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Uni Duisburg-Essen: Studie zur Gleichstellung der Geschlechter

Uni Duisburg-Essen untersucht Gleichstellung : Kampfarena von Mann und Frau

Das mit der Uni verbundene Institut für Arbeit und Qualifikation veröffentlicht – kurz vor der Frauenquoten-Diskussion in der CDU – eine Studie über die Gleichstellung der Geschlechter in der Wissenschaft.

Vor wenigen Tagen konnte die Universität Duisburg-Essen stolz verkünden, dass ihr das Prädikat „familiengerechte Hochschule“ als dauerhaftes Zertifikat verliehen wurde (die RP berichtete). Doch schon da gestand Uni-Rektor Ulrich Radtke ein, dass sich gerade jetzt während der Corona-Pandemie zeigt: Frauen tragen die Hauptlast angesichts der angeordneten Einschränkungen. An der Uni könne man sehen, dass Wissenschaftlerinnen derzeit weniger Artikel zur Veröffentlichung einreichten als ihre männlichen Kollegen. Sie könnten sich somit auch weniger profilieren als ihre männlichen Kollegen.

Wie ein Kommentar zu diesen selbstkritischen Befunden angesichts der erfreulichen Zertifizierung als „familiengerecht“ liest sich die aktuelle Studie zur Gleichstellung von Männern und Frauen an der Uni, die das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ)  veröffentlicht hat. Das Fazit lautet: Trotz vieler gleichstellungspolitischer Initiativen können Männer an deutschen Hochschulen nach wie vor leichter Karriere machen. Zwar hat der Frauenanteil in der Wissenschaft kontinuierlich zugenommen, er sinkt aber mit steigender Qualifikation. Weniger als jede vierte Professur in Deutschland ist heute mit einer Frau besetzt. Zudem verdienen sie schlechter als ihre männlichen Kollegen. In der IAQ-Studie wird auch danach gefragt: Was wissen die Betroffenen selbst über Gender- und Gleichstellungsfragen und (wie) setzen sie das als Führungskräfte im beruflichen Alltag um?

Für das vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium geförderten Projekt befragten Soziologinnen unter Leitung von IAQ-Direktorin Ute Klammer 40 Professorinnen und Professoren aus unterschiedlichen Fachgebieten. Wie die Auswertung der an vier NRW-Universitäten geführten Interviews zeigt, befürworten die Befragten beiderlei Geschlechts grundsätzlich die Frauenförderung. Viele sehen allerdings einen Konflikt zwischen der Bestenauswahl und der politischen und rechtlichen Vorgabe, dass Frauen und Männern gleich stark vertreten sein sollen. „Aber was die Besten ausmacht, wird nicht hinterfragt“, kritisiert Ute Klammer, selber Professorin für Sozialpolitik. Vielmehr stelle sich die Arbeitskultur in der Wissenschaft zunehmend als „Kampfarena“ mit starker Wettbewerbsorientierung dar und trage mit dazu bei, dass gerade Frauen immer noch häufig aus der wissenschaftlichen Karriere aussteigen.

An der Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit werde unter dem Stichwort „Familienfreundlichkeit“ an vielen Hochschulen seit langem gearbeitet. Allerdings drohe die Gefahr, dass sich die Geschlechterstereotypen verfestigen, wenn die besonderen familiären Belastungen von Frauen  thematisiert werden, befürchten die Forscherinnen. Deshalb sollten auch Männer stärker als Sorgetragende angesprochen werden, so eine Forderung der Befragten.

Die Gleichstellungsforschung könnte helfen, auch andere strukturelle Probleme an den Hochschulen besser zu erkennen. Etwa Fragen, wie mehr Beschäftigungssicherheit für den wissenschaftlichen Nachwuchs geschaffen wird, wie alternative Qualifizierungswege jenseits von Habilitation und Juniorprofessur mehr Anerkennung erfahren können und wie sich der Trend zur kurzfristigen Projektfinanzierung wieder umkehren lässt zugunsten einer verlässlichen Grundfinanzierung.

Ute Klammer: „Es geht um die fundamentale Frage: Was ist unser Verständnis von guter, von exzellenter Wissenschaft – und wie können wissenschaftliche Einrichtungen so aufgestellt werden, dass uns keine Talente – Frauen wie Männer – verloren gehen?“

Die Studie wurde übrigens kurz vor dem Aufflammen der Diskussion über die Einführung einer Frauenquote in der CDU veröffentlicht. Viele Fragestellungen und mögliche Antworten darauf scheinen von der Hochschule auf die Politik übertragbar zu sein.

Quelle: Ute Klammer, Lara Altenstädter, Ralitsa Petrova-Stoyanov und Eva Wegrzyn: Gleichstellungspolitik an Hochschulen. Was wissen und wie handeln Professorinnen und Professoren?, ISBN: 9783847415206, Verlag Barbara Budrich, 2020, Download: https://content-select.com/de/portal/media/view/5ec41306-6f94-4ce4-9db3-374bb0dd2d03