Uni Duisburg-Essen Hacker fordern Lösegeld nach Cyber-Angriff – Lehre weiterhin massiv gestört

Update | Duisburg · Am vergangenen Wochenende legte ein Hackerangriff die Universität Duisburg-Essen lahm. Nun ermitteln Experten der Staatsanwaltschaft Köln – bislang noch gegen Unbekannt. Wie die Hochschule nun improvisiert.

 Der Duisburger Campus der Universität-Duisburg-Essen.

Der Duisburger Campus der Universität-Duisburg-Essen.

Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)

Nach dem Cyber-Angriff auf die Universität Duisburg-Essen am Wochenende ermittelt nun die Spezialeinheit für Cybercrime der Staatsanwaltschaft Köln in dem Fall. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, sagt Staatsanwalt Christoph Hebbecker. Man führe ein Verfahren wegen Computersabotage und Erpressung gegen eine bislang unbekannte Gruppe von Tätern. Im konkreten Fall gebe es noch keine Spur, erfahrungsgemäß steckten aber oft internationale Hackergruppen hinter solchen Angriffen. „Das waren hochprofessionelle Täter“, sagt Hebbecker.

Laut Staatsanwaltschaft ist die digitale Infrastruktur der Hochschule von außen infiltriert worden. Seit dem Wochenende hat die Universität keinen Zugriff. Im System haben die Täter eine Nachricht platziert, in der sie Lösegeld fordern, um die verschlüsselten Daten wieder freizugeben. Wie hoch der Betrag ist, wollen die Ermittler nicht sagen. „Wir raten davon ab, das Geld zu bezahlen“, sagt Hebbecker.

Von Lösegeldzahlungen rate die Behörde grundsätzlich ab, schon, um das Geschäftsmodell der Erpresser nicht zu unterstützen. Verlangt worden seien in früheren Fällen sechsstellige Summen oder Zahlungen bis zu einer mittleren zweistelligen Millionenhöhe.

Der Lehrbetrieb in der Hochschule mit über 40.000 Studenten ist unterdessen weiter massiv behindert. Die gesamte IT einschließlich Festnetztelefonie stünden weiter nicht zur Verfügung, sagte Universitätssprecherin Birte Vierjahn am Mittwoch. Auch die Lernplattform Moodle, über die Materialien für Seminare und Vorlesungen heruntergeladen werden können, ist nicht mehr erreichbar.

Die Hochschule hat für ihre Studenten und Mitarbeiter eine neue Webseite aufgebaut, die langsam mit Inhalten gefüllt wird, wie die Sprecherin sagte. Telefonische Kontakte etwa zwischen Dozenten und Studenten liefen häufig über dienstliche und private Handys. Außerdem informiere die Universität über soziale Medien. Der Präsenz-Vorlesungsbetrieb laufe weiter, der digitale Zugriff auf Unterrichtsmaterial, An- und Abmeldungen zu Prüfungen oder das Hochladen von Arbeiten funktioniere derzeit aber noch nicht. Unterlagen für Zeugnisse und Bescheinigungen können nach wie vor vor Ort abgegeben werden.

Wie lange es bis zur Behebung der Schäden noch dauern werde, lasse sich derzeit nicht überblicken, sagte die Hochschulsprecherin. „Wir arbeiten unter Hochdruck.“

Zuletzt kam es in Deutschland immer wieder zu Hackerangriffen auf öffentliche Einrichtungen, Universitäten und Krankenhäuser. So war unter anderem der Autozulieferer Continental und die Caritas betroffen. Die Täter zu ermitteln, könne Monate dauern, heißt es bei der Staatsanwaltschaft Köln. Ob es in den Fällen eine Verbindung zu ausländischen Staaten gebe, sei oft lange unklar.

(mit dpa)

(dab/atrie)
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