Unternehmen müssen ihre Quoten erfüllen „Inklusion auf dem Arbeitsmarkt lebt“

Der Unternehmerverband lehnt die von der SPD geforderte Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe ab. Es werde schon jetzt viel für die Inklusion Behinderter auf dem Arbeitsmarkt getan.

 Für viele Unternehmen ist es nicht leicht, die vorgeschriebenen Quoten zur Beschäftigung Behinderter zu erfüllen.

Für viele Unternehmen ist es nicht leicht, die vorgeschriebenen Quoten zur Beschäftigung Behinderter zu erfüllen.

Foto: dpa/Stefan Puchner

Die Zahl der Arbeitslosen mit einer Behinderung sinkt auf immer neue Rekordtiefen, aktuell auf rund 160.000. Immer mehr schwerbehinderte Menschen, derzeit 1,22 Millionen, sind berufstätig. Auch die Zahl schwerbehinderter Auszubildender ist in den vergangenen zehn Jahren durchgehend gestiegen – und zwar um fast ein Viertel. „Es ist eine tolle Entwicklung, dass Menschen mit Behinderung vom allgemein guten Arbeitsmarkt profitieren; die Inklusion lebt“, stellt Elisabeth Schulte vom Unternehmerverband fest.

Im Gegensatz zu dieser erfreulichen Entwicklung steht ein Vorschlag des Bundesbehindertenbeauftragten Jürgen Dusel (SPD), der eine deutliche Erhöhung der Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe fordert. Diese zahlen Unternehmen, die keine oder – gemessen an der vorgeschriebenen Quote – zu wenig Menschen mit Behinderungen beschäftigen. „Es ist schlecht, Unternehmen so pauschal in Beugehaft zu nehmen, das konterkariert die erfreulichen Erfolge der beruflichen Teilhabe“, sagt Schulte, die Geschäftsführerin des Unternehmerverbandes Soziale Dienste und Bildung ist. Der Arbeitgeberverband berät und vertritt auch Behinderteneinrichtungen wie Wohnheime, Werkstätten und Kindergärten. „Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren vermehrt das Potenzial von Menschen mit Behinderung erkannt und sie zunehmend beschäftigt – übrigens auch viele kleine Unternehmen, die dazu gar nicht gesetzlich verpflichtet sind.“ Sie ergänzt, dass auch Unternehmen, die selbst keine Menschen mit Behinderung beschäftigen, indirekt deren Integration in den Arbeitsmarkt finanzieren: nicht nur durch die Ausgleichsabgabe, sondern auch durch Steuern, Sozialversicherungsabgaben oder durch das Beauftragen von Behindertenwerkstätten.

Wichtig ist dem Unternehmerverband bei der Diskussion, dass – anders als es der Begriff „Schwerbehinderung“ signalisieren mag – schwerbehinderte Menschen sehr wohl leistungsfähig sind. In Deutschland leben fast acht Millionen schwerbehinderte Menschen – und nur ein Bruchteil, genauer gesagt: 3,3 Prozent, haben eine angeborene Behinderung. „Alle anderen haben sie im Laufe ihres Lebens bekommen, die meisten durch eine Krankheit“, so Schulte. Diese Menschen nach ihrer Rückkehr im Betrieb zu halten – danach strebt in Zeiten von Fachkräfteengpässen jeder Arbeitgeber. Die Maßnahmen sind vielfältig, zum Beispiel Wiedereingliederung, Rehabilitation und angepasste Arbeitsplätze.

Trotzdem ist es nicht so einfach, die vorgegebenen Quoten zu erreichen. Behinderungen sind ebenso vielfältig wie die Anforderungen eines speziellen Jobs, erläutert Schulte. Deshalb könnten Unternehmen, selbst wenn sie wollten, nicht jeden Arbeitsplatz mit Schwerbehinderten besetzen. „Deshalb wäre es besonders ungerecht, wenn solche Unternehmen auch noch eine höhere Ausgleichsabgabe zahlen müssten“, so Schulte. Anstatt Unternehmen mit Strafen und Bürokratie zu demotivieren, Inklusion in ihren Betrieben weiter voranzutreiben, sollten Fördermöglichkeiten noch besser für die individuelle passgenaue Integration zugänglich werden. Dafür engagieren sich die Arbeitgeber: Mehr Infos und Beispiele vorbildlicher Unternehmen unter www.inklusion-gelingt.de und www.inklusionspreis.de.

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