"The Curve": Kosten bei Bauprojekt im Duisburger Innenhafen explodieren erneut

Duisburger Innenhafen : Kosten für „The Curve“ explodieren erneut

Die Kosten für die Baureifmachung des Bauprojekts steigen von 5,9 auf 11,63 Millionen Euro. Noch halten die Stadt und der Projektentwickler aber an dem Vorhaben fest.

Die Stadt hatte bereits die Notbremse gezogen: Weil nicht absehbar war, wie hoch die Kosten für die offenbar schwierige Baureifmachung des sichelförmigen Geländes an der Nordseite des Innenhafens und wie teuer die Kampfmittelsondierung sein würde, wurde mit dem Düsseldorfer Entwickler im November 2018 ein Nachtragvertrag geschlossen. Dies hat sich nun schon bewährt. Dies geht aus einem neuen Sachstandsbericht hervor, den der Rat der Stadt in seiner Sondersitzung am Montag nichtöffentlich zur Kenntnis nimmt.

Wesentlicher Bestandteil des Vertrages war es nämlich, dass die Stadt nicht mehr verpflichtet ist, dem Entwickler das Grundstück baureif zu übergeben. Dieses Unterfangen würde immer mehr zu einem Fass ohne Boden. Denn sowohl die Kosten für die Baureifmachung als auch für die Kampfmittelsondierung sind ein weiteres Mal explodiert.

Die Planung für die Baureifmachung hat die Stadt bekanntlich in die Hände der Gebag gelegt.Die hat sich inzwischen mit der Bezirksregierung und der Berufsgenossenschaft über das Verfahren bei der Kampfmittelsuche verständigt. Danach sind die Anforderungen deutlich gestiegen. Die erforderlichen Bohrlöcher müssen zum Beispiel deutlich tiefer werden als ursprünglich geplant. Außerdem sind zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen in Form von Schutzmatten notwendig. Die Bohrlöcher sollen zudem mit Kunststoffrohren gesichert werden, damit kein erzhaltiges Material nachrutschen kann. Aufgrund des lockeren Bodens muss mit einer sogenannten „Hohlbohrschnecke“ gebohrt werden. Die genannten Faktoren führen dazu, dass die Kosten für die Kampfmittelsondierung von 2,4 auf 3,83 Millionen Euro ansteigen. Sollten dabei allerdings tatsächlich Blindgänger-Bomben gefunden werden, würde dies weitere Kosten nach sich ziehen.

Noch gravierender sind die Kostensteigerungen bei der Baureifmachung. Hauptproblem war hier bekanntlich, dass der Boden vor einigen mit sogenannten „Waschbergen“, einem Nebenprodukt aus dem Bergbau, verfüllt wurde, weil dies damals günstiger war. Deshalb muss die Gründung eines neuen Gebäudes in einer Art Pfahlbauweise erfolgen, mit Hilfe sogenannter „Rüttelstopfsäulen“. Hier musste die Gebag die Kosten inzwischen erheblich nach oben korrigieren. Denn der Boden ist wohl noch schlechter für ein großes Bauvorhaben geeignet als ursprünglich gedacht. Außerdem sind die Preise der beteiligten Firmen wohl deutlich gestiegen. Die Gebag geht von einer Preissteigerung von 2017 nach 2020 von rund 30 Prozent aus. Das alles führt dazu, dass die Baureifmachung nun mit 7,8 Millionen statt der bisher kalkulierten 3,5 Millionen Euro zu Buche schlagen würde. In der Summe würden die Kosten daher von 5,9 Millionen auf 11,63 Millionen Euro steigen. In Gesprächen mit den Projektentwicklern sucht die Fachleute der Stadtverwaltung nun gemeinsam nach Lösungen, um das Vorhaben doch noch umsetzen zu können. Ursprünglich sollte an dieser Stelle mit dem „Eurogate“ ja sogar der krönende Abschluss der Innenhafen-Bebauung entstehen. Die Rede ist unter anderem von „alternativen Gründungen“ anstelle von Bodenverbesserungsmaßnahmen.

Die Stadtverwaltung schlägt nun vor, sich mit dem Investor dahingehend zu verständigen, dass er erst das Grundstück kauft und dann die Baureifmachung in Eigenregie übernimmt. Sollte dies nicht gelingen, sei auch ein Abbruch des Projekts denkbar. Die Kosten für die Kampfmittelsondierung sollten verteilt werden. Der Investor, so heißt es in einer entsprechenden Vorlage für den Rat, habe sich aktuell „nochmal deutlich zum Projekt bekannt und erklärt, dass er auch aktiv an einer gemeinsamen Lösung mitwirken will“. So lange laufen die Kosten weiter: Bauzaun, Unterhaltung und Verkehrssicherung sind von Juni bis Dezember 2019 mit 300.000 Euro veranschlagt.

Mehr von RP ONLINE