1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Traditioneller Jazz mit Dynamik gespielt

Duisburg : Traditioneller Jazz mit Dynamik gespielt

Bernd Albani hatte die "Barrelhouse Jazzband" in den Duisburger Hof eingeladen. Die feierte vor vollem Haus ihren Geburtstag mit grandiosen Gästen. Fazit aus dem Publikum: "Alles super!"

Während Bernd Albanis "Jazz Live"-Reihe im nächsten Jahr ihren 25. Geburtstag feiert, hat die "Barrelhouse Jazzband" schon 2013 ihr 60. Bühnenjahr vollendet. Im großen Saal des Duisburger Hofs stimmte Band-Manager und Moderator Dieter Nentwig das Publikum auf drei Stunden traditionellen Jazz mit Gästen ein und erklärte ganz nebenbei, dass "die Barrelhouse Jazzband, abgesehen von den Berliner Philharmonikern, die älteste Band Deutschlands" ist.

Die siebenköpfige Band sorgte mit einer Rhythmusgruppe bestehend aus Bass, Piano, Drums und Gitarre für eine verlässliche Basis, wobei Gitarrist Roman Klöcker bei den älteren Titeln auch zum Banjo griff. Reiner von Essen und Frank Selten spielten diverse Holzblasinstrumente und Horst Schwarz vertrat mit Trompete und Posaune die Blechfraktion. Spielte die Band stilistisch in der Tradition des New-Orleans-Jazz, bewegten sich auch die Soli in einem enge harmonischen Rahmen, lediglich Pianist Christof Sänger und Gitarrist Roman Klöcker wagten sich gelegentlich, "outside" zu spielen und längere, vertracktere Melodielinien zu entwerfen. Bei "Really the Blues", einem - Überraschung - Blues jedoch blühte die Band richtig auf.

  • Kevelaer : "Charlestown Jazzband" spielt im "Löwen"
  • Duisburg : Jazzlive im Duisburger Hof mit der Palm Court Jazz Band
  • Bei Neubauten und größeren Umbauten sollen
    Neue Satzung für Duisburg : Stellplätze für Fahrräder werden Pflicht

Drummer Michael Ehret spielte weniger Marschrhythmen also noch im traditionellen Jazz, die Soli wurden gelöster und die Musiker begannen, die Akkorde vollständig auszuloten. Ein Hauch von Wes Montgomery wehte während der "Call and Response"-Passagen von Piano und Gitarre durch den Raum und bewies, dass weniger häufig tatsächlich mehr ist, sorgten die wenigen Harmonien des Stücks doch für spannende Soli. Die Gastband des Abends, die "Sidney Bechet Paris Swing All Stars", hielten nicht nur musikalisch, sondern auch wortwörtlich, was ihr Name versprach. Neben dem musikalischen Ziehsohn der Koryphäe Sidney Bechet, Oliver Franc, spielt auch Bechets leiblicher Sohn, Daniel Bechet, in der Band. In der absolut hochklassigen Band stachen neben Francs Sopransaxophon, das einst Sidney Bechet gehörte, vor allem Trompeter Jerome Etcheberry und Posaunist Benoit de Flamesnil heraus. Während de Flamesnil durch hervorragend phrasierte und inspirierte Melodiebögen beeindruckte, führte Etcheberry die dynamische Bandbreite der Trompete vor. Oliver Franc spielte hörbar im Stil des alten Meisters, dessen Instrument er übernommen hatte.

Bechets Sohn Daniel würzte sein Spiel am Schlagzeug mit Sechzehntelfiguren und Drumsoli, bei denen er den tiefen Trommeln eine ähnliche Bedeutung beimaß, wie es einst Buddy Rich und Roy Haynes taten und es Jack deJohnette noch heute tut. Aus Kansas City, Missouri kommt Sänger Kevin Mahogany, der in seiner Vita den Punkt "Sänger der Count-Basie-Big Band" vorweisen kann. Ihn präsentierte die Barrelhouse Jazzband als Gast. In den ersten Reihen wurden die Zuhörer von seiner Stimmgewalt regelrecht in den Sitz gedrückt, neben dem gewaltigen Stimmumfang trugen dazu auch die hervorragenden Scat-Soli bei, in denen Mahogany seine Stimme einem Blasinstrument gleich in Szene setzte.

Mit der Ballade "My Romance" der Giganten Rodgers und Hart erreichte ein musikalisch beeindruckender Abend seinen Höhepunkt. Zuschauer Fritz Lehmann fasste es treffend zusammen: "Alles super", freute er sich.

(RP)