Thyssenkrupp:"August Thyssen würde sich im Grab umdrehen"

Thyssenkrupp-Fusion mit Tata Steel: "Der alte August würde sich im Grab umdrehen"

Protest gegen Fusion – Mahnwache bei Thyssenkrupp in Duisburg

Arbeiter von Thyssenkrupp haben am Mittwoch bei einer Mahnwache gegen die Fusionspläne protestiert. Die Stahlkocher haben Angst um ihre Zukunft.

Eigentlich meint es das Leben mit Samuel Principato gerade richtig gut. Der 51-Jährige hat, wie er sagt, die richtige Frau gefunden. Hochzeit und Familiengründung stehen an. Doch die Pläne des bei Thyssenkrupp beschäftigten Mechanikers erleben am Mittwochmorgen einen Dämpfer. Grund ist die publik gewordene Einigung über eine Fusion der Stahlsparte seines Arbeitgebers mit Tata Steel. "Ich habe Angst, dass mein Arbeitsplatz abgesägt wird und ich vor einer ungewissen Zukunft stehe. Ich erwarte von den Verantwortlichen, dass die Pläne noch einmal überdacht werden. Der gute alte August Thyssen würde sich im Grab umdrehen, wenn er davon hört. Denn Thyssen ist mit Stahl geboren", sagt Principato.

Er gehört am Mittwochvormittag zu rund 150 Arbeitern, die vor der Konzernverwaltung eine Mahnwache abhalten und zeitweise die Arbeit niederlegen, um gegen die Fusion zu protestieren. Durch große Boxen wummert Musik über die Kaiser-Wilhelm-Straße. Die Entschlossenheit, für die eigenen Arbeitsplätze zu kämpfen, ist einigen Teilnehmern ins Gesicht geschrieben. Das gilt vor allem für Markus Stockert vom Betriebsrat bei Thyssenkrupp. Via Mikrophon spricht er zu den Arbeitern. Seine Botschaft ist klar: Aufgeben ist keine Alternative. "Ich baue darauf, dass wir als Belegschaft gemeinsam gegen die Vernichtung von Arbeitsplätzen kämpfen. Ich erwarte, dass nun alle Anlagen stillstehen", sagt der 43-Jährige, der bereits seit 2001 in Duisburg bei Thyssenkrupp arbeitet.

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Verärgert zeigt sich am Mittwoch Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link, der am Vormittag den Arbeitern an der Mahnwache einen Besuch abstattet. "Wie viele andere habe auch ich nur aus der Zeitung von der Fusion erfahren. Ich wünsche mir von der Konzernspitze künftig eine bessere Kommunikation", sagt Link, der den Stahlkochern einen gemeinsamen Kampf "Seit an Seit" um die Arbeitsplätze verspricht.

Wenig optimistisch ist ein 59-Jähriger, der bereits seit 37 Jahren für das Unternehmen aktiv ist. Die Entscheidung sei gefallen, der Verlust der Arbeitsplätze vermutlich nicht mehr zu ändern. Enttäuscht zeigt sich der Kranführer von der Resonanz bei der Mahnwache. "Viele Kollegen sind im Betrieb geblieben. Vor allem von den Vorgesetzten sieht man hier keinen. Alle haben Angst, um ihren Arbeitsplatz", sagt er. Das sei früher ganz anders gewesen. Etwa bei einem großen Streik im Jahr 1979. Da hätten alle mitgemacht, alles habe stillgestanden.

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte die Fusionspläne am Mittwoch als "Vorwärtsstrategie" bezeichnet, um eine "nachhaltige Zukunftsperspektive" zu schaffen. Dass dadurch bis zu 2000 Stellen bei Thyssenkrupp wegfallen könnten, sei "keine schöne Zahl", sagte Hiesinger in Essen. Auf der anderen Seite allerdings seien dadurch "einige Zehntausende langfristig deutlich gesicherter".

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