Tag des Artenschutzes: Zoo Duisburg zieht bedrohte Votsotsas auf

Internationaler Tag des Artenschutzes : Zoo Duisburg zieht bedrohte Votsotsas auf

Am 3. März ist der Internationale Tag des Artenschutzes. Der Zoo Duisburg engagiert sich auf diesem Gebiet auch für die bedrohten Votsotