The Curve in Duisburg wird vorerst nicht gebaut

Millionenprojekt in Duisburg : "The Curve" ist vorerst gestorben

Die Stadt sieht nicht mehr in der Lage, ihren Verpflichtungen dem Investor gegenüber nachzukommen. Damit das Projekt überhaupt noch eine Chance hat, soll der Rat am Montag zusätzliche Ausgaben in Millionenhöhe bewilligen.

Das Großprojekt "The Curve" am Duisburger Innenhafen liegt wohl erst einmal auf Eis. Wie die Stadt am Donnerstag mitteilte, kann das Büro-Großprojekt nicht wie geplant umgesetzt werden. Der Rat der Stadt soll im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung am kommenden Montag über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Gründe, die zu Problemen in der Entwicklung des spektakulären Grundstücks am Innenhafen führten, datieren ursprünglich aus dem Jahr 2007. Obwohl seinerzeit im Plangenehmigungsverfahren die Verfüllung des Hafenbeckens mittels Kies-Sand-Gemisch gutachterlich vorgegeben wurde, entschied sich die damals verantwortliche Innenhafen Entwicklungsgesellschaft (IDE) stattdessen für das Einbringen eines Abfallmaterials aus der Steinkohlegewinnung. Die dringend erforderliche und ebenfalls vom Gutachter vorgegebene Verdichtung des wenig tragfähigen Bodens im Hafengebiet mittels sogenannter Rüttelstopfsäulen unterblieb ganz.

Als das Filetgrundstück im Jahr 2015 erneut ausgeschrieben wurde, gingen laut Stadt alle Beteiligten davon aus, dass der Baugrund gemäß den seinerzeit gemachten Vorgaben hergerichtet wurde. Entsprechend sei die Ausschreibung konzipiert worden, im Zuge derer die Düsseldorfer Projektentwickler "Die Developer" den Zuschlag bekommen hätten. Um die vertraglich vereinbarte Tragfähigkeit sicherzustellen, habe die Stadt außerdem zugesichert, mit Hilfe der Gebag die Verdichtungsarbeiten vorzunehmen. Baugrunduntersuchungen und ein nachfolgendes Gutachten hätten zudem bekräftigt, dass die vereinbarte Tragfähigkeit pro Quadratmeter erreicht werden könne.

"Erhebliche Zweifel hinsichtlich der generellen Tragfähigkeit des Untergrunds kamen erst Anfang November 2017 nach der Beauftragung eines Fachunternehmens auf", heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Mittelung der Verwaltung. "Deren Erkenntnisse bestätigte sodann auch der Gutachter und revidierte seine ursprüngliche Annahme, dass die vertraglich vereinbarte Tragfähigkeit des Untergrunds hergestellt werden kann." Infolgedessen sei gemeinsam mit "Die Developer" versucht worden, die Planungen für das Gebäude anzupassen, um dieses auch auf einem weniger tragfähigen Boden errichten zu können.

Aufgrund des Mitte November 2017 auftretenden Hochwassers, das sich bis Ende März 2018 fortsetzte, seien keine Arbeiten am Boden vorgenommen und auch keine weiteren Erkenntnisse gesammelt worden. Mit Aufnahme der Arbeiten Anfang April 2018 ergaben sich laut Verwaltung zudem weitere Erschwernisse: Die Teilverfüllung des Geländes mit sogenannten Waschbergen erschwerte eine verlässliche Kampfmittelsondierung. Die Bezirksregierung hatte im Jahr 2008 die Verfüllung des Hafenbeckens ohne weitere Auflagen als kampfmittelfrei eingestuft.

Diese Einschätzung revidierte sie jedoch im Sommer des vergangenen Jahres. Im Anschluss durchgeführte Kampfmittelsondierungen mit Hilfe von ferromagnetischen Sonden lieferten aufgrund der im Verfüllungsmaterial enthaltenen Eisenerze keine verwertbaren Ergebnisse. Zusätzliche fanden sich Altlasten sowie Hafensedimente.

Als unmittelbare Folge dieser neuen Erkenntnisse wurde der Bauauftrag nun gestoppt. "Die zeitlichen Verzögerungen, die aus den beschriebenen Problemen resultieren, machen es der Stadt Duisburg letztlich nicht mehr möglich, die gegenüber dem Investor zugesagte Fertigstellungsfrist einzuhalten", teilt die Verwaltung dazu mit.

Um einen Fortgang sicherzustellen, schlägt die Verwaltung dem Rat nun vor, einer Erhöhung der bislang entstandenen Gesamtkosten um 1,85 Millionen auf 5,35 Millionen Euro zuzustimmen. Zusätzlich sollen 500.000 Euro für ein alternatives Verfahren der Kampfmittelsondierung beauftragt werden. Darüber hinaus soll nach Auswertung der Kampfmittelsondierung die Erstellung eines technischen Konzepts für die abschließende Baureifmachung des Grundstückes nebst Kostenschätzung in Auftrag gegeben werden. Mit den weiteren Kosten soll sich der Rat in einer weiteren Sitzung befassen.

(th)