1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Thyssenkrupp: Grobblechwerk in Duisburg-Hüttenheim vor dem Aus - Verkauf geplant

Verkauf geplant : Thyssenkrupp-Werk droht das Aus - 800 Arbeitsplätze in Duisburg betroffen

Der Essener Industriekonzern will das Grobblechwerk in Duisburg-Hüttenheim bis zum Sommer verkaufen. Dass sich ein Interessent findet, ist jedoch höchst fraglich. In diesem Falle droht die Schließung.

Befürchtungen gab es schon länger, doch nun ist es für Hunderte Stahlarbeiter traurige Gewissheit: Thyssenkrupp will sich von seinem Grobblechwerk in Duisburg-Hüttenheim trennen.

„Wir stehen im Stahl vor enormen Herausforderungen“, sagte Thyssenkrupp-Personalvorstand Oliver Burkhard. Viel müsse getan werden, viel müsse investiert werden. Wenn das Unternehmen die Spitzenklasse wieder erreichen wolle, müssten alle ihren Beitrag leisten. „Wir werden niemandem etwas wegnehmen“, versprach Burkhard, sagte jedoch zugleich, dass man auch mehr Flexibilität von den Beschäftigten verlangen können. „Weiter so ist keine Option.“

Er habe Verständnis für die Verärgerung in Hüttenheim, sagte Burkhard, der 2013 vom Posten des NRW-Bezirksleiters der IG Metall in den Vorstand der Thyssenkrupp AG gewechselt war. „Aber wir müssen ehrlich sein. So kann es dort nicht weiter gehen.“ Auch für die Mitarbeitenden sei die derzeitige Situation äußerst unbefriedigend. „Mit der neuen Option, einen Verkauf oder die Fortführung bis 30. Juni zu prüfen, schaffen wir die nötige Klarheit. Wir werden den Mitarbeitenden in jedem Fall einen Arbeitsplatz an anderer Stelle im Stahl anbieten.“

Das Grobblechwerk ist eines von drei Geschäften, die das Management als Problemfelder identifiziert hat. Neben Hüttenheim sind dies noch die Geschäfte mit Federn- und Stabilisatoren sowie der Bereich System Engineering. Für letzteren hatte Finanzvorstand Johannes Dietsch am Donnerstag in Teilen Entwarnung gegeben. Dank der Restrukturierungen handele es sich um einen „fixed case“ (gelösten Fall). Auf die Belegschaft bei Federn und Stabilisatoren dürften dagegen ebenfalls Einschnitte zukommen. Hier hatte Dietsch eine Verlagerung von Teilen der Produktion ins Ausland angekündigt.

In Hüttenheim gingen noch am Donnerstagabend Mitarbeiter des Grobblechwerks auf die Straße, um zu demonstrieren. In dem Betrieb sind 800 Mitarbeiter beschäftigt. Diese werden nach Angaben der IG Metall wohl zusätzlich zu dem ohnehin schon angekündigten Abbau von 2000 Stellen im Stahl hinzukommen.

Die IG Metall übte harsche Kritik am Vorstand: „Die Managementfehler der letzten Jahre dürfen nicht den Menschen auf den Deckel geschrieben werden“, sagte der NRW-Bezirksleiter der IG Metall, Knut Giesler. Sie seien nicht verantwortlich dafür, dass im Stahlbereich die nötigen Investitionen unterlassen, Innovationen vernachlässigt und Strategien ständig gewechselt wurden. „Darum dürfen die Beschäftigten am Ende nicht ohne Arbeit dastehen.“

Nach Angaben der Arbeitnehmervertreter ist das Management offenbar nur bereit, bis 2023 betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Die IG Metall fordert dagegen eine Regelung, die den Beschäftigten bis 2030 Sicherheit bietet. Zudem müssten Investitionen zugesichert und Bestandteil des neuen Tarifvertrags „Zukunft Stahl“ werden. Der Stahlstandort Bochum müsse langfristig gesichert werden und Grobblech erhalten bleiben. Versetzungen dürften nur sozialverträglich erfolgen. Zudem solle Thyssenkrup weiter im bisherigen Umfang ausbilden.