Duisburg: Theater als Treffpunkt der Generationen

Duisburg: Theater als Treffpunkt der Generationen

Am Mittwoch wurde das Schauspielprogramm für die erste Hälfte der kommenden Saison vorgestellt. Der Schauspieljugendclub spielt neben den Gast-Bühnen wieder eine große Rolle. Vorverkauf startet am 14. Juni.

Es klingt wie Fußball, gemeint ist jedoch das Schauspielprogramm im Duisburger Stadttheater: "Die Halbzeit-Form hat sich bewährt", sagte am Mittwoch Kulturdezernent Thomas Krützberg, als er mit Intendant Michael Steindl die Stücke der kommenden Spielzeit vorstellte. Wie bereits in der vergangenen Saison gibt es auch dieses Mal zwei Schauspielbroschüren, die jeweils das Angebot für eine Spielhälfte umfassen. In früheren Jahren gab es pro Jahr nur ein Heft. Der Vorteil des neuen Konzepts ist, dass Michael Steindl noch im Herbst Stücke sichten kann, die dann ab Frühjahr des kommenden Jahres im Duisburger Stadttheater gezeigt werden.

Foto: Björn Hickmann/Stage Picture

Jetzt ging es um die Schauspiele, die von September bis Februar auf der Bühne im großen Saal mit 1117 Plätzen oder im Foyer III, die schwerpunktmäßig als Experimentalbühne genutzt wird, zu erleben sind. Insgesamt werden in diesem Zeitraum 32 verschiedene Stücke gezeigt, darunter vier Stücke, die in Duisburg Premiere feiern.

Foto: Benjamin Eichler

Die erste Premiere ist zugleich der Auftakt der kommenden Schauspiel-Saison. "Wir sind Krieg" heißt das Stück für zwei Darsteller und eine Soundcollage, das der Schauspieljugendclub "Spieltrieb" am 8. September im Foyer III zeigt. Regisseurin Eva Zitta und Musikerin Katja Kettler wollen eine Eigenproduktion entwickeln, die sich mit dem Scheitern einer Liebesbeziehung auf eine Weise beschäftigt, die dem Titel des Stücks entspricht...

Foto: Julian Röder

Ab dem 3. November ist die zweite Spieltrieb-Premiere im Foyer III zu erleben. Der Titel ist eine vielsagende Jahreszahl: "1968". Das Jahr, das einer ganzen Generation seinen Namen gab, wird aber nicht mit politischen Analysen auf der Bühne präsentiert, sondern mit den Liedern, die damals zu hören waren. Das Konzept der Premiere sei noch in Arbeit, berichtete Steindl gestern. Immerhin verriet er den größten Hit von 1968: Heintjes "Mama"...

"Der Untergang des Hauses Usher" nach Edgar Allan Poe", eine Koproduktion des Theaters Duisburg mit der Bühne Cipolla und Metropol Ensemble, feiert am 16. November Premiere im vermutlich restlos ausverkauften Foyer III. "Rita will's wissen", eine Komödie von Willy Russel, bei der Michael Steindl selber Regie führt, ist die vierte echte Premiere im Duisburger Theater (11. Januar). Das Stück um den zynisch gewordenen Literaturprofessor und der lebenstüchtigen Friseurin wurde 1980 als beste britische Komödie ausgezeichnet und drei Jahre später mit Michael Caine und Julie Walters verfilmt. Der Publikumserfolg scheint da vorprogrammiert.

  • Xanten : Theater: Mehr Spielraum bei der Planung

Zu den ganz großen Duisburger Theaterabenden gehört "Caligula" von Albert Camus, mit dem das Berliner Ensemble am 17. Oktober gastiert. Die Titelrolle verkörpert eine Schauspielerin, und zwar eine der besten in Deutschland: Constanze Becker.

In Duisburg konnte man sie bereits als Medea und Penthesilea erleben. Und das Berliner Ensemble war mit seiner Inszenierung von Shakespeares "Richard III." ein Höhepunkt des Theatertreffens bei den Akzenten.

Mit "Die Nacht von Lissabon" vom Schauspiel Hannover kann man in Duisburg wieder ein Stück von Erich Maria Remarque erleben, dessen "Arc de Triomphe" in der vergangenen Woche in Duisburg zu sehen war. Die diesjährigen Akzente waren mit einer eindrucksvollen Bühnenfassung von Remarques Welterfolg "Im Westen nichts Neues" eröffnet worden. Auch Tourneebühnen offerieren bisweilen Stücke, die einem großen Theater wie dem Duisburger würdig sind. Dazu gehört gewiss "Konstellationen" von Nick Payne; das Gastspiel des Euro-Studio Landgraf wird am 12. Januar mit Susanne von Borsody und Guntbert Warns im Stadttheater präsentiert. Die Liebesgeschichte zwischen einer Quantenphysikerin und einem Imker wird dabei in verschiedenen Varianten erzählt: Die raffinierte Dramaturgie dürfte ein Fest für die renommierten Schauspieler sein. Gern gesehene Gäste sind hier auch das Rheinische Landestheater Neuss ("Kalif Storch" und "Rio Reiser - Wann, wenn nicht jetzt?") und das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel ("Die Schöne und das Biest" und "Buddy - The Buddy Holly Story").

Er habe sich vorgenommen, das Duisburger Schauspiel zu einem "Treffpunkt der Generationen" zu machen, sagte Steindl gestern. Die recht guten Publikumszahlen mit mehr als 20.000 Besuchern zeigen, dass sein Konzept aufgeht.

(pk)