Duisburg: UDE: Wissenschaft besser erklären

Duisburg : UDE: Wissenschaft besser erklären

Im Rektorat der Uni Duisburg-Essen gibt es künftig einen Bereich "Gesellschaftliche Verantwortung". Die UDE will sich Menschen zuwenden, die für Forschung und Fachwissen bisher nicht erreichbar sind.

Die Uni Duisburg-Essen schneidet einen Leitungsbereich neu zu: Das Prorektorat "Gesellschaftliche Verantwortung" soll die Masse besser erreichen.

Prof. Ulrich Radtke geht in seine dritte Amtszeit. Foto: UDE

Damit antwortet die Uni Duisburg-Essen auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die man durchaus als "Anti-Intellektualismus" bezeichnen kann: Die Hochschule will künftig jene gesellschaftlichen Schichten besser erreichen, die bislang für Wissenschaft und Expertenwissen kaum zu haben waren.

Foto: Fank Preuss

"Die Welt ist komplizierter geworden, für manche Menschen anscheinend zu kompliziert", sagt Uni-Rektor Ulrich Radtke. "Populistische Vereinfacher nutzen dies aus. Wir sehen das an Wahl-Ergebnissen in Amerika oder Ungarn oder auch an Phänomenen wie dem ,Brexit'. Das ist kein Vorwurf an die Bürger, doch auch als Hochschule müssen wir unsere Arbeit, das heißt, komplizierte Sachverhalte für die breite Öffentlichkeit nachvollziehbar zu machen, besser als bislang erklären."

Die Uni Duisburg-Essen war vor rund zehn Jahren die erste Hochschule in Deutschland, die dem Thema "Diversity Management" ein eigenes Prorektorat widmete. Das lag vor allem am Selbstverständnis der Hochschule, eine Uni für die Menschen der Region zu sein - der Umgang mit Vielfalt ("Diversity Management") gehörte letztendlich schon immer zum Ruhrgebiet. An der Uni Duisburg-Essen studieren seit den Gründungstagen der Hochschule signifikant mehr Kinder aus Arbeiterfamilien als woanders. Hinzugekommen ist ein großer Anteil an Studenten mit ausländischen Wurzeln. "Wir waren die ersten mit dem Thema ,Diversity Management', blieben aber nicht die einzigen", betont Rektor Radtke: "Viele Hochschulen sind uns nachgefolgt und haben erkannt, dass Diversität eine Chance bedeutet."

Das neue Prorektorat soll ein "weiterer Schritt aus dem Elfenbeinturm sein, den es so ohnehin nicht mehr gibt", sagt der Hochschulleiter. "In Zeiten des Internet finden viele Bürger eigene, einfache Wahrheiten und sind schneller dazu bereit, dasjenige als zu kompliziert abzutun, was ansatzweise mit Expertenwissen zu tun hat." Die Hochschulen müssten neue Formen der Kommunikation finden: "Wir senden nicht Wahrheiten, sondern müssen erklären, wie komplizierte Erkenntnisse entstehen. Erkenntnisse, die mit neuem Wissen wieder verbessert oder sogar revidiert werden müssen - das ist Wissenschaft", sagt Radtke.

Ab 1. April benennt die Uni Duisburg-Essen deshalb ihr bisheriges "Prorektorat für Diversity Management" um in "Prorektorat für Gesellschaftliche Verantwortung" - erstens. Zweitens: Das Prorektorat - ein Prorektorat ist so etwas wie ein Ministerium der Uni-Leitung - soll ausgebaut werden zur zentralen Anlaufstelle für alle Akteure der Region, die nicht Mitglied der Hochschule sind. Besonders jene Aktivitäten, die die Uni bereits unternommen hat in Sachen Unternehmensgründung und Bildungsgerechtigkeit, sollen unter dem Dach des neuen Prorektorats stärker gebündelt werden. "Wir fassen den Schirm weiter als bislang", sagt Uni-Chef Ulrich Radtke.

(RP)