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Junge Familie stirbt in Duisburg: Technischer Defekt löste tödliches Feuer aus

Junge Familie stirbt in Duisburg : Technischer Defekt löste tödliches Feuer aus

Für eine 19-jährige Frau, ihren 27 Jahre alten Freund und die fünf Monate alte Tochter kam jede Hilfe zu spät. Sie starben in ihren Betten, nachdem im Erdgeschoss in einem Imbiss ein technischer Defekt einen Brand verursacht hatte.

Die Anwohner der Straße Unter den Ulmen in Meiderich standen gestern Vormittag noch unter Schock. Vor ihren Augen hatte sich wenige Stunden zuvor in der Nacht ein furchtbares Unglück abgespielt. Eine junge Familie fand bei einem Feuer in einem dreigeschossigen Gebäude den Tod. Sie starben nach ersten Untersuchungen in ihren Betten an einer Rauchgasvergiftung.

Bei den drei Toten handelt es sich um den Wohnungsmieter, einen 27 Jahre alten Mann, seine 19-jährige Lebensgefährtin und ihre fünf Monate alte Tochter. Laut Aussage eines Feuerwehrmannes war die Frau schwanger. Nach der ersten Untersuchung des Brandsachverständigen hat ein technischer Defekt in der Verkabelung im Thekenbereich des im Erdgeschoss befindlichen China-Imbiss den Brand ausgelöst.

Beim Eintreffen der Feuerwehr brannte das Lokal lichterloh. Das Feuer hatte bereits auf das Treppenhaus übergegriffen und die hölzerne Treppe zerstört. Mit zwei Drehleitern versuchten die Feuerwehrleute, Menschen aus dem Haus zu retten. Vermutet wurde zunächst, dass sich noch vier Personen in dem brennenden Wohn- und Geschäftshaus befänden.

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"Um 2.30 Uhr hat uns die Nachbarin wachgeschellt", erzählt Manuela Schwickert, die in der dritten Etage gegenüber dem Brandhaus wohnt. "Wir haben zwei Explosionen gehört und Hilfeschreie. Und eine Polizistin ist die ganze Zeit auf der Straße hin und her gelaufen und hat gerufen 'Wo denn, wo denn?' - wahrscheinlich konnte sie die Menschen in der brennenden Wohnung wegen der starken Rauchentwicklung nicht sehen", mutmaßte die Anwohnerin. "Keine zehn Minuten später stand das ganze Gebäude in Flammen", erzählte sie aufgewühlt.

"Ich habe mein Schlafzimmerfenster zur Straßenseite hin und bin wach geworden, weil es plötzlich so furchtbar warm war", berichtete Nicole Schmitz, die ebenfalls im Haus gegenüber wohnt. "Dann habe ich mich gewundert, wieso das so hell war und habe dann gesehen, dass es gegenüber brennt. Da habe ich nur gedacht 'Du musst sofort alle im Haus wecken, die müssen sich anziehen, vielleicht müssen wir auch alle raus hier'".

"Als keine Schreie mehr zu hören waren, haben wir noch gehofft, dass sich die Leute vielleicht nach hinten aus dem Haus in Sicherheit bringen konnten", erzählte Manuela Schwickert. Dass es die drei Bewohner nicht geschafft haben, "das ist ganz furchtbar". Sogar am Fenster ihrer Wohnung sei die Hitze noch so unerträglich gewesen, dass man dort kaum stehen konnte. Mehr Glück hatten nach Angaben von Anwohnern einige Mitarbeiter des Imbiss. Sie seien rechtzeitig aus einem Hinterhaus des Gebäudes evakuiert worden, in dem sie geschlafen hätten. Bei den drei Opfern soll es sich um Angehörige einer im Stadtnorden ansässigen Roma-Familie handeln. Ein rassistisch geprägter Brandanschlag wurde deshalb von einigen Anwohnern zunächst vermutet, aber vom hinzugezogenen Brandsachverständigen nicht bestätigt. Der Besitzer des China-Imbiss wurde über den Brand von der Polizei informiert. Ihm gehören noch zwei weitere Lokale in Duisburg. Er wollte am Montagvormittag gegenüber der Presse nicht Stellung beziehen. Wenn das endgültige Gutachten des Brandsachverständigen vorliegt, wird die Staatsanwaltschaft Duisburg gegebenenfalls ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung einleiten.

Die Feuerwehr war in der Nacht mit 65 Einsatzkräften vor Ort und über mehrere Stunden mit den Lösch- und Bergungsarbeiten beschäftigt. Erst am gestrigen Mittag konnte die Straße Unter den Ulmen wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tödliches Feuer in Duisburg - Ausmaß der Schäden

(RP)