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Duisburg: U-Bahn droht Vertreibung aus Tunnel

Duisburg : U-Bahn droht Vertreibung aus Tunnel

Die überalterte Sicherungstechnik im Tunnel muss dringend erneuert werden. Bezahlen muss das die Stadt, die Eigentümerin der Anlage ist, aber bekanntlich kein Geld hat. Es geht um fast 40 Millionen Euro Kosten.

Kennen Sie noch "386er"? Die Computer, die zwar leistungsfähiger waren als eine elektrische Schreibmaschine, aber mit den heutigen gängigen PCs allenfalls im Ansatz zu vergleichen sind. In den Leitzentralen für Duisburgs und auch für Düsseldorfs U-Bahnen sind sie noch im Einsatz. Mit ihnen wird die Sicherungstechnik in den Tunneln der DVG und der Rheinbahn gesteuert. Sie werden gehegt und gepflegt. Und auch wenn es alte Schätzchen sind, von denen die Sicherheit abhängig ist, sie arbeiten zuverlässig und müssen das auch.

Schätzungsweise 40 Millionen Euro sind für die Anschaffung neuer Technik auf Duisburger Seite nötig. Kein Pappenstiel für eine hoch verschuldete Kommune, die sich an ein strenges Sparprogramm halten muss. Duisburg ist wie Düsseldorf Eigentümer der jeweiligen U-Bahn-Tunnel. Und müssen demnach für die Sanierung bezahlen. Was in der Landeshauptstadt vielleicht noch vergleichsweise unproblematisch funktioniert, ist für Duisburg ein ungeheurer Kraftakt. Geld hat die Stadt bekanntlich nicht, so dass sie entsprechende Kredite aufnehmen müsste. Ob sie das darf, das hängt unter anderem von der Entscheidung der Bezirksregierung ab. In den kommenden Wochen muss allerdings der Weg festgelegt werden, denn bereits im Sommer soll der Auftrag ausgeschrieben werden.

Ersatzteile werden rar

Die Zeit drängt vor allem aus einem Grunde: Ersatzteile für die veralteten Computer wird es in zehn Jahren keine mehr geben, hat der Hersteller bereits signalisiert. Und: Die Generation Techniker, die mit den alten Schätzchen noch zurecht kommt, steht vor der Pensionierung. Ihre Nachfolger wissen zwar mit IPads umzugehen. Aber "386er" sind für sie urzeitlich.

Vor ähnlichen Umrüstungsproblemen stehen auch andere Städte im Gebiet des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr. Schon allein aus diesem Grunde kann der Verkehrsverbund die Kosten nicht tragen, selbst wenn er wollte. Vorstellbar, aber keineswegs gewünscht: Die Düsseldorfer bringen ihre Technik auf den neuesten Stand, und die Duisburger gucken im wahrsten Sinne in die Röhre, durch die dann keine Bahnen mehr fahren dürfen. Sie müssten dann wie früher wieder über die Straßen rollen.

Das Geld für neue Computer müsste die Stadt dann zwar nicht besorgen, wohl aber die Millionen, die sie einst als Fördermittel beim U-Bahn-Bau vom Land bekommen hat. Dieses Geld müsste sie zurückzahlen, wenn der unterirdische Fahrbetrieb nicht mehr stattfinden könnte. Die Wahrscheinlichkeit, dass Duisburgs U-Bahn-Geschichte nach noch nicht einmal drei Jahrzehnten beendet ist, schätzen Experten nicht einmal niedrig ein. Selbst für Optimisten liegt sie nur bei knapp unter 50 Prozent.

(RP)