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Duisburg: Udo Di Fabio begeistert beim Festakt

Duisburg : Udo Di Fabio begeistert beim Festakt

Mit einem Festakt im Rathaus feierten Oberbürgermeister Sören Link, zahlreiche Ratsmitglieder und weitere Vertreter aus der Politik am Donnerstag den Tag der Deutschen Einheit.

Passend zum Anlass eröffnete die Freie Kantorei Duisburg gemeinsam mit dem Madrigalchor aus Weimar die Veranstaltung im Ratssaal am Burgplatz musikalisch. "Man sieht, dass Menschen, die sich erst sehr kurz kennen, sich sehr schnell musikalisch verständigen können", sagte Bernhard Quast, Leiter der Duisburger Sänger im Hinblick auf den Auftritt des "Doppelchores", der so sicher aufeinander abgestimmt war, als hätten die Gruppen schon viele gemeinsame Konzerte absolviert. "Musik gestattet, den Horizont zu öffnen und Grenzen zu überbrücken", sagte Quast.

Sören Link schilderte im Rahmen seiner Eröffnungsrede die Eindrücke von der Wiedervereinigung, die er damals mitbekommen hat: "Als die Mauer fiel, war ich 13 Jahre alt. Zwar habe ich die Tragweite dieses Ereignisses damals noch nicht erfassen können, dennoch sind mir viele Fernesehbilder in Erinnerung geblieben." Besonders beeindruckt habe ihn, dass fremde Menschen sich umarmten, tanzten, lachten und weinten. Link erinnerte daran, dass Demokratie und Freiheit nicht selbstverständlich seien, sondern gestaltet und verteidigt werden müssten. Deshalb müsse es eine Vielzahl von Menschen geben, die diese Werte durch Engagement mit Leben füllen. Dies sei auch innerhalb der Stadtgesellschaft wichtig, so Link. Höhepunkt des Festaktes war die Rede von Prof. Dr. Udo Di Fabio, ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht. In seiner Rede mit dem Titel "Offene Grenzen und lokale Identität" beleuchtete er die in der Verfassung niedergelegten Wertungen. "Das Grundgesetz argumentiert bewusst ambivalent", so der gebürtige Walsumer. Auf der einen Seite spräche es dem Volk die Souveränität zu, während es Deutschland auf der anderen Seite als "gleichberechtigtes Glied in einem Vereinten Europa" verorte. "Die Schöpfer des Grundgesetzes wissen, dass Freiheit nicht ohne offene Grenzen gelingen kann", sagte Di Fabio. Deshalb diskutiere man heute über die richtige Balance zwischen den Nationalstaaten und der Europäischen Union. "Wie tariert man offene Grenzen und Identität aus? Wenn man sich Europa anschaut, sieht man, dass es gelingen kann", so der Jurist, dessen Rede mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Gerade, wenn die Grenzen offen seien, käme es auf die Pflege der Identitäten an. Um eine solche bilden zu können, sei die Entfaltung jedes Einzelnen entscheidend, der "Wunsch, über sich hinauszuwachsen", so Di Fabio. Das habe er selbst früher in Duisburg erfahren. "Das Arbeitsethos ist die lokale Identität des Ruhrgebietes."

Die Identität Duisburgs entfalte sich nicht durch Gemäuer, sondern durch "die Menschen und ihre klare Sprache". Der Jurist warnte jedoch davor, Gemeinschaftsbildung zu abgeschlossen werden zu lassen – auch auf lokaler Ebene. "Die Entwicklung paralleler Lebenswelten ist eine Gefahr für eine offene Gemeinschaft", sagte Di Fabio. Die Gesellschaft sei vielmehr darauf angelegt, miteinander zu kommunizieren. Bevor der ehemalige Verfassungsrichter sich in das Goldene Buch der Stadt eintrug, stellte er zusammenfassend fest: "Europa braucht starke Nationalstaaten und die Staaten brauchen starke Regionen und Kommunen." Zum Abschluss sangen beide Chöre gemeinsam mit den im Saal Anwesenden die Deutsche Nationalhymne.

(spie)