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Duisburg: Technik-Schüler zeigen ihr Können

Duisburg : Technik-Schüler zeigen ihr Können

29 Mitglieder der verschiedenen Projektgruppen der Abschlussklassen der Fachschule für Technik stellten ihre Anwendungen im Rahmen der öffentlichen Präsentation in den Räumen des Bertolt-Brecht-Berufskollegs vor.

Vier Jahre (acht Semester) dauert die Ausbildung zum "Staatlich geprüften Techniker der Fachrichtung Elektrotechnik", die neben dem "normalen" Beruf der Studierenden, in der Mehrzahl handelt es sich dabei um ausgebildete Elektroniker, zu absolvieren ist. Unterrichtet wird an zwei Abenden in der Woche und am Samstag. Ilja Dogan, der als Techniker bei der Rheinisch-Westfälischen-Wasserwerksgesellschaft beschäftigt ist, merkte an, dass die zusätzliche Belastung groß ist. Sein Arbeitskollege Christian von Cyrson, mit dem er gemeinsam ein Verfahren zur Verbesserung der Wasserqualität bei der Aufbereitung präsentierte, erwähnt noch einen weiteren erschwerenden Aspekt: "Als 'Wechselschichtler' muss man dann auch schon mal seinen Urlaub opfern, um bei der Ausbildung am Ball zu bleiben."

Auch für Jörn Gottschling als gestandener Familienvater waren die vier Jahre nicht gerade einfach ("Das Familienleben ist schon stark beeinträchtigt"). Zusammen mit seinen Mitschülern Dennis Kohn und Martin Misioch stellte er das Projekt "Kapazitive Messwerterfassung und Visualisierung" vor. Mit dieser automatisierten und optimierten Anwendung wird eine wesentliche Kostenersparnis zum bisherigen gängigen Verfahren erzielt. Für die Projektgruppen galt es, für zwölf praxisbezogene Aufgabenstellungen jeweils entsprechende Lösungen zu finden. In der Regel geht es dabei um Systeme und Anwendungen, die betriebliche Abläufe mit Hilfe moderner Elektronik und Steuerungstechnik optimieren und auf den neuesten Stand der Technik bringen sollen. Christian Herwig, der als Lehrer des Berufskollegs die Projektarbeit begleitet und koordiniert, ist stolz auf seine Schüler: "Die sind alle sehr engagiert und hoch motiviert."

Das wurde bei der Projektdemonstration deutlich. Ob es um die Verbesserung der Wartung des Baken-Funk-Systems ging, mit dem der ÖPNV durch Beeinflussung der Signalanlagen flüssiger durch die Innenstädte geleitet wird, ob innovative Anwendungen für die Stahlindustrie entwickelt wurden oder auch Steuerungsprozesse im privaten Bereich ("Hausautomatisierung") zu realisieren waren, für jedes der zugelassenen Prüfungsthemen wurden beeindruckende technische Lösungen geboten. Interessant war auch die Aufgabe, die die Fachschule selbst ausgeschrieben hatte. Ein Ersatz für den oftmals recht umfangreichen und schwergewichtigen Schlüsselbund, der für das Öffnen der diversen Gebäudetüren und Schrankfächer benötigt wird, sollte von den Fachschülern "erfunden" werden. Entwickelt wurde von der zuständigen Projektgruppe ein kleiner Chip, mit dem zusätzlich auch noch die Nutzung des Kopierers ermöglicht wird.

Die Präsentation wird als eigenes Fach auf dem Abschlusszeugnis bewertet. Christian Herwig misst der "öffentlichen" Präsentation eine nicht unerhebliche Bedeutung bei: "Das ist später bei Kundenbesuchen und dem oftmals damit verbundenen Akquirieren von Aufträgen sehr wichtig", betont Herwig. Mit der Abschlussprüfung im Mai haben die 29 es dann aber geschafft und sich selbst neue berufliche Perspektiven ermöglicht. Die so erlangte Qualifikation bietet sehr gute Berufschancen: "Der Abschluss entspricht zu zwei Dritteln dem Wissen, das Ingenieure haben", so Herwig. Derart ausgebildete Fachkräfte sind bei dem derzeitigen Ingenieurmangel stark gefragt. Christian Herwig würde sich freuen, wenn auch vermehrt weibliche Studenten die Ausbildung durchlaufen würden.

(RP)