Duisburg: UDE leitet neues EU-Projekt zur Flüchtlingskrise

Duisburg: UDE leitet neues EU-Projekt zur Flüchtlingskrise

Populismus, Brexit, Zuwanderung und Finanzkrise: Die EU hat gewaltige Probleme zu lösen und streitet darüber. Dabei geht es nicht nur um Kompetenzen und Geld, sondern auch um die gemeinsamen Werte. Verändern sich diese gerade, und wofür wird Europa künftig stehen? Das untersucht das Projekt NoVaMigra am Beispiel der europäischen Migrations- und Flüchtlingskrise. Geleitet von der Universität Duisburg-Essen (UDE), bringt es Forschende aus neun europäischen und amerikanischen Einrichtungen zusammen. Die EU fördert das Vorhaben für drei Jahre mit rund 2,5 Millionen Euro.

Die Rede von europäischen Werten ist oft nicht mehr als eine Floskel, findet Projektleiter und Philosophie-Professor Dr. Andreas Niederberger. "Wir werden präzise bestimmen, welche Normen und Werte im Recht und in der politischen Ordnung der EU tatsächlich niedergelegt sind. Und wir wollen wissen, ob sie eine Bedeutung für den Umgang mit Migration und Flucht hatten und haben." Außerdem werden all jene befragt, die mit Geflüchteten und Migranten zu tun haben: Beschäftigte in Kommunen, in kirchlichen und anderen Organisationen, Ehrenamtliche wie hauptberuflich Tätige. Warum engagieren sie sich, und haben sich ihre Motive mit der Flüchtlingskrise 2015 verändert? Natürlich wird man sich auch eng mit der Politik in Brüssel austauschen. Denn letztlich soll die EU eine Strategie an die Hand bekommen, wie sie sich besser auf eine gemeinschaftliche Linie verständigen kann. Eine Herkulesaufgabe - das weiß auch Professor Niederberger: "Die Europäische Union muss die unterschiedlichen Auffassungen berücksichtigen, die es in jedem Land gibt; gleichzeitig darf sie sich nicht abschotten. Die gemeinsamen Grundüberzeugungen sollten gefestigt und die politischen Strukturen so ausgebaut werden, dass Menschenrechte und Demokratie nicht das Privileg weniger, sondern das Recht aller sind." An NoVaMigra (Norms and Values in the European Migration and Refugee Crisis) sind neben der UDE das Kulturwissenschaftliche Institut (KWI) Essen beteiligt sowie Universitäten und Forschungszentren aus Athen, Budapest, Chicago, Mailand, Malmö, Paris, Posen und Utrecht.

(RP)