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Duisburg: Tangerine Dream: Auf einer Klangwolke durch die Zeit

Duisburg : Tangerine Dream: Auf einer Klangwolke durch die Zeit

Die Pioniere der elektronischen Musik kehren nach 45 Jahren in neuer Besetzung für ein Konzert ins Theater am Marientor zurück.

Vor etwa 45 Jahren machten im großen Hörsaal der Duisburger Universität vier Herren im Halbdunkel Musik. Auf konventionelle Instrumente verzichteten sie weitgehend. Vielmehr entwickelten sie ihre Kompositionen auf den gerade erst entwickelten Synthesizern. Tangerine Dream, die Pioniere der elektronischen Musik, gaben ein Konzert. Jetzt trat die Band im Theater am Marientor auf. Geblieben ist das Halbdunkel um die Musiker und die kreative Arbeit mit der Elektronik, doch vieles hat sich geändert.

Edgar Fröse, Gründer und Motor der Band, starb vor drei Jahren. Er hat das Trio aus Thorsten Quaeschning, Ulrich Schnauss (beide Synthesizer) und Hoshiko Yamane (elektronische Geige) geformt und quasi als kreative Erben "eingesetzt". Gespielt werden die Kompositionen Fröses im ersten Teil des Abends - vor allem die der 2017 erschienen Platte "Quantum Gate". Im Jahr 2014 hatte er mit der Arbeit begonnen, seine Mitstreiter haben sie respektvoll vollendet. Es wird ein Abend, der verschiedene Wege der elektronischen Musik aufzeigt, die diese Pioniere gegangen sind. Zunächst dominieren opulente Klanggemälde, bildhafte Kompositionen, die an die Schattierung eines großen Orchesters erinnern. Kein Wunder, dass Tangerine Dream erfolgreich Musik für Filme und Serien produziert hat.

Als Zuhörer fühlt man sich eingehüllt in eine Wolke aus Klang und mitgenommen auf einen Flug durch die Zeiten. Man spürt die tiefen Bässe, die hohen perkussiven Elemente mit dem ganzen Körper, und doch dröhnt hier nichts und führt auch nach fast drei Stunden nicht zum Fiepen in den Ohren. Klassik, Pop und futuristische Elektronik finden ebenso zu einer neuen Harmonie wie alte Mythen und moderne Wissenschaft. Eines der Videos unterstreicht diesen Ansatz: Aufnahmen der Steinkreise von Stonehenge überlagern sich mit digitalen Zahlen- und Buchstabenkolonnen.

Die Videos sind wie auch die Light Show stimmig, aber keineswegs sensationell. Sie unterstreichen die Musik, spielen mit den Motiven des Flugs oder der Veränderung der Form. Die Lichtregie schafft Räume, die Bühne und Theater zusammen führen, und unterstreicht den dreidimensionalen Charakter der Musik. Der zweite Teil des Abends erinnert daran, dass Tangerine Dream 1967 als experimentelle Rockband gestartet ist. Zwar gibt es auch hier keine festen Strukturen wie Strophe und Refrain oder Thema und Variation, doch man erkennt die Funktionen von Keyboard, Gitarre, Bass und Schlagzeug wieder, gespielt natürlich auf Synthesizern. Andere Stücke lassen Bezüge zum Dancefloor oder zur Klang-Ästhetik von Video-Spielen erkennen. Und natürlich gibt es gerade aus den Achtzigern auch die kühle Elektronik, der Soundtrack für distanzierte Großstadt-Ästhetik. Verblüffend schnell gehen drei Stunden Musik vorüber. Angenehm angeregt taucht man aus dem Traum wieder auf.

(ht)