Duisburg: THW simuliert den Ernstfall

Duisburg : THW simuliert den Ernstfall

30 Rettungshelfer des Technischen Hilfswerks (THW) rückten am Samstag in Homberg an. In einem Wohnhaus, das demnächst abgerissen wird, simulierten sie den Einsatz nach einer Gasexplosion.

Alles ist voller Rauch. Voraus drängen sich schemenhaft drei schwer gerüstete Gestalten vor einer geschlossenen Tür. Dahinter schreit jemand um Hilfe. Die drei Männer blicken sich an, und einer beginnt damit, mit einem schweren Bergungsbeil auf das Hindernis einzuhacken. Eine Etage tiefer vibrieren derweil die Wände. Einer der behelmten Retter in Blau versucht, mit einem schweren Schlagbohrer den Boden zu durchbrechen. Darunter werde ein Verschütteter vermutet, sagt er, und wirkt dabei konzentriert.

Mit einer Trage wird ein Verletzter über einen Balkon hinabgelassen. Foto: Hohl, Ralf (hohl)

Überhaupt scheinen er und seine Kollegen allesamt äußerst auf ihre Aufgaben fokussiert. Dass sie den Ernstfall eigentlich nur üben, haben die meisten Rettungshelfer des THW vollständig ausgeblendet.

Den Anwohnern der Feldstraße in Homberg bot sich ein seltener Anblick, als morgens der technische Zug des Technischen Hilfswerkes mit Blaulicht bei ihnen vorfuhr. Ihr Ziel: Ein Wohnhaus an der Feldstraße, das in wenigen Wochen einer Erweiterung des Homberger Seniorenzentrums weichen wird. "Für uns ist das die perfekte Möglichkeit, den Ernstfall zu trainieren", sagt Frederik Vongehr, Sprecher des THW Moers, der mit gespanntem Blick die Arbeit seiner Kollegen verfolgt. "Wir bekommen nicht oft ein Wohnhaus zur Verfügung gestellt."

Das eröffne den Rettungshelfern die Möglichkeit zur Simulation eines besonderen Szenarios. "Wir simulieren die Situation nach einer Gasexplosion", erläutert der THW-Sprecher. "Im ganzen Haus sind Verletzte verteilt und verschüttet. Unsere Einsatzkräfte sollen nur selbstständig Strategien entwickeln, alle zu befreien."

Da das Erdgeschoss in der Simulation als unbegehbar gilt, verschaffen sich die Einsatzkräfte des THW mit Hilfe einer Leiter Zugang zur ersten Etage. Nun gilt es, die Verletzten ausfindig zu machen und so lange zu versorgen, bis eine Möglichkeit zum Abtransport gefunden ist.

Die ersten mit literweise Kunstblut verschmierten Verletztendarsteller werden nach knapp 50 Minuten mit einer besonderen Trage über den Balkon aus dem ersten Stock hinabgelassen. Andere Verletzte sind in diesen Momenten noch immer verschüttet. Der Techniker, der mit Hilfe eines Schlagbohrers an der Decke zum ersten Stock arbeitet, meldet seinem Gruppenführer, dass er nur langsam vorankommt. Zu langsam, findet dieser. Also wird kurzerhand auf schwereres Arbeitsgerät umgestellt: Mit einem mit Druckluft betriebenen Steinbrecher soll ein Stück Außenwand des Wohnhauses entfernt werden, um den Verletzten zu erreichen.

Das Dröhnen des schweren Hammers beschallt die gesamte Nachbarschaft, so dass die Zuschauermenge vor dem Gelände nach und nach immer größer wird. "Ist hier etwas Schlimmes passiert?", fragt eine Frau besorgt. Vongehr beruhigt: "Wir üben hier nur den Ernstfall. Da muss es halt etwas realistischer zugehen."

Das THW ist bei der Vorbereitung auf ihre Einsätze auf die Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen. Intakte Abbruchhäuser wie das an der Feldstraße stehen nicht oft zur Verfügung. "Wir sind froh über jeden, der uns in seinem Haus üben lässt", so der Sprecher des Technischen Hilfswerks. "Jede Übung hilft dabei, im Ernstfall Leben zu retten."

(th)
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