Test: Stand-Up-Paddling auf dem Masurensee in Duisburg

RP-Praktikantin macht den Test : Stand-Up-Paddling ist mehr als nur Trendsportart

RP-Praktikantin Sophie Dissemond versucht mit ihren eigenen Vorurteilen gegenüber eines Trendsports aufzuräumen und testet das Freizeitangebot an Duisburgs Seen. Ein Erfahrungsbericht.

Stand-Up-Paddling: Ist das nicht dieser Möchtegern-Sport für alte Leute? Ist das nicht für Menschen, für die richtiges Surfen zu schwer ist? Mit reichlich Vorurteilen belächelte ich stets die Personen, die mit schlotternden Knien auf dem See standen auf diesem Gerät, das sich nicht entscheiden konnte, ob es lieber Surfbrett oder Boot sein wollte.

Es war also an der Zeit an meinen Vorurteilen zu arbeiten. Dafür besuche ich Heike te Poel-Theyssen und Roger Theyssen von Aloha-SUP am Masurensee. Nachdem ich die Fahrradklingel betätige und Einlass gewährt bekomme, trete ich ein in eine bunte Welt der Entspannung. Barfuß im Sand werden allen Teilnehmern des Einführungskurses die Grundlagen des Stand-Up-Paddlings erklärt. Im Hintergrund läuft Meditationsmusik. Später erzählt mir Roger, wie viele Menschen sich unbedacht auf ein Board stellen würden ohne Technikkenntnisse zu haben. Die Leute seien dem Gewässer gegenüber respektlos. Es sei mittlerweile sogar schon zu tödlichen Unfällen gekommen. Daher sein Appell: „Macht einen Kurs!“

Aller Anfang ist schwer: Zuerst lernt man als Anfänger, sich auf den Knien auf dem Board zu halten. Foto: Arnulf Stoffel (ast)

Zusammen mit seiner Frau Heike betreibt Roger seit 2012 die SUP-Station Aloha. 2010 entdeckten die Duisburger den Trendsport in Tarifa (Spanien) und kauften sich 2011 auf der Boot-Messe ihre ersten „Inflatables“ – aufblasbare Boards –, testeten diese auf ihrer Lieblingsinsel Formentera und machten sich daraufhin selbstständig.

Nun sollen die zwei uns also die Basics des SUP beibringen. Aufgeteilt werden wir in zwei Gruppen. Mit Luna, Eva und Ben komme ich in die „Kindergruppe“ und gemeinsam mit Roger soll es aufs Wasser gehen. Als Erste muss ich daran glauben. Knietief wate ich ins angenehm warme Wasser und knie mich in die Mitte meines Bretts. Mit dem langen Paddel soll ich langsam auf den See hinaus gleiten und mich dann vorsichtig aufstellen. Etwas wackelig auf den Beinen warte ich auf den Rest meiner Gruppe, um dann gemeinsam über den See zu schippern. Bald stellte ich fest, desto schneller ich fahre, desto sicherer und ruhiger lässt es sich auf dem Board stehen. Außerdem sollte man stets dem Surfergruß „Hang loose“ folgen, der besagt, dass man nicht verkrampfen soll.

Während Eva und Ben abwechselnd im Minutentakt ins Wasser fallen (oder springen), versucht uns Roger die Prinzipien des Paddelns zu erläutern. Wie ziehe ich zum Beispiel mein Paddel durch das Wasser, um mich einmal zu drehen oder im Kreis um eine Boje zu fahren? Mit einer kleinen Pilateseinheit versuchen wir an unserer Balance auf dem Brett zu arbeiten, die manche wiederum direkt wieder ins Wasser befördert. Sportarten wie Pilates oder Yoga lassen sich im Übrigen wunderbar mit SUP kombinieren. Roger schätzt daran vor allem die Mischung aus Entspannung, Ruhe, Natur, Meditation und Unterhaltung. Regelmäßig lädt Pilatestrainerin Birgit zum gemeinsamen Schwitzen auf dem See ein. Und auch ich beginne langsam zu begreifen, warum man durchaus von einem Sport reden kann: Ich spüre meine Beine. Auch Heike schwärmt von der Vielseitigkeit des SUP. Es sei ein aktives Ganzkörpertraining, das die Tiefenmuskulatur stärke. Gleichzeitig sei es aber auch eine Form der Meditation und „ein Spaziergang über den See“.

Wir spazieren mittlerweile in Zweierteams über den See. Luna ist mit auf mein Brett gestiegen und gemeinsam paddeln wir übers Wasser. Am Anfang noch ziemlich wackelig und immer darauf bedacht auszugleichen, kommen wir mit der Zeit in einen Flow und schweben gleichmäßig dahin. Eine tolle Gemeinschaftsaktion, die Roger auch gerne als „Generationenpaddeln“ bezeichnet. Obwohl SUP ein junger Sport sei, sei er leicht und jeder könne ihn erlernen. So sei er auch schon mit 70- bis 80-jährigen auf dem Wasser gewesen.

Doch woher kommt eigentlich dieser „neue Sport“ frage ich mich und hake bei Heike nach. Sie erklärt mir, dass polynesische Fischer anfingen in ihren Booten zu stehen. Der Vorteil gegenüber zum Sitzen im Boot sei ganz einfach die Perspektive und der Blick auf die Umgebung. Im 20. Jahrhundert begannen dann hawaiianische Surflehrer sich durch den Einsatz des Paddels schneller fortzubewegen. Mittlerweile gebe es sogar richtig große Wettkämpfe wie Long-Distance-Rennen auf dem offenen Meer in den USA oder dem Elf-Städte-Trail in Holland. Aber auch bei Kurzstreckenrennen und beim Wellenpaddeln würden sich Sportler auf der ganzen Welt messen.

Dabei gibt es für jede Art von SUP natürlich auch das passende Board. Allgemein könne man von zwei Basis-Typen sprechen, erklärt mir Roger. Der Allrounder würde drei Finnen besitzen, sei relativ wendig, für jedes Gewässer und Menschen geeignet. Die Touring-Boards hingegen laufen besser geradeaus und sind somit eher für längere Fahrten gedacht. Doch auch spezielle Boards für die Langstrecken auf dem Meer – diese sind entweder über vier Meter lang und schmal oder für das Wellenreiten kurz, breit und sehr lang – werden produziert. Die Bretter erhalte man entweder in hart oder weich. Unter weichen Boards versteht man die aufblasbaren Bretter, die überall mit hingenommen werden können. Diese Mobilität, sagt Roger, sei entscheidend für den Erfolg des SUP gewesen, denn erst dadurch, dass die Boards klein und kompakt gemacht werden konnten, hatte jeder Platz für sie.

Ich selbst bin erstaunt, hätte ich doch nicht mit so einer Vielschichtigkeit und Komplexität dieses Sports gerechnet. Überhaupt, als ich wieder durch den Sand laufe, die Meditationsmusik langsam verklingt und ich Aloha verlasse, fühle ich mich erholt und überlege bereits, wann ich denn mal den Yoga-Kurs ausprobieren könnte. Als ich am selben Abend meiner besten Freundin davon berichte, lächelt sie milde und nickt. „Stand-Up-Paddling ist doch kein Sport“, erwidert sie auf meine schillernde Ausführung. Wart’s ab, denke ich und weiß schon wen ich das nächste Mal auf den Masurensee mitnehmen werde.

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