Duisburg: Tuben im blitzenden Mittelpunkt

Duisburg : Tuben im blitzenden Mittelpunkt

Im jüngsten, dritten Philharmonischen Konzert in der Duisburger Philharmonie Mercatorhalle beeindruckte am meisten die erfolgreiche Uraufführung des "Grand Concerto 4 Tubas" des 1951 geborenen Amerikaner John Stevens. Großes Lob für das Melton Tuba Quartett.

Das ist der Traum jedes Tubisten-Lebens: "Ich hätte niemals gedacht", so der Sprecher des "Melton Tuba Quartett" auf der Bühne der Duisburger Philharmonie Mercatorhalle, "dass ein Solocellist, ein Solobratschist, ein Vorspieler der zweiten Geigen und sogar ein Konzertmeister einmal ihre Plätze für vier Tuben räumen würden!" Denn im buchstäblich blitzenden Mittelpunkt des jüngsten, dritten Philharmonischen Konzerts stand die erfolgreiche Uraufführung des "Grand Concerto 4 Tubas" des 1951 geborenen Amerikaners John Stevens, der selbst ein gefeierter Tubist ist.

Kompositionsauftrag

Das neue Werk war ein gemeinsamer Kompositionsauftrag der Duisburger Philharmoniker, der Dresdner Philharmonie und der Bamberger Symphoniker - Bayerische Staatsphilharmonie. Stilistisch bewegt es sich auf jener schwungvollen Linie, welche die Landsmänner und Kollegen George Gershwin, Aaron Copland und Leonard Bernstein vorgegeben hatten. Aber weniger das ist das Besondere daran, sondern vielmehr wie leichtfüßig die Gruppe der als eher schwerfällig geltenden tiefsten Blechblasinstrumente hier ihre enorme Vielfältigkeit demonstrieren darf, und das im Wettstreit mit einem ebenso raffiniert behandelten Orchester. Da gab es lyrische Kantilenen ebenso wie virtuose Passagen. Klar, dass das Quartett, in dem übrigens auch Duisburgs philharmonischer Tubist Ulli Haas mitwirkt, zwei populäre und besonders beklatschte Zugaben gab: den schnellen Schlussteil aus der Ouvertüre zu "Wilhelm Tell" von Gioacchino Rossini und "What a Wonderful World" von Louis Armstrong.

Um das eher handfeste Hauptgericht des Abends herum servierte der gleichfalls amerikanische Gastdirigent Carl St. Clair feine Vor- und Nachspeisen nach französischer Art. Da gab es die beiden von Claude Debussy orchestrierten "Gymnopédies" von Erik Satie, die Suite "Le tombeau de Couperin" von Maurice Ravel und die zweite, wohl schlüssigste Suite aus dem Ballett "Der Feuervogel" von Igor Strawinsky. Die Duisburger Philharmoniker waren bestens präpariert, motiviert und konzentriert, sicherlich auch, weil das Konzert am Mittwoch live auf WDR 3 übertragen wurde. Der vorzügliche Dirigent zeigte, dass er nicht nur dankbare Effekte glänzend disponieren kann, sondern auch insgesamt gute Detailarbeit leisten, zum Beispiel bei knifflig filigranen Bläsersätzen. Und zum gar nicht so heimlichen Star des Abends wurde Martin Schie, Duisburgs unerschütterlicher philharmonischer Solo-Oboist.

(hod)
Mehr von RP ONLINE