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Uni Duisburg: Kickstart nach Weggang von Prof. Ferdinand Dudenhöffer

CAR-Institut an der Uni Duisburg-Essen : Kickstart nach Weggang des Auto-Papstes

Der renommierte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer wurde aus Altersgründen “zwangspensioniert” und verließ die Uni Duisburg-Essen in Richtung Schweiz. Das von ihm gegründete CAR-Institut nahm er mit, was an der UDE zu Konsequenzen führt.

Jahrelang konnte sich die Universität Duisburg-Essen damit schmücken, einen zwar nicht immer unumstrittenen, aber gleichwohl international bekannten Autoexperten in ihren Professoren-Reihen vorweisen zu können: Ferdinand Dudenhöffer. Fast immer, wenn es um das Thema Auto ging, wurde in Funk, Fernsehen und den gedruckten Medien Dudenhöffer als Gesprächpartner gesucht. Dudenhöffer konnte Probleme der Automobilindustrie pointiert darstellen, wirkte unglaublich kompetent und gut informiert, war weltweit vernetzt und scheute sich vor allem nicht, Kritik zu äußern. Beispielsweise auch am ADAC. Dudenhöffer gründete an der Uni Duisburg Essen das Center Automotive Research, das unter dem sprechenden Namenskürzel CAR bekannt wurde. Die CAR-Kongresse sind unbestritten Bestandteile der jüngeren europäischen Automobilgeschichte. Im März 2020 kam es zum Einschnitt: Dudenhöffer, geboren am 29. Juni 1951, wurde aus Altersgründen pensioniert; zwangsweise, wie er durchblicken ließ.

Zur Ruhe wollte er sich trotzdem nicht setzen. Ab April setzte er seine Laufbahn an der Universität St. Gallen in der Schweiz fort. Allerdings muss es dort für Dudenhöffer nicht so gelaufen sein, wie er vermutlich gehofft hatte. Jedenfalls wurde jetzt bekannt, dass sich der Professor für Marketing und Unternehmensführung sein eigentlich in St. Gallen vorgesehenes Arbeitsgebiet am Intitute for Customer Insight nicht in Vollzeit übernehmen mochte. Statt dessen zieht er es vor, an der Uni St. Gallen nur noch projektbezogen und beratend tätig zu sein. Den Schwerpunkt seiner Arbeit sehe er weiterhin bei der “Positionierung der CAR-Kongresse”.

Das wiederum bringt die Uni Duisburg-Essen in Zugzwang. Noch vor wenigen Wochen hatte die UDE Ellen Enkel als direkte Nachfolgerin von Ferdinand Dudenhöffer vorgestellt. Ellen Enkel, die übrigens von 1999 bis 2008 auch in St. Gallen lehrte, übernahm an der UDE die Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Mobilität. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass sie als Dudenhöffer-Nachfolgerin auch die Leitung des CAR-Instituts übernehmen würde. Doch weit gefehlt: Das CAR bleibt in der Hand von Dudenhöffer.

Daraus scheint die UDE die Konsequenzen zu ziehen: Sie geht in die Offensive. In der jüngsten Presseerklärung der UDE heißt es: “Das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen richtet sich neu aus und wird deutlich größer.” Die Arbeitsgebiete würden sich künftig nicht nur auf die Automobiltechnik und Automobilwirtschaft beschränken, sondern auch andere Bereiche der Mobilität umfassen. Dazu zählten unter anderem die Schiffstechnik und die Transportlogistik. Also Bereiche, mit denen sich “Auto-Papst” Dudenhöffer nicht beschäftigt hat.

Das CAR-Institut ist an der Uni Duisburg-Essen nun Geschichte. Statt dessen wird es das MOTION geben, was für MObility TransformaTION steht. Mit diesem neune Namen trage das Institut der Tatsache Rechnung, dass sich neue Technologien heute nicht mehr einfach bestimmten Industrien zuordnen lassen. „Methoden, die für das autonome Fahren von PKW entwickelt und genutzt werden, lassen sich beispielsweise auch in der Binnenschifffahrt anwenden. Und auch die Transportlogistik reagiert auf die vernetzte Welt und fragt nach energieeffizienten und automatisierten Systemen“, begründet Prof. Dr. Dieter Schramm, Dekan der Ingenieurwissenschaften, die Neuausrichtung. Schramm wird in der aktuellen Pressemitteilung der UDE auch als Nachfolger von Ferdinand Dudenhöffer und Sprecher des neuen Instituts vorgestellt. Über Prof. Dr. Ellen Enkel heißt es, dass sie bei MOTION mitarbeiten und auch im Vorstand des Instituts eine wesentliche Rolle einnehmen werde.