Protokoll: Tag drei nach der Loveparade-Tragödie

Protokoll : Tag drei nach der Loveparade-Tragödie

Auch am dritten Tag nach dem tragischen Unglück bei der Loveparade in Duisburg mit mittlerweile 20 Toten und Hunderten Verletzten geht die Ursachenforschung weiter. Immer wieder tauchen neue Details auf. Die Verantwortlichen schieben sich die Schuld gegenseitig in die Schuhe. In unserem Ticker halten wir Sie auf dem aktuellen Stand.

+++21.41 Uhr Für Donnerstag um 9.30 Uhr rufen Technofans laut WDR zu einer Demonstration gegen Sauerland auf.

+++20.17 Uhr Laut der NRW-Regierung hat der Veranstalter der Loveparade in Duisburg am vergangenen Samstag weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt als angekündigt. Innenminister Ralf Jäger (SPD) berichtete dem Kabinett nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung", der Veranstalter habe in seinem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und der Zugangstunnel versprochen. Tatsächlich seien dann aber offenbar viel weniger eingesetzt worden. Außerdem habe der Veranstalter Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.

+++18.23 Uhr Es mehren sich Hinweise darauf, dass die Veranstaltung erst kurz vor Beginn unter hohem Zeitdruck genehmigt wurde. Außerdem beruhte die Genehmigung der Stadt Duisburg auf falschen Besucherzahlen, meldet die Nachrichtenagentur ddp. Die Genehmigung der Bauaufsichtsbehörde, die ddp vorliege, sei erst am 21. Juli, also drei Tage vor dem Event, erteilt worden. Als Begründung für die späte Erlaubnis nannte ein mit der Organisation vertrauter Insider: "Es hat in der Verwaltung lange Widerstand gegen die Veranstaltung gegeben. Da hatten Beamte ganz erhebliche Sicherheitsbedenken."

+++17.46 Uhr Kraft hat zudem erklärt, das Land Nordrhein-Westfalen werde künftig Städte bei der Ausrichtung von Großveranstaltungen intensiv beraten. Wegen der bundesweiten Bedeutung werde dieses Thema auch auf der nächsten Innenministerkonferenz behandelt.

+++17.24 Uhr Zur Aufklärung des Unglücks auf der Duisburger Loveparade hat die zuständige Kölner Polizei eine Ermittlungskommission eingesetzt. Wie die Nachrichtenagentur ddp am Dienstag aus Polizeikreisen erfuhr, gehören der Ermittlungskommission etwa 60 Beamte an. Rund die Hälfte von ihnen wurde aus anderen nordrhein-westfälischen Polizeipräsidien zugeordnet. Die Leitung hat ein erfahrener Kriminaldirektor übernommen. Die zuständige Duisburger Staatsanwaltschaft hat der Kölner Polizei die Aufklärung des Unglücks übertragen, um dem Verdacht eines Interessenkonflikts bei der eigentlich zuständigen Duisburger Polizei vorzubeugen.

++++17.03 Die 20 Todesopfer des Unglücks sind ausnahmslos an Brustquetschungen gestorben. Dies ergab die Obduktion der Getöteten, wie Hannelore Kraft sagte. Entgegen ersten Annahmen sei bei der Massenpanik am Samstag an einem Zugangstunnel zum Loveparade-Gelände keines der Opfer durch einen Sturz von einem Treppenaufgang ums Leben gekommen.

+++16.44 Uhr Der Trauergottesdienst wird am Samstag um 11 Uhr stattfinden. Es gibt einen Ökumenischen Gottesdienst in der Salvatorkirche am Burgplatz
wird geleitet von Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, und dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider.
Der Gottesdienst wird auf Großleinwände vor der Kirche auf dem Burgplatz und auf Freiflächen des Innenhafens übertragen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Christian Wulff werden daran teilnehmen.

+++16.37 Uhr: Hannelore Kraft äußert sich zum Unglück: Die Ministerpräsidentin sagt, Antworten zum Unglück müssten die Verantwortlichen geben. Das Areal, auf dem es zu der tödlichen Massenpanik kam, sei unter der Obhut der Veranstalter gewesen. Nun müssten die Hintergründe geklärt und entsprechend die Verantwortung übernommen werden. Dann müssten auch politische Konsequenzen daraus gezogen werden. Mehr in Kürze

+++15.09 Uhr: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland war offenbar in den Tagen unmittelbar vor der Loveparade nicht in Duisburg, sondern mit seiner Familie im Urlaub.

