Duisburg: Traumberuf Tierpfleger

Duisburg : Traumberuf Tierpfleger

Schöne, gepflegte und artgerechte Gehege, gefüllte Futtertröge und zufrieden wirkende Tiere. Wer für all diese wichtigen Faktoren verantwortlich ist, zeigt ein Blick hinter die Kulissen des Duisburger Zoos.

Mario Chindemi ist 47 Jahre alt und von Beruf Zootierpfleger am Kaiserberg. Die Liebe zu Tieren und auch das Arbeiten mit ihnen wurden Mario regelrecht in die Wiege gelegt. "Mein Onkel arbeitet ebenfalls hier im Zoo Duisburg und hat mich schon als kleiner Junge immer mit hierhin genommen", erzählt Chindemi lächelnd. "Mit zehn Jahren war der Tierpark schon wie ein zweites Zuhause für mich."

Nach Beendigung seiner schulischen Laufbahn schrieb Mario Chindemi lediglich eine Bewerbung, die an den Zoo Duisburg adressiert war. Im Anschluss folgte die dreijährige Ausbildung. Auf den Abschluss seiner Berufsausbildung folgte eine Übernahme. 15 Jahre war Chindemi als Revierpfleger bei den Elefanten. Es folgte sein Einsatz bei den Koalas.

Die Haltung der Beuteltiere in Zoos ist nicht sehr weit verbreitet und erfordert eine intensive Arbeit. "Das Wissen über diese spannenden Tiere muss man sich zum größten Teil selbst aneignen, da die Forschung nicht so weit reicht, um sich darauf verlassen zu können", erklärt Chindemi. "Beobachtung der eigenen Tiere, Erfahrungen von Tierpflegern aus anderen Zoos und auch die Analyse der grauen Beutelsäuger in der freien Wildbahn helfen dabei, die Tiere artgerecht zu halten", betont er.

Mit den Koalas um die Welt

Innerhalb der vergangenen zehn Arbeitsjahre im Koalahaus ist der Tierpfleger schon mit einigen Beuteltieren auf große Reise gegangen. Um Inzucht zu vermeiden, transportierte Chindemi schon Koalas nach Schottland, Portugal, Wien, Belgien und Frankreich. "Ich bleibe immer noch zehn bis 14 Tage vor Ort, damit ich den Pflegern die Eigenschaften meiner Koalas erklären kann und auch, damit die Tiere sich langsam von mir entwöhnen und im neuen Gehege einleben können", erklärt er. Seine Professionalität macht sich besonders dadurch bemerkbar, dass Chindemi weiß, dass er die Beuteltiere nicht vermenschlichen darf. Er arbeite zwar auf einer liebevollen Ebene mit ihnen, aber er verdeutliche: "Das sind nicht meine Kinder."

Zu einem der sechs Koalahaus-Bewohner hat Mario Chindemi eine besonders enge Bindung. Die Koaladame Goonderra – "die Kämpferin"– musste in jungen Jahren 50 Tage lang mit Brei ernährt werden, da sie sich an zu stark gedüngtem Eukalyptus vergiftet hatte. Heute ist das Weibchen topfit, dreifache Mutter und mag es sehr, mit dem Tierpfleger spazieren zu gehen. "Goonderra und ich haben unsere eigene Sprache und sie ruft, wenn sie etwas von mir will", sagt der 47-Jährige. "Ich nehme sie dann meist auf den Arm, laufe ein wenig mit ihr herum, und sie beruhigt sich ganz schnell wieder. Tue ich das jedoch nicht, kann sie auch schnell etwas zickig werden."

Anderes Revier, andere Tiere und andere Lebensweisen: Die 30-jährige Simone Geier ist Affenpflegerin im Zoo Duisburg, und auch sie war sich schon ihr ganzes Leben über ihre Berufswahl sicher. Schon im Alter von vier Jahren war dies ihr Traumberuf, und diesem Wunsch ist sie gefolgt. Ihre Ausbildung zur Zootierpflegerin absolvierte Simone Geier im Wuppertaler Zoo, seit 2008 arbeitet sie bei den Affen in Duisburg.

"Zum Tierpfleger ist man geboren"

Simone Geier liebt die Arbeit mit den Menschenaffen und ist glücklich zu wissen, dass sie etwas zu der Arterhaltung von bedrohten Tierarten beiträgt. Die Arbeit mit Raritäten wie dem goldgelben Löwenaffen, der nur durch die Nachzucht in Zoos noch in freier Natur zu finden ist, und dem Bärenstummelaffen schätzt die Tierpflegerin sehr. Sie ist "stolz darauf, diesen Tieren ein artgerechtes Leben zu gestalten", sagt sie.

Die Arbeit eines Tierpflegers, so Simone Geier, besteht darin, Erfahrungen zu sammeln. "Genaues Beobachten und das eigene Vorwissen führen in den meisten Fällen zu dem gewünschten Ziel", sagt sie. Aus diesem Grund sei jeder ausgebildete Tierpfleger in der Lage, in jedem Revier auszuhelfen. Beide Tierpfleger können sich ein Leben in einem anderen Beruf nicht vorstellen; sie lieben ihre Arbeit. Der Beruf bietet zwar kaum Aufstiegsmöglichkeiten und Karrierechancen. Aber "zum Tierpfleger wird man geboren", sagt Mario Chindemi.

(RP)
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