie etwa von Benjamin Zephaniah wissen, was ihn inspiriere, Gedichte zu schreiben und was er damit erreichen will. Inspirationen, sagte Zephaniah, gab es viele, etwa den Stadtteil in Birmingham, in dem er aufgewachsen ist, außerdem hätte ihn der Kontakt mit Menschenrechtlern geprägt. Sein Ziel sei es, möglichst viele Menschen mit seinen Gedichten zu erreichen. Vor allem lägen ihm aber junge Leute am Herzen, da sie die Welt verändern könnten. Die heutige Welt sei wieder geprägt von Krieg, Flucht und Verzweiflung. Auch wenn es sich klischeehaft anhöre, wünsche er sich dennoch mehr Frieden.

In dieser Hinsicht sei für ihn die Warnung am Ende seines Gedichts "The British" immer noch aktuell, vielleicht sogar mehr denn je: Je mehr Kulturen zusammenlebten, desto mehr müssten Gerechtigkeit und Respekt gleich verteilt sein, da es sonst zu "Explosionen" komme.

Dann war die Australierin Kirsty Murray an der Reihe. Sie berichtete via Skype, dass sie eine ganze Buchreihe geschrieben hat, die sie "Children of the Wind" nannte. An allen Bänden habe sie gleichzeitig gearbeitet, so dass sie sich die einzelnen Charaktere sowohl jung als auch alt vorstellen musste. Insgesamt habe sie dafür fünf Jahre gebraucht. In dieser Zeit fand sie es sehr spannend, die Geschichten ihres Heimatlandes besser kennenzulernen.

Dafür sei sie an alle Orte gereist, die im Roman vorkommen und habe Stämme der Aborigines um Erlaubnis gebeten, ihre Geschichte nutzen zu dürfen.

Da einige offene Fragen erst im letzten Buch der Reihe beantwortet werden, wollen einige der Homberger Schüler diesen Band jetzt unbedingt lesen.

(RPN)
Mehr von RP ONLINE