Duisburg: Umbau bei vollem Betrieb

Duisburg: Umbau bei vollem Betrieb

Schöner und komfortabler soll der Duisburger Hauptbahnhof mit dem neuen Wellendach werden, verspricht die Deutsche Bahn. Bis es so weit ist, müssen Reisende ab 2017 vermutlich aber mit Behinderungen durch Abriss und Neubau rechnen. Das Ziel der Bahn: Es sollen keine Züge ausfallen.

Vom Unmut einer Kundin wollen sich die Verantwortlichen gestern Morgen nicht die Laune verderben lassen. Während der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Nordrhein-Westfalen und der Landesbahnhofchef, Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) stolz ihr Vorzeigeprojekt präsentieren, schimpft die Frau wie ein Rohrspatz. Schon wieder sei der Zug ausgefallen, der Service mies, ruft sie den Männern zu, die von Dutzenden Fotografen und Kamerateams umzingelt sind.

Vielleicht ein Vorgeschmack auf das, was die Bahn in Zukunft aushalten muss. Ab 2017 soll das alte Hallendach abgerissen werden, drei bis vier Jahre später könnte das neue fertig sein, so NRW-Bahnhofchef Martin Sigmund. Ein ehrgeiziger Plan. Vor allem wenn man bedenkt, dass Duisburg für die Bahn ein zentraler Knotenpunkt ist. Täglich fahren hier mehr als 700 Züge, mehr als 100 000 Menschen werden transportiert. Dass die Arbeiten bei laufendem Betrieb vonstattengehen sollen, macht das 120 Millionen Euro teure Projekt nicht gerade leichter.

Auf die Frage, mit welchen Behinderungen Bahnreisende und Pendler während des Umbaus rechnen müssen, gibt es noch keine konkrete Antwort. Der Chef aller Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen erläutert: "Das müssen wir planerisch erarbeiten und für die einzelnen Bauabschnitte ermitteln." Erklärtes Ziel der Bahn ist, dass keine Züge ausfallen. Ob das gelingt, darf allerdings bezweifelt werden. Fest steht, dass während der Bauphase Gleise teilweise oder komplett gesperrt werden müssen. Das wiederum bedeutet, sofern keine Verbindungen ausfallen sollen, dass die Züge auf die anderen Bahnsteige verteilt werden müssen. Möglicherweise wird es auch sogenannte Behelfsbahnsteige geben, womit die Bahn nach eigenen Angaben beim Umbau des elektronischen Stellwerks im März positive Erfahrungen gemacht hat. Mit Beginn der Dacharbeiten sollen in jedem Fall Wegweiser im Hauptbahnhof aufgestellt und das Betreuungspersonal aufgestockt werden.

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Der gestern verkündete Zeitplan sieht vor, dass im kommenden Jahr das Planfeststellungsverfahren beginnt. Das neue Dach soll nach den Plänen Berliner Architekten eine wellenartige Form bekommen und viel Tageslicht in die derzeit düstere Halle lassen. "Es gibt momentan kein vergleichbares Projekt in Deutschland", stellt Sigmund fest. "Auf das Vorhaben haben das Land und die Stadt Duisburg lange gewartet." Mit dem Neubau wolle die Bahn zweierlei erreichen: Zum einen soll die Aufenthaltsqualität für Reisende verbessert werden, zum anderen möchte man das Stadtbild bereichern. Die Erlaubnis zum Abriss des alten Dachs hat die Stadtverwaltung unter Auflagen bereits erteilt. Weil der Duisburger Hauptbahnhof seit Jahren unter Denkmalschutz steht, muss eine Dokumentation über den Zustand vor, während und nach Abschluss des Umbaus angefertigt werden. Damit verpflichtet sich die Deutsche Bahn unter anderem, der Stadt historische Baupläne und Fotos des Bahnhofs zur Verfügung zu stellen.

Verkehrsminister Groschek, gestern auf "Herbstreise" in der Stadt, lobt das Projekt ausdrücklich. "Das ist Berliner Lust, die wir sehr gern in Duisburg haben", so Groschek in Anspielung auf den Architektenentwurf aus der deutschen Hauptstadt. Für ihn sei die Bahn "ein zuverlässiger Partner", der "nicht immer als Prügelknabe benutzt werden darf". Der SPD-Minister ist zuversichtlich, "dass wir zügig mit der Arbeit anfangen können". Als Oberhausener sei er früher oft in Duisburg umgestiegen und erinnere sich, "was für ein bedrückendes Loch der Bahnhofstunnel war".

(RP)
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