Duisburg: Tiger in der Kiste: El-Roi zieht um

Duisburg : Tiger in der Kiste: El-Roi zieht um

Weil die Tigeranlage am Kaiserberg umgebaut wird, muss ihr einziger Bewohner vorübergehend ausquartiert werden. Weil sibirische Tiger zu den größten und gefährlichsten Raubtieren der Welt zählen, ist das nicht einfach.

El-Roi ist zwar in den vergangenen Jahren nie gewogen worden, aber 200, vielleicht sogar 250 Kilo dürfte er auf die Waage bringen. Dem sibirischen Tigermann im Duisburger Zoo würde man, wenn er denn ein Mensch wäre, die Charaktereigenschaft "selbstbewusst" zuordnen. Er weiß zum Glück nicht, dass er in der Natur zu den gefährlichsten Tieren zählt und die größte Raubkatze der Welt ist. Und El-Roi weiß auch nicht, dass er in Kürze umziehen wird.

Aber vielleicht ahnt er schon etwas. Denn seit wenigen Tagen steht in seinem Innengehege eine Alukiste, die er ausgiebig beschnuppern und in aller Ruhe untersuchen kann. Das robuste Gehäuse ist der Transportbehälter, in dem er in einigen Tagen nach Emmen in der niederländischen Provinz Drente reisen wird. Denn sein Zuhause am Kaiserberg wird umgebaut - verständlich, dass man den Tiger da lieber nicht dabei haben will.

Selbst für Dr. Jochen Reiter, Wissenschaftlicher Leiter des Duisburger Zoos und erfahren in der Vorbereitung und Durchführung von Tiertransporten, ist dieser Umzug außergewöhnlich - weil El-Roi so groß, schwer, stark und sehr gefährlich ist. Zusammen mit seinen Kollegen hat er alle Eventualitäten überdacht, damit Mensch und Tier sicher und so wenig gestresst wie möglich am Ziel ankommen.

Als feststand, dass das Tigergehege umgebaut werden kann, begann mit Hilfe des Zuchtbuchführers für diese Tierart die Suche nach einer "Ferienwohnung" für El-Roi. Reiter spricht "von einem Glücksfall, dass wir Emmen gefunden haben. Die dortige Gemeinde baut gerade einen ganz neuen Zoo, der nächstes Jahr eröffnet wird". Ein Jahr - das ist genau die Zeitspanne, die El-Roi fernab vom Kaiserberg verbringen muss. Danach soll er in seine neu-gestaltete, angestammte Heimat zurückkehren.

Für den nun anstehenden Umzug wird der elfjährige Tigermann gewissenhaft vorbereitet. Das Kistentraining ist dabei ganz wichtig. "El-Roi soll freiwillig in die Box gehen", sagt Reiter. Wie alle Katzen ist er allerdings neugierig und vorsichtig zugleich. Doch bis Ende nächster Woche wird der Alu-Behälter in seinem Innengehege für ihn kein Fremdkörper mehr sein, von dem Gefahr ausgehen könnte. Dass sich am Abreisetag (das genaue Datum behält der Zoo aus Sicherheitsgründen für sich) hinter ihm die Türe der Box schließen wird, das wird El-Roi erst im letzten Moment registrieren. Denn würde der Behälter schon jetzt probeweise hinter ihm verschlossen, der Tiger ginge nicht mehr hinein.

Das Kistentraining ist auch dazu gedacht, dem sibirischen Raubtier Narkose- oder Beruhigungsmittel zu ersparen. Die Box hat mit zwei Metern Länge, 1,30 Meter Höhe und 90 Zentimetern Breite etwa die Körpermaße von El-Roi und ist gerade noch groß genug, dass sich der wendige Tiger darin stellen, legen und um die eigene Achse drehen kann. "Er wird sich auf der Fahrt mit großer Sicherheit hinlegen", weiß Dr. Reiter.

Er selbst wird nicht mit auf die rund 200 Kilometer lange Reise gehen, wohl aber zwei Tierpflegerinnen, die El-Roi vertraut sind. Sie werden anfangs noch bei ihm bleiben, wenn er sein neues Gehege in Emmen erkundet, ihm bei der Eingewöhnung helfen und mit den niederländischen Kollegen über die besonderern Vorlieben und Abneigungen des sibirischen Tigers reden. Ziegenfleisch zum Beispiel ist gar nicht nach El-Rois Geschmack, Kaninchenfleisch hingegen sehr.

Am Kaiserberg lebte der Tigermann jahrelang mit "Gisa" zusammen. Im März vor zwei Jahren starb das Weibchen im für Tiger biblischen Alter von 16 Jahren. Im vorigen Jahr verließ seine Tochter "Ahimsa" den Kaiserberg in Richtung Bayern. Ihre Geburt war für die Duisburger seinerzeit fast eine Sensation. Denn 16 Jahre lang hatte es bei den Großkatzen keinen Nachwuchs gegeben. Seit ihrem Auszug war El-Roi allein auf der Anlage, was für Tiger in freier Natur übrigens durchaus üblich ist. Denn sie sind Einzelgänger.

(RP)
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