+++14.51 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel wird an der Trauerfeier in Duisburg teilnehmen. Das bestätigte eine Regierungssprecherin. Merkel unterbricht dafür ihren Urlaub. Auch Bundespräsident Christian Wulff wird kommen.

+++14.11 Uhr: Fußball-Vizemeister Schalke 04 und Zweitligist MSV Duisburg werden ein Benefizspiel für die Opfer der Loveparade austragen. Das teilte der Duisburger Verein am Dienstag mit. Der genaue Termin der Begegnung soll in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. "Unser Dankeschön gilt Felix Magath und den Verantwortlichen des FC Schalke 04 für ihre spontane Bereitschaft, hier zu helfen", hieß es in einer Mitteilung der Zebras.

+++13.07 Uhr: Ein Gruppenführer der Kölner Polizei macht den Veranstaltern der Loveparade schwere Vorwürfe wegen ihres vermeintlich sorglosen Handels. "Es gab 12 bis 13 Ortstermine in Duisburg. Auch andere Einsatzführer der Polizei aus Wuppertal oder Aachen waren dabei. Und jedes Mal waren wir uns einig, dass das geplante Konzept im Chaos enden wird, dass es Verletzte und Tote geben wird", sagte ein Gruppenführer der Kölner Einsatzhundertschaft dem Kölner "Express".

+++12.42 Uhr: Nordrhein-Westfalens Ministerpräidentin Hannelore Kraft (SPD) hat sich am Dienstag im Düsseldorfer Landtag in ein Kondolenzbuch für die Opfer der Loveparade eingetragen. Kraft schrieb in das Buch, Nordrhein-Westfalen und seine Bürger seien "betroffen und tief erschüttert von dem tragischen Unglück bei der Loveparade". Ihre Gedanken und Gebete seien bei den Angehörigen und Freunden der jungen Menschen, die dort zu Tode gekommen seien und bei den vielen Traumatisierten und Verletzten.

+++12.14 Uhr: Die Genehmigung der Stadt Duisburg für die Loveparade beruhte auf Vorgaben für Besucherzahlen, die in krassem Gegensatz zu den Erwartungen interner Planungsrunden standen. Das geht aus Dokumenten hervor, die der Nachrichtenagentur ddp vorliegen. Demnach hatte die Bauaufsicht die für das Partygelände zulässige Personenzahl entsprechend dem Brandschutzkonzept und einer Evakuierungsanalyse auf 250 000 Menschen begrenzt.

+++11 Uhr: In Duisburg soll am Samstag auf einer zentralen Trauerfeier der Opfer der Love-Parade-Katastrophe gedacht werden. Die Zeremonie sei in einer Kirche geplant, sagte eine Sprecherin der Stadt am Dienstagvormittag. Die Details würden noch geklärt. Zu der Trauerfeier, für die unter anderem auch die Teilnahme von Bundespräsident Christian Wulff geplant ist, werden auch zahlreiche Gäste aus dem Ausland erwartet.

+++10.59 Uhr: Nach einem Augenzeugenbericht waren Ordner und Polizei mit der Situation völlig überfordert. "Alle warteten auf Befehle, aber es kamen keine", sagte ein Security-Mitarbeiter, der einer von 1080 Ordnern bei der Veranstaltung am Samstag war, der "Bild"-Zeitung. "Irgendwann lagen dann überall Leichen. Die Notausgänge oberhalb der Rampe wurden erst durch die Polizei geöffnet, als es schon zu spät war", zitiert das Blatt den 40-Jährigen weiter. Die eingesetzten Ordnungskräfte seien teilweise ungeeignet für die Aufgabe gewesen. "Da waren Jugendliche bei, fast noch Kinder. Sogar Rentner mit Gehfehlern standen da als Ordner", beschrieb der Mann die Situation.

+++10.42 Uhr: Eine Traumatherapeutin hat den Umgang des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland (CDU) und des Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe mit der Katastrophe kritisiert. Die Psychologin Sybille Jatzko sagte am Dienstag im Deutschlandradio Kultur, die Menschen bräuchten jemanden, der Verantwortung übernehme. Die Vertreter der Stadt hätten jedoch jede Schuld von sich gewiesen. "Für die Hinterbliebenen ist das natürlich so, als würden Sie sie mit der Faust ins Gesicht schlagen." Jatzko zeigte sich überzeugt, dass Sauerland und Rabe mit ihrem unbeteiligten Verhalten Wut und Aggressionen provozieren. "Das ist ein sehr, sehr ignorantes und nicht einfühlsames Verhalten, das wohl im Vorfeld bei der Planung schon eine Rolle spielte. Jetzt kann man es erkennen bei dem Umgang mit der Katastrophe."

+++10.40 Uhr: Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, sagte im Deutschlandfunk, es müsse überlegt werden, ob solche "extremen Großveranstaltungen" überhaupt in der Verantwortung einer einzelnen Stadt genehmigungsfähig seien oder ob nicht andere Regeln greifen sollten. Er habe den Eindruck, dass eine Stadt wie Duisburg möglicherweise in jeder Beziehung überfordert gewesen sei, solch ein Event zu stemmen.

+++10.18 Uhr: Mathematiker, Informatiker und Ingenieure arbeiten gemeinsam mit Vertretern von Feuerwehr und Polizei an computergestützten Evakuierungssystemen. Die Software soll mögliche Staupunkte von Menschenströmen vorausberechnen und Umleitungsvorschläge machen.

+++9.35 Uhr: Die 17-Jährige Lara war bei der Loveparade-Tragödie dabei. Sie hatte großes Glück. Erst am Montag stellte sich heraus, dass ihre Wirbel bei dem Sturz auf der Loveparade nicht angebrochen wurden, sie auf dem Rücken nur Prellungen hat. Sie hat uns ihre Erlebnisse geschildert.

+++8.40 Uhr: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wird sich heute um 12 Uhr in ein im Düsseldorfer Landtag ausliegendes Kondolenzbuch für die Opfer der Loveparade eintragen. Das teilte ein Regierungssprecher mit. Seit Montag gibt es ein Kondolenzbuch für die 20 Toten bei der Massenpanik am Rande der Loveparade auch im Duisburger Rathaus.

+++7.19 Uhr: Die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg wird auch Thema im Innenausschuss des Bundestages sein. Der Vorsitzende des Gremiums, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin", der Ausschuss sollte sich damit beschäftigen, wenn die Sicherheitsbehörden, insbesondere Polizei und Staatsanwaltschaft, die Aufklärungsarbeit geleistet hätten.

+++6.22 Uhr: Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat nach eigenen Angaben vor der Loveparade keine Kenntnis von Sicherheitsbedenken bei der Veranstaltung gehabt. "Mir sind keine Warnungen bekannt", sagte er unserer Redaktion.

+++6.11 Uhr: Die Polizei in Duisburg hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" im Vorfeld der Loveparade gegenüber dem Veranstalter und der Stadt Bedenken am Sicherheitskonzept des Veranstalters geübt. Dabei sei die Polizei aber auf massiven politischen Widerstand gestoßen. "Die Polizei in Duisburg hat ihre Bedenken in mehreren Workshops und Besprechungen deutlich gemacht", sagte ein Beamter in Duisburg demnach. Der Veranstalter habe darauf aber nicht reagiert.

+++6.08 Uhr: Die Deutsche Polizeigewerkschaft plädiert dafür, die Verantwortung für die Sicherheit von Großveranstaltungen bei den Innenministerien anzusiedeln. "Das Sicherheitskonzept für Massenveranstaltungen ist derart anspruchsvoll, dass es nicht allein in den Händen einer Stadtverwaltung liegen darf", sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es sei zwingend erforderlich, eine Art TÜV für Großveranstaltungen einzuführen.

+++5.46 Uhr: Der frühere WDR-Intendant und Chef von Ruhr.2010, Fritz Pleitgen, stellt sich hinter die Organisatoren der Loveparade in Duisburg. Bei der Entscheidung von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und den anderen Verantwortlichen werde Sicherheit höchste Priorität gehabt haben, sagte Pleitgen der "Frankfurter Rundschau". "Sicherheitsbedenken sind mir nie zu Ohren gekommen", versicherte Pleitgen. "Wäre das der Fall gewesen, hätte ich sofort gesagt: Lasst es!"

+++5.30 Uhr: Der frühere WDR-Intendant und Chef von Ruhr.2010, Fritz Pleitgen, stellt sich hinter die Organisatoren der Loveparade in Duisburg. Bei der Entscheidung von Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und den anderen Verantwortlichen werde Sicherheit höchste Priorität gehabt haben, sagte Pleitgen der "Frankfurter Rundschau". "Sicherheitsbedenken sind mir nie zu Ohren gekommen", versicherte Pleitgen. "Wäre das der Fall gewesen, hätte ich sofort gesagt: Lasst es!"

Protokoll von Tag zwei nach der Loveparade-Tragödie

Protokoll von Tag eins nach der Loveparade-Tragödie

Protokoll von der Loveparade-Tragödie - Samstag

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kraft trägt sich ins Kondolenzbuch ein

(csr/rm)
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