Duisburg: Tanz mit Badewannen

Duisburg: Tanz mit Badewannen

"Die Hoffnung ist ein gutes Frühstück, aber ein schlechtes Abendbrot" von Max Bilitza in der Kulturkirche Liebfrauen war ein kleines Juwel, passte gut in den Rahmen der 39. Duisburger Akzente "Nie wieder Krieg?"

Schöne Menschen tun schöne Dinge: Das ist so ziemlich das denkbar größte Gegenteil von Krieg. So war es auch bei dieser kaum einstündigen Tanzperformance. Die drei jungen und charismatischen Tänzerinnen Phaedra Pisimisi, Stefanie Schwimmbeck und Camila Scholtbach bewegten sich anmutig und gelegentlich scherzhaft, steuerten mit ihren Sensoren auch die digitalen Projektionen im Raum. Ihr wichtigstes Requisit waren drei Badewannen, auf und in und sogar unter denen sich alles abspielte. Diese Frauenpower passte gut zum Internationalen Frauentag, auch weil Regisseur und Choreograph Max Bilitza den drei Grazien aus dem Publikum drei frische weiße Rosen überreichte, die dann als weiteres "Spielzeug" dienten.

Aber das Ganze sah sich auch als "Suche nach dem Code der Bösartigkeit", inspiriert von den heftigen Gemälden des irischen Künstlers Francis Bacon. Der Krieg schob sich unerbittlich in den Vordergrund - schlimmer, als Kassandra vorhersagte: Phaedra Pisimisi brauchte nicht viel mehr als einen suggestiven Blick und eine Handbewegung, um sich in die trojanische Seherin zu verwandeln (und das sicherlich nicht nur, weil sie selbst griechischer Herkunft ist). Eine Wochenschau aus dem Zweiten Weltkrieg war zu hören, in der "nordamerikanische starke Panzerverbände unter Feuer" genommen wurden, hier mit der entsprechenden akustischen Ballerkulisse. Zitiert wurde auch jene Schlüsselstelle aus dem Antikriegsroman "Im Westen nichts Neues" von Erich Maria Remarque (der zum Auftakt des Theatertreffens der Akzente in einer Bühnenfassung vom Schauspiel Hannover zu erleben war, die RP berichtete), in welcher der Ich-Erzähler im Ersten Weltkrieg erkennt, dass der von ihm wider Willen und mit eigenen Händen getötete "Feind" ebenso ein Mensch ist wie er selbst. Da verwandelten sich die umgedrehten Badewannen auch mal in Grabhügel. Am Ende gab es fast so etwas wie eine Versöhnung, auf den Freddy-Quinn-Schlager "Hundert Mann und ein Befehl" ("verbranntes Land, wo ist der Sinn").

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An diesem Wochenende gastiert in der Kulturkirche Liebfrauen der australische Puppenspieler Neville Tranter, der schon mehrfach die Duisburger Akzente bereicherte (die RP berichtete). Am heutigen Samstag, 10. März, um 19.30 Uhr kommt "Babylon": Ein einsamer Strand in Nordafrika. Das letzte Boot ist auf dem Weg nach Babylon, dem Gelobten Land. Ein nervöser Kapitän wartet ungeduldig auf seine letzten Passagiere, alles Flüchtlinge. Mit am Strand wartet das Böse - der Teufel selbst. Wartet. Lauert. Auf einen ganz bestimmten Passagier. Eine griechische Tragödie kündigt sich an und Gott selbst muss schließlich eingreifen. Wer wird überleben? Wer nicht? Wer wird am Ende errettet werden? Am morgigen Sonntag, 11. März, um 17 Uhr, folgt dann das schwarzhumorige "Punch & Judy in Afghanistan". Beide einstündigen Stücke sind in leicht verständlicher englischer Sprache.

Der Eintritt kostet jeweils 15 Euro, ermäßigt acht Euro.

(hod)