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Duisburg: Traumzeit als Vorreiter

Duisburg : Traumzeit als Vorreiter

Bei der Traumzeit 2011 lag ein Schwerpunkt auf der aktuellen Musik von Myanmar, dem früheren Burma. International wurde das stark beachtet. Tim Isfort, künstlerischer Leiter der Traumzeit, hofft auf eine Rettung des Festivals.

In der Liste der Länder, um die es in den Nachrichten derzeit am häufigsten geht, dürfte Myanmar, das frühere Birma oder Burma, kurz hinter dem Dauerbrenner Griechenland rangieren. Und wann immer von der fortschreitenden Öffnung des lange Zeit abgeschotteten Staats in Südostasien die Rede ist, mag so mancher Musikinteressierte in Duisburg denken: "Myanmar? Da war doch was ..." Stimmt. Mit einem vielbeachteten Themenschwerpunkt hatte das Traumzeit-Festival 2011 sich als Vorreiter erwiesen und gemeinsam mit dem Goethe-Institut und dem NRW Kultursekretariat einen Kulturaustausch mit Myanmar begonnen. Neben Auftritten mehrerer birmanischer Gruppen hatte Traumzeit-Chef Tim Isfort unter dem Titel "Myanmar meets Europe" ein Bandprojekt initiiert, in dem Musiker beider Kulturkreise sich in die Musik des jeweils anderen vorwagten und dabei gemeinsam etwas hochinteressantes Neues entstehen ließen. "Das war eine enorm fruchtbare Begegnung", erinnert sich Isfort, der neben Musikern aus Frankreich und Italien selbst am Kontrabass mitwirkte. "Der Wunsch, sich neuen Einflüssen zu öffnen, war bei allen Beteiligten fast mit Händen zu greifen."

Inzwischen hat das Projekt auch international Aufmerksamkeit erregt. Ende Oktober 2011 hatte Isfort es unter der Traumzeit-Flagge in Kopenhagen bei der Weltmusik-Messe Womex präsentiert und war auf großes Interesse gestoßen. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das Projekt zu Pfingsten auf mehreren Musikfestivals im In- und Ausland präsentiert wird. Und auch die Menschen in Myanmar werden sich bald ein Bild von den Begegnungen ihrer Landsleute mit westlichen Musikern machen können: Das Staatsfernsehen strahlt die Aufzeichnung des Konzerts bei der vergangenen Traumzeit in voller Länge aus – ein deutliches Zeichen für die dortige kulturelle und politische Aufbruchsstimmung.

Und wie steht es um die Aufbruchsstimmung in Duisburg? Es wirkt wie eine Ironie des Schicksals, dass die Impulse, die von der Traumzeit ausgingen, in der Fremde Resonanz finden, während Isfort in der Traumzeit-Heimat händeringend um das Weiterbestehen des Festivals kämpft. Er hat immer noch Hoffnung: "Ich habe nie aufgegeben und während der vergangenen Monate zahlreiche Gespräche geführt."

Immerhin hat es zuletzt aus Kulturamt und Festivalbüro Signale gegeben, dass er mit seiner Hoffnung nicht mehr alleine dasteht. "Ich bin überzeugt, dass alle Beteiligten gemeinsam dieses Festival als Alleinstellungsmerkmal für Duisburg retten wollen und seine selbstbewusste Weiterentwicklung auch für unsere Stadt langfristig ein Gewinn sein wird", erklärt Isfort.

(RP)