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Rp-Serie Mein Tierisches Revier: Tierischer Traumjob in der Heimat

Rp-Serie Mein Tierisches Revier : Tierischer Traumjob in der Heimat

Dr. Kerstin Ternes ist seit 2008 Tierärztin im Duisburger Zoo. Eigentlich wollte sie Meeressäuger rehabilitieren, doch dann landete sie in Duisburg. Seitdem setzt sie sich dafür ein, dass es den Tieren gut geht und die Menschen dies verstehen.

Als Kerstin Ternes die Stellenausschreibung für den Job als Tierärztin im Duisburger Zoo geschickt bekam, befand sie sich gerade auf dem höchsten Berg Costa Ricas. Den ganzen Weg hinab hatte sie Zeit nachzudenken, ob die Stelle in Frage komme, erzählt sie. "Da ich gerade in Heidelberg in einem sehr schönen Zoo gearbeitet habe, ist mir die Entscheidung nicht leicht gefallen", sagt die 42-Jährige.

Dr. Kerstin Ternes bei einem medizinischen Eingriff bei einem Zoobewohner. Foto: Probst Andreas

Bereut hat sie es nicht, dass die Wahl positiv für Duisburg ausgefallen ist. Das liegt zum Einen daran, dass Ternes aus Duisburg kommt und hier aufgewachsen ist. "Das ist quasi mein Kinder-Zoo und bedeutete nach Hause kommen", sagt sie. Zum Anderen sei der Duisburger Tierbestand ausgesprochen reizvoll mit den Koalas und den australischen Kängurus. Aber als "Meeressäuger-affiner Mensch", wie sich Ternes bezeichnet, habe vor allem das Delfinarium und der Amazonasflussdelfin, der der letzte außerhalb Venezuelas lebende weltweit ist, den Ausschlag gegeben. "Und dazu noch die normalen Hochkaräter wie Gorillas, Elefanten oder Tiger, die für einen Tierarzt natürlich auch sehr spannend sind."

Dabei hatte Ternes zunächst gar nicht vor, als Zoo-Tierärztin zu arbeiten. "Ich wollte eigentlich in eine Rehabilitationsstation für Meeressäuger", erzählt sie. Doch da gebe es keine bezahlten Stellen. Und wenn man irgendwann vorhabe, eine Familie zu gründen, sei das schwierig, sagt die Mutter von zwei Kindern. "Wildtiere zu rehabilitieren, das war mein Idealismus." Aber für diese Stellen sehe "unserer Gesellschaft keine Notwendigkeit", sagt Ternes bedauernd. Etwas Sinnvolles für den Artenschutz wollte sie trotzdem machen, und das sei im Zoo möglich. "Ich glaube, dass nicht alles richtig ist, was Zoos machen, aber wenn man hier ist, kann man mitwirken, dass vieles richtig gemacht wird." Man habe viele Möglichkeiten, sich einzubringen, zum Beispiel sei man als Tierarzt immer mit in die Planung der Reviere einbezogen. Ternes sagt, dass Tierhaltung immer ein Kompromiss sei. "Artgerecht" hält sie in diesem Zusammenhang für nicht zutreffend, "Tiergerecht" hingegen schon. "Man muss einfach dafür sorgen, dass die Grundbedürfnisse befriedigt sind und sich das Tier nicht langweilt." Das sieht sie etwa bei der kontrovers diskutierten Delfinhaltung gegeben. "Unsere Tiere sind im Familienbestand gewachsen. Bis auf Ivo und Pepina sind alle hier geboren." Die Meeressäuger zeigten keine Verhaltensauffälligkeiten, hätten keine Stresshormone im Blut und seien auch sonst gesund.

Immer wieder kommt sie auf die Meeresbewohner zu sprechen, schnell ist klar, dass die passionierte Taucherin für dieses Thema besonders brennt. Aus diesem Grund liegt es ihr auch am Herzen, Menschen aufzuklären, einseitige Sichtweisen zu durchbrechen. Darum nimmt Ternes nicht nur die Gesunderhaltung der Tiere ernst, sondern auch den Bildungsauftrag des Zoos. "Das ist eine sehr große Aufgabe, dadurch dass wir viel in der Kritik stehen. Aber auch bei der Edukation von Kindern gebe es noch viel zu tun, damit diese lernten, "dass die Kuh nicht lila ist", wie sie sagt.

Da die Tiere im Zoo nicht ständig krank sind, gehören neben den Routineuntersuchungen noch weitere Aufgaben zu Ternes Job. Sie ist beispielsweise Kuratorin des Delfinreviers, zuständig für die Arbeitssicherheit im Bereich Tierpflege, Tauch- und Waffenbeauftragte. Der Umgang mit ihren Schützlingen sei aber ihre liebste Aufgabe und auch der Grund, warum sie Tierärztin wurde. "Das ist ja zunächst mal ein Kleinmädchentraum. Wenn man aber dann ein Pferd hat und merkt, wie teuer das ist, wird der Wunsch größer, das selbst zu machen", sagt sie und lacht.

Dr. Kerstin Ternes in einer ruhigen Minute. Foto: Carolin Skiba

Tiere hätten sie ihr Leben lang begleitet. Der Job im Zoo sei also ein echter Traumjob. In einer Praxis habe sie aber nie arbeiten wollen. "Da kann man in den seltensten Fällen nachverfolgen, was aus den Tieren wird." Außerdem habe sie im Zoo so viele Momente am Tag, wo sie sich einfach freuen könne. "Die Highlights sind die Geburten", sagt sie.

Aber Ternes gerät auch ins Schwärmen, wenn sie Geschichten erzählt, wie die von kleinen Seelöwen, die das erste Mal trinken und "dabei so unglaublich laut schmatzen". Natürlich gebe es auch weniger schöne Seiten. Wenn ein Tier stirbt, dann sei das immer schlimm. Oder dass sie bei den meisten Zoobewohnern nicht gut gelitten sei, weil "die ganz genau wissen, wenn ich komme, dann fliegen die Betäubungspfeile und dann tuts weh". Und auch Ternes hat an manchen Tagen den ganzen Schreibtisch voller Papierkram. Doch selbst, oder gerade an solchen Tagen, weiß sie ihre Stelle im Zoo ganz besonders zu schätzen. "Wenn alles zu viel ist, setze ich mich ins Giraffenhaus oder ins Aquarium und genieße die wunderbare Ruhe dieser Tiere."

(RP)