Duisburg: Türkeiaustausch: "Stadt blamiert"

Duisburg: Türkeiaustausch: "Stadt blamiert"

Die Lokalpolitik übt harsche Kritik am Vorgehen der Stadt beim gescheiterten Jugendaustausch "Die weiße Stahlbrücke" mit der Stadt Aydin. "Da blamiert sich eine Stadt im deutsch-türkischen beziehungsweise türkisch-deutschen Dialog bis auf die Knochen", urteilte Ferdi Seidelt, Chef der CDU-Fraktion in der Rheinhauser Bezirksvertretung.

Die Angelegenheit dürfe nicht einfach zu den Akten gelegt werden: "Denn wo es um mitmenschliche, interkulturelle, völkerverständigende Dinge geht, hört der nassforsche und respektlose Spaß auf."

Ferdi Seidelt (CDU) Foto: apr

Duisburg hatte die türkische Seite des städtischen Jugendaustausches "Die weiße Stahlbrücke" zwei Wochen vor Reiseantritt der türkischen Gäste darüber informiert, dass notwendige Gelder für den Besuch nicht zur Verfügung stünden. Dass es mit der Finanzierung Probleme geben würde, war seit Mai bekannt. Die Ankunft der Gäste wäre ein Gegenbesuch gewesen: Im vergangenen Jahr waren Jugendliche aus Duisburg in der Türkei zu Gast.

Verwaltung schießt gegen Politik

Seidelt beurteilte den "Vertrauensbruch mit einem internationalen Partner der Völkerverständigung" als dramatisch.

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Der Beigeordnete Karl Janssen, Leiter des Dezernats für Familie, Bildung und Kultur, hatte zuvor die Politik für die Entwicklung verantwortlich gemacht: Solange sie kein tragfähiges Sparkonzept zur Haushaltskonsolidierung beschließe, werde nach dem Rasenmäherprinzip gespart, und deshalb könnten "Grausamkeiten" wie das Scheitern des Austausches überhaupt nur geschehen.

Die CDU hingegen will jetzt von der Verwaltung unter anderem wissen, unter welchen Umständen die Stadt das notwendige Geld doch noch hätte auftreiben können. Sie will erfahren, wann welche Personen in welcher Form informiert wurden, dass der Zuschuss der Stadt nicht fließen wird und, letzten Endes, dass der Austausch nicht stattfinden wird.

Seidelt fragt, ob die Stadt "im Ablauf der Dinge einen Imageschaden" erkenne, "insbesondere, was das deutsch-türkische beziehungsweise türkisch-deutsche Miteinander betrifft". Ferner erkundigt er sich, welche Möglichkeiten die Stadt sehe, um die entstandenen Folgen der Absage zu mildern, und ob es weitere, vergleichbare Beispiele gebe.

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(RP)
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