Duisburg: Thyssen: Sorge um Jobs und Kapazitäten

Duisburg : Thyssen: Sorge um Jobs und Kapazitäten

Der Umbau im Vorstand wird von der Belegschaft von ThyssenKrupp als "Befreiungsschlag" bewertet.

Auf so großes Interesse wie gestern waren die Belegschaftsversammlungen von ThyssenKrupp Steel Europe (TKSE) im Landschaftspark Nord schon lange nicht mehr gestoßen. Am Morgen waren rund 1500 Mitarbeiter dabei, als der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Günter Back die derzeitige Situation erläuterte. Am Nachmittag, als Konzernbetriebsrats-Chef Willi Segerath die Rede hielt, kamen über 2400 Beschäftigte. Die anhaltenden Schlagzeile über Milliardenverluste des Konzerns durch die Anlagen in Brasilien und den USA, die Kartelle in der Schienen- und der Aufzugsparte und die Nachricht vom Umbau des Konzernvorstandes, die wie eine Bombe eingeschlagen war, sorgten für große Verunsicherung. Dabei warnte Segerath den Vorstand, die Kapazitäten in der Roheisenproduktion am Standort Hamborn zu verkleinern: "So falsch wie es war, in einer Hochphase die Werke in Brasilien und Alabama zu bauen, so falsch wäre es nun, in einer Abschwungphase an der Roheisenbasis zu schnitzen." Die Belegschaft habe den Vorschlag der Ablösung der drei Vorstände, unter ihnen Stahl-Chef Edwin Eichler, als "Befreiungsschlag" empfunden. "Ich gehe davon aus, dass der Aufsichtsrat am Montag der Empfehlung folgt", so Segerath, der als Arbeitnehmervertreter selbst Aufsichtsratsmitglied ist. Zum Jahresbeginn sei dann niemand mehr im Vorstand, der die Milliardenverluste durch die Übersee-Geschäfte zu verantworten habe. Kritik übte Günter Back daran, dass die ausscheidenden Vorstände üppige Abfindungen bekämen: "Jeder normale Beschäftigte, der so viel Ausschuss produziert hätte, wäre ohne Abfindung gekündigt worden. So etwas kommt in der Belegschaft nicht gut an."

Die Betriebsräte sind nicht einverstanden damit, dass der Vorstand nun zum Teil auf die selben Berater vertraue, die das Desaster in Brasilien und den USA mit zu verantworten hätten. "Wir vertrauen nun selbst auf externe Beratung und wollen dem Vorstand verstärkt auf die Finger gucken", sagte Segerath. Er bedauerte, dass die TKSE-Kraftwerke in Ruhrort und Hamborn nicht ausgebaut würden. So könnte Thyssen Strom und Wärme selbst ins öffentliche Netz einspeisen. Positiv bewerteten die Arbeitnehmervertreter, dass die Bundesregierung die Verlängerung der Kurzarbeitergeld-Regelung von sechs auf zwölf Monate ins Auge gefasst haben. Zuletzt arbeiteten bei Thyssen 2008 Beschäftigte in Kurzarbeit. Zum Teil läuft die Befristung dafür im Januar aus und kann nun wohl verlängert werden. Die Auslastung der Anlagen liegt derzeit noch bei rund 75 Prozent. Hochofen 9 läuft als Reserveaggregat im "Stand-by"-Betrieb.

(RP)