Thyssenkrupp Steel: 6000 Stahlarbeiter demonstrieren in Duisburg

6000 Stahlarbeiter demonstrieren in Duisburg : „Duisburg bleibt auf Stahl gebaut“

6000 Thyssenbeschäftigte haben am Dienstag für mehr berufliche Sicherheit und Investitionen in die Stahlsparte protestiert. Sie bekamen Unterstützung von vielen Seiten und fanden klare Worte in Richtung Vorstand.

Dieter Lieske hat an diesem Dienstag seine Kämpfermütze aufgezogen. Wer den Vorsitzenden der IG Metall Duisburg-Dinslaken in den vergangenen Jahren bei Stahlprotesten begleitet hat, dem dürfte dieses Accessoire schon häufiger aufgefallen sein. Wie er dort auf der Bühne steht, – vor rund 6000 wütenden Stahlarbeitern – mit seiner Mütze, seinem Schnauzbart und seiner auf der halben Nasenhöhe sitzenden Brille, wirkt Lieske wie der nette Onkel von Nebenan. Allerdings nur bis er den Mund aufmacht

Denn das, was Lieske an diesem Dienstag bei der Kundgebung der Thyssen-Stahlarbeiter in Hamborn in Richtung der Geschäftsführung  des Unternehmens zu sagen hat, ist alles andere als nett. Er wirft der Thyssen-Bossen vor, den Stahlbereich durch Misswirtschaft an die Wand gefahren und so die Arbeitsplätze der Beschäftigten in Gefahr gebracht zu haben. Dass die für die Fehler der Manager nun bezahlen müssten, könne nicht angehen. Er fordert Investitionen in und klare Bekenntnisse zum Stahlbereich. „Dass der Vorstand zuletzt erklärt hat, er liebe Stahl, ist gut und schön“, sagt Lieske. Das müsse er nun aber auch mit Taten untermauern.

Viele Stahlarbeiter kamen direkt von ihren Arbeitsplätzen zur Kundgebung. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Thyssen ist nach der gescheiterten Fusion mit dem Stahlriesen Tata unter Druck. Konzernweit sollen über 6000, allein in Deutschland 4000 Stellen abgebaut werden. Ein Tarifvertrag, der die Mitarbeiter vor Betriebsbedingten Kündigungen schützt, läuft zum Jahresende aus.

Es sind Unsicherheiten, die auch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link unerträglich findet. „Duisburg ist und bleibt auf Stahl gebaut“, ruft er den rund 6000 Stahlarbeitern von der Bühne herunter, die das mit lauten Jubel quittieren. Link fordert einen Dreiklang der Wertschätzung. Zum einen brauche es Klarheit für jeden einzelnen Beschäftigten, desweiteren eine langfristige Strategie, die auch wirklich trage. „Dieses Hangeln von Jahr zu Jahr, von Protest zu Protest, das muss aufhören“, sagt Link. Außerdem, und das sei ebenso wichtig, wie die anderen beiden Punkte, brauche es bei Thyssen endlich wieder eine Kultur der Wertschätzung für die Arbeit, die die Stahlarbeiter Tag für Tag leisteten.

Die Beschäftigten fordern Investitionen in die Stahlsparte. Sie werfen dem Management Versagen vor. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Auch Vertreter aus Bundes- und Landespolitik sind an diesem Dienstag nach Duisburg gekommen, um sich an die Seite der Stahlarbeiter zu stellen. Neben den sechs Duisburger Bundes- und Landtagsabgeordneten der SPD zeigt auch die NRW-Landeschefin der Grünen Mona Neubaur vor Ort Flagge. „Das Klischee klingt altbacken“, sagt sie, „NRW, das Land von Kohle und Stahl. Doch genau hier liegt die Zukunft. Mit grünem Stahl soll in NRW künftig Geld verdient werden. Damit NRW Stahlland bleibt, braucht es weite Gestaltungsspielräume für die Kombination aus Klimaschutz und gut bezahlten Arbeitsplätzen.“

Eine Position, der auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Mahmut Özdemir etwas abgewinnen kann. Man könne nicht auf der einen Seite immer von Klimapolitik reden, dann aber auf der anderen Seite dabei zuschauen, wie die  nachhaltigste und sauberste Stahlproduktion in Europa kaputt gehe. „Der Wirtschaftsminister muss aus seinem Dornröschenschlaf erwachen.“ Den Beschäftigten selbst scheint herzlich egal zu sein, wer ihnen am Ende hilft. „Es geht hier um unsere Arbeitsplätze“, sagt Stahlarbeiter Gerd Bomelhalter. „Wir brauchen keine Manager und Politiker, die viel reden. Wir brauchen Leute, die endlich sinnvoll handeln.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tausende Thyssen-Mitarbeiter demonstrieren in Duisburg

(RP)