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Duisburg: Unfallbilder sollen hängen bleiben

Duisburg : Unfallbilder sollen hängen bleiben

Bei der Auftaktveranstaltung der Kampagne "Crash Kurs NRW" in Duisburg schilderten gestern Polizeibeamte, Mitglieder des Rettungsdienstes und Betroffene in der Aula des Berufskollegs Mitte vor rund 200 Berufsschülern Verkehrsunfälle aus ihrer ganz persönlichen Sicht.

Dadurch sollen die jungen Erwachsenen zur Vorsicht im Straßenverkehr gemahnt werden. Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen sei besonders gefährdet, Opfer von Verkehrsunfällen zu werden.

Die Erzählungen der Polizisten, Sanitäter und eines Notarztes wurden zunächst von Unruhe und Zwischenrufen begleitet. Während die Personen auf der Bühne Details ihrer Einsätze preisgaben, wurden hinter ihnen mittels Beamer Bilder des entsprechenden Verkehrsunfalls auf die Leinwand projiziert. Zerquetschte Fahrzeuge, verletzte Insassen und Blutspuren auf der Fahrbahn wurden in aller Deutlichkeit gezeigt. Ernst wurden die Zuschauer erst, als ein Polizist erzählte: "Ich wollte die Unfallbilder in meinem Kopf einfach nicht mit nach Hause nehmen, darum habe ich Beruf und Privatleben immer zu trennen versucht. Bei einem Verkehrsunfall vor 14 Jahren war das anders — denn das Unfallopfer war mein Kollege."

Stille senkte sich über den Saal, als ebendieser Kollege, Michael Haraem, die Bühne betrat. Sein Knie musste bei dem Unfall vom Gelenk abwärts amputiert werden. Die jungen Erwachsenen lauschten gebannt dem Bericht des Beamten, der damals glaubte, sein Leben sei vorbei. Mittlerweile hat Haraem gelernt, mit seiner Beeinträchtigung zu leben und sogar zweimal an den Paralympics teilgenommen. Das veranlasste die Zuschauer zu spontanem Applaus.

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"Das ist genau das, was wir erreichen wollen", erklärte Horst Wolf, Leiter der Verkehrsunfallprävention. Die wichtigsten Bilder seien die, die im Kopf der Zuschauer entstehen. Im Rahmen des Projekts wird das Team acht weitere elfte Jahrgangsstufen an Berufsschulen besuchen. Der nächste Termin ist für Februar 2012 ansetzt.

Während einer kurzen Pause erarbeiteten die Schüler Lösungsvorschläge, damit ihnen eine solche Situation erspart bleibt. Die Beamten stellten dabei noch einmal die wichtigsten Faktoren heraus: Die Übernahme von Verantwortung für das eigene Leben und das der Mitmenschen. Nur dann könnten sich die im Vorfeld von den Schülern benannten Lebensträume und -ziele, die auf Karten an einem Ballon auf der Bühne hingen, erfüllen.

(RP/rl)