Duisburg: Tor 1: Pförtnerhaus wird abgerissen

Duisburg: Tor 1: Pförtnerhaus wird abgerissen

Das Pförtnerhaus an Tor 1 wird dem Erdboden gleichgemacht. Die Duisburger Hafen AG, die Stadt Duisburg und die LEG sind für den Abriss verantwortlich. Die Bauarbeiten haben gestern begonnen.

Das große orangefarbene Monster ist erbarmungslos. Zwei, drei knackige Schläge, und die großen Gesteinsbrocken, die irgendwann einmal eine Wand waren, zerbröseln in ihre Einzelteile. Der Krach kündigt schon von einigen Metern Entfernung aus an, dass etwas passiert.

Eine Menge Schutt: Von dem Pförtnerhaus war schon gegen Nachmittag nicht mehr viel übrig. Was nach dem Abriss geschieht, ist noch unklar. Foto: Marcel Kleifeld

Der Ort des Geschehens ist allerdings nicht eine x-beliebige Städte in Rheinhausen, sondern das prestigeträchtige Tor 1. Das Pförtnerhaus an dem Wahrzeichen des Krupp'schen Arbeiterkampfes wird abgerissen. Die Bauarbeiten haben gestern Mittag unter lautem Getöse begonnen. Vielen Rheinhauser Bürgern dürfte das Herz bluten.

Trotz der Lautstärke gingen die Abrissarbeiten zunächst fast unbemerkt über die Bühne. Nur vereinzelnd blieben Passanten stehen, um sich das Spektakel anzuschauen. Die Frage, die sie sich stellten, war jedoch immer die gleiche: Wer hat das veranlasst? Die Bauarbeiter wussten es jedenfalls nicht. Sie, als Exekutive, zuckten nur mit den Schultern und verwiesen darauf, lediglich einen Auftrag auszuführen.

Roland Borgardts, vormals Besitzer des Tores, trägt keine Verantwortung für den Abriss. "Ich habe einen Vertrag gehabt, in dem es hieß, dass ich das Gelände verliere, wenn nicht innerhalb von zwei Jahren etwas passiert. Aus den zwei Jahren wurden sechs", erklärte der Handwerker. Seit Sommer dieses Jahres gehört ihm das Tor nicht mehr.

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Reiner Sanner, Bezirksamtsleiter von Rheinhausen, sah die Hafengesellschaft als Entscheidungsträger: "Ich nehme an, dass die den Abriss angeordnet haben." Er sollte Recht behalten. "Wir sind in Abstimmung mit der Stadt Duisburg und der LEG für den Abriss verantwortlich", erklärte Jan Heitmann, Pressesprecher der Duisburger Hafen AG, auf Nachfrage. Laut Heitmann wird das Pförtnerhaus aufgrund der "Baufälligkeit beseitigt". Was danach geschieht, ist noch offen.

"Zielsetzung ist es, das Gelände ansehnlich zu gestalten", sagte der Pressesprecher, der zudem betonte, dass die Bauarbeiten lediglich den nicht-denkmalgeschützten Teil betreffen. Die Abrissarbeiten werden, nach Angaben der Bauarbeiter, nicht länger als eine Woche dauern.

In der Vergangenheit gab es diverse Modelle, wie das Gelände von Tor 1 genutzt werden könnte. Gewerbehalle, Museum, Restaurant mit Biergarten, Trinkhalle, Aufbau einer großen Informationstafel — es war fast alles dabei. "Die Modelle sind wegen zu hoher Kosten gescheitert. Ein Wiederaufbau mit Beibehaltung der Struktur ist einfach zu teuer", brachte es Borgardts auf den Punkt. Investoren seien nicht zu begeistern gewesen.

Unabhängig von dem Vorhaben mit dem Gelände steht für Reiner Sanner die Notwendigkeit von Bauarbeiten an dem Pförtnerhaus außer Frage: "Es war unvermeidbar, dass etwas passiert. Die Ruine war schon seit acht bis zehn Jahren ein Schandfleck", sprach der Verwaltungschef Klartext. Selbst ehemalige Kruppianer dürften ihm da zustimmen, auch wenn der Abriss sicherlich schmerzt.

(RP/rl)
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