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Gutachten Duisburger Mercatorhalle: "Totaler Ausbrand bei Feuer"

Gutachten Duisburger Mercatorhalle : "Totaler Ausbrand bei Feuer"

Die Brandschutzmängel im CityPalais in Duisburg beschränken sich nicht nur auf die Mercatorhalle. Die WestSpiel hat einen eigenen Gutachter beauftragt. Die Fachbauleitung Brandschutz und Sanierung soll an Fremdfirmen vergeben werden.

Paul Corall, Chef des Sachverständigenbüros Corall Ingenieure aus Meerbusch, nahm kein Blatt vor den Mund: "Das ist ein großer Ofen. Bei einem Feuer käme es zu einem totalen Ausbrand des Großen beziehungsweise des Kleinen Saales." Der Brandsachverständige stellte am Montag mit seinem Mitarbeiter Marc Marburger das Grobkonzept seines Brandschutzgutachtens dem baubegleitenden Ausschuss CityPalais vor.

Das Ergebnis: Mängel gibt es nicht nur in den beiden Sälen, sondern auch im Foyer, bei den Treppen und in der Tiefgarage. Selbst die Mercator-Orgel hätte so nicht eingebaut werden dürfen: "Sie besteht zum größten Teil aus Holz. Feste Einbauten in Versammlungsstätten dürfen nach dem Gesetz aber nur aus nicht brennbarem Material bestehen", sagte Marburger. Corall erklärte, dass eine Einhausung der Orgel unumgänglich sei: "Das ist selbst im Kölner Dom so."

Wind drängt Rauch in Gebäude

Die jüngsten Rauchversuche hätten unter anderem ergeben, dass sich die Türen im Großen Saal nicht mehr öffnen lassen, wenn die Entrauchungsanlage angelaufen ist. Die mögliche Entlüftung durch zu öffnende Fenster im Foyer stellte sich ebenfalls als unzureichend heraus. "Wir hatten Westwind. Der Wind hat den Rauch einfach wieder ins Gebäude zurückgedrückt. Im Brandfall hätte die Feuerwehr hier keine ausreichende Sicht mehr gehabt", so der Sachverständige. Unterhalb des Parketts im großen Saal gibt es keine eigene Entrauchung — dort liegen aber gleich vier Kabeltrassen (220 Volt, 380 Volt, 24 Volt, Glasfaser) und Elektromotoren zur Höhenverstellung des Bodens.

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Die Folge: Käme es hier in der Untermaschinerie zum Feuer, würde die Entrauchung des gesamten Saals den Qualm durch die Fugen in den Zuschauerraum ziehen. Die Holzverkleidung in den Sälen muss, so will es das Gesetz, direkt an den mineralischen Untergrund der Wand angebracht werden. In beiden Sälen gibt es aber eine Unterkonstruktion, hinter der auch Leitungen und Kabel verlaufen. Auch diese entsprechen nicht den Vorschriften, weil sie aus nicht brennbarem Material bestehen müssen.

Mängel bei Rettungswegen

Die Rettungswege sind zum Teil zu lang, zum Teil nicht breit genug. Mangelhaft sind auch die Treppen. Bei sogenannten "Schachteltreppen", wo es an einer Seite herauf und nach einem Absatz an der gegenüberliegenden Seite auch herunter geht, müssen die unterschiedlichen Richtungen durch Zwischenwände getrennt sein. In der Tiefgarage gibt es Mängel bei den Treppen und Defizite der Feuerschutzklappen, während im Bürobereich wohl nur kleinere Mängel vorliegen. Die WestSpiel hat für den Bereich des Casinos einen eigenen Brandsachverständigen eingeschaltet. Wenn dieses Gutachten vorliegt, werden die Ergebnisse ebenfalls dem Büro aus Meerbusch vorgelegt.

"Wir erstellen daraus ein Brandschutzkonzept für das gesamte CityPalais, nicht nur für einzelne Teile", so Corall. Dieses Konzept soll dann der Bauaufsicht zur Genehmigung vorgelegt werden. "Erst wenn es genehmigt ist, können die einzelnen Sanierungsarbeiten vergeben werden", erklärte Uwe Rohde, Chef des städtischen Immobilien Managements Duisburg (IMD). Damit könne man "noch im Sommer" rechnen.

Weitere Angaben zu möglichen Öffnungsterminen oder Kosten wollte Rohde nicht machen — muss er vielleicht auch gar nicht: In nichtöffentlicher Sitzung befasste sich der Ausschuss mit der Vergabe von Architekturleistungen für die Sanierung, die beweissichernde Bestandsaufnahme und die Fachbauleitung Brandschutz der Mercatorhalle. Das IMD könnte sich dann anderen Aufgaben widmen.

(RP/ac/top/das/EW/jco)