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Duisburg: Trauer und die Suche nach Antworten

Duisburg : Trauer und die Suche nach Antworten

An diesem Wochenende lag wieder die bedrückende Atmosphäre über dem Unglückstunnel auf der Karl-Lehr-Straße, die im vergangenen Jahr wohl jeden ergriffen hat der ihn passieren musste.

Trauer und Fassungslosigkeit waren auch nach einem Jahr noch spürbar und allgegenwärtig. Die Menschen warten noch immer auf Antworten. Der Kirchliche Dienst, der Massenpanik Selbsthilfe e.V. und der Medienbunker Marxloh luden am Samstagabend zum gemeinsamen Gedenken bei Projektionen, Texten und Musik an das kürzlich eingeweihte Loveparade Mahnmal. Dunkle Klänge aus Oboe und Saxofon untermalten die stille Andacht und gaben der Veranstaltung einen würdigen Rahmen. Der Inhalt der dargestellten Projektionen — Die offenen Fragen: "Wann übernimmt endlich jemand die Verantwortung?", " Wieso wurde die Veranstaltung an diesem Ort überhaupt genehmigt?", Wieso stehen wirtschaftliche Interessen vor denen der Sicherheit unserer Kinder?", und nicht zuletzt "Wieso ist es so schwer sich einfach zu entschuldigen?" Diese Projektionen wurden auf das mit Kerzen und Blumen geschmückte Mahnmal geworfen. Sie zeichnen ein Bild des Vorwurfs und der Ohnmacht gegenüber den Entscheidungsträgern bei Stadt, Veranstalter und Polizei. Es war voll an diesem Abend im Tunnel.

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Viele Menschen haben sich ein Jahr nach den Ereignissen noch einmal aufgemacht um sich zu verabschieden, um zu gedenken und auch, um für sich selbst einen Abschluss zu finden. Einige Besucher waren sauer, wie Alex K.. Der junge Student war am Samstagabend extra aus Köln angereist um die Gedenkstätte zu besuchen: "Ich war vor genau einem Jahr selbst an dieser Stelle. Ich konnte nirgendwo hin, meine Beine und Arme waren eingeklemmt und es ging weder vor noch zurück. Wer umfiel blieb verschwunden. Es hat nicht viel gefehlt und ich wäre selbst eines dieser Kreuze an der Wand geworden," sagt er mit einem Fingerzeig auf die Gedenkstätte. "Ich will, dass die Leute die das verbockt haben endlich zu ihren Fehlern stehen. Vorher kann ich die Sache für mich einfach nicht abschließen."

Der Weg durch den Tunnel war für viele der Anwesenden eine Wiederkehr in die Gefühlswelt des Unglückstages. Hunderte Silhouetten feiernder Menschen zierten die Wände des Tunnels, davor Kondulenzbücher und tausende brennende Grabkerzen. Ein Widerspruch, so widersprüchlich wie die Gefühle vieler, die noch Stunden feierten als bereits 21 Menschen gestorben waren.

Viele Tränen flossen an diesem Samstagabend an der Unglücksstelle und einige Trauernde saßen zu keiner Gefühlsregung fähig, in die Leere blickend, auf dem Bordstein gegenüber der Gedenkstätte. Duisburg trauerte an diesem Wochenende noch einmal und ab heute nimmt das Leben wieder seinen gewöhnlichen Gang. Doch bis alles verarbeitet- und alle seelischen Wunden verheilt sind, werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen.