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RP-Serie Bedeutende Duisburger Demokraten: Unbestechlich, unbeugsam, lebensfroh

RP-Serie Bedeutende Duisburger Demokraten : Unbestechlich, unbeugsam, lebensfroh

Emil Rentmeister war jemand, der ein Großer hätte werden können, wenn er nicht im Alter von 27 Jahren von den Nationalsozialisten ermordet worden wäre. Er sei "der Richtige", sagten seine Mörder über ihn.

Am 2. Mai 1933 erscheint ein junger Mann in den Räumlichkeiten seiner Gewerkschaft, dem "Zentralverband der Angestellten" (ZDA) auf der Friedrich-Wilhelm-Straße 72, um ein Gerücht zu überprüfen. Die Nazis, SA und SS, sollen die Gewerkschaftshäuser überfallen. Er wird von den anwesenden Nazis mit den Worten begrüßt: "...Aha da ist ja der Richtige!" Stunden später stirbt Emil Rentmeister, geboren am 12. Dezember 1905, furchtbar zugerichtet im Alter von 27 Jahren. Dabei passt er gar nicht zu den anderen Opfern. Bei den anderen drei, Michael Rodenstock, Johann Schlösser und Julius Birck, handelte es sich um örtliche Größen der Duisburger Sozialdemokratie, nicht um viel versprechende junge Männer. Warum war Emil Rentmeister, der junge Mann mit wenig Einfluss und politischer Bedeutung, genau "der Richtige"?

Viel ist nicht bekannt von seinem Lebensweg. Sohn einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie in Hochfeld, machte er schon als Jugendlicher auf sich aufmerksam, absolvierte als erster Volksschüler eine Ausbildung zum Handelskaufmann bei der AEG. Und nicht nur dies, er beendete diese ein halbes Jahr, wegen seiner hervorragenden Leistungen früher. Mutig war er, intelligent muss er auch gewesen sein. Doch schon 1927/ 28 wurde er entlassen und fand wohl auch keine weitere feste Anstellung mehr bis zu seinem Tode im Mai 1933 — in diesen fünf Jahren scheint er jedoch zu keinem Zeitpunkt "arbeitslos" gewesen sein. Emil Rentmeister intensivierte die Mitarbeit in seiner Gewerkschaft, dem "Zentralverband der Angestellten" (ZDA) — August Seeling war damals dessen hauptamtlicher Vorsitzender. August Seeling, der spätere Oberbürgermeister Duisburgs und damals Sekretär des ZDA, gab hinterher folgende Erklärung für den Mord: "Es war bekannt, Rentmeister stand sehr zu seinen Überzeugungen. Er war Mitglied des 'Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold' und der 'Eisernen Front', die damals noch gebildet wurde, kurz bevor die Nazis an die Macht kamen. Es gab dieses Abzeichen, die drei Pfeile, die trug er immer offen. Er hat seine Überzeugung immer mit Nachdruck vertreten. Durch Gespräche an den Theken kannte man seine Gesinnung."

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Er war aufgefallen mit seiner Standhaftigkeit. Ein Nachbar, der bei den Nazis war, hatte ihm bedeutet, wenn er der NSDAP beitrete, könne er eine Anstellung bei der Sparkasse finden, und Rentmeister hat ihm geantwortet, er könne seine Ansichten nicht wechseln wie das Hemd. Ein Bruder dieses Nazis war einer seiner Mörder, wurde später von einem britischen Gericht wegen der Morde zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Emil Rentmeisters politische Ausrichtung zu seinem Todeszeitpunkt ist bekannt und wiederum auch nicht. Er war bekannter Aktivist der republikanischen Wehrorganisationen, kam aus der Sozialdemokratie, aber Mitglied der SPD war er im Mai 1933 wohl nicht mehr. Ein Foto, aufgenommen am 1. Mai 1933, zeigt ihn zusammen mit einer Gruppe junger Leute bei einem Ausflug in Venlo, munter, gelassen, in Urlaubsstimmung. Es handelte sich um eine Gruppe des Sozialistischen Jugendverbandes Deutschland (SJVD), der Jugendorganisation der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP). Wann sich Emil Rentmeister der SAP zuwandte, ob schon Ende 1931 oder im Laufe des Folgejahres oder gar erst 1933, ist unbekannt.

Ein unvollendetes Leben, ein tragisches Ende, diese Wertungen dürften unstrittig sein. Nur die andere, die weitergehende "bedeutender Demokrat" bleibt erklärungsbedürftig. Zudem noch: Ein revolutionärer Sozialist!

Und hier wird auch deutlich, warum Emil Rentmeister in dieser Reihe der bedeutenden Duisburger Demokraten einen Platz hat: Die Serie wurde mit einer Würdigung Franz Wiebers eröffnet — einer der Großen lautete das vorangesetzte Fazit. Danach wurde an Michael Rodenstock erinnert, den Gewerkschaftssekretär und Reichsbanner-Vorsitzenden. Und schließlich an Gottfried Könzgen, zu dem sich die deutlichste Parallele finden lässt: Märtyrer, Blutzeuge einer Anschauung zu sein. Im Falle Rentmeisters nicht seines religiösen Glaubens, sondern seiner politischen Vorstellungen.

Ein Fazit lässt sich im Vergleich zu Franz Wieber ziehen: Emil Rentmeister wäre wohl auch den Weg der anderen SAPler gegangen, hätte sich später wieder der SPD angeschlossen — so wie Eberhard Brünen, später Bundestagsabgeordneter für Duisburg, oder wie Willy Brandt. Er war jemand, der ein Großer hätte werden können, wenn er nicht im Alter von 27 Jahren ermordet worden wäre. Ihn in diese Reihe nicht aufzunehmen, hätte bedeutet, seinen Mördern das letzte Wort zu lassen, ihnen die Geschichtsschreibung zu überlassen.

(RP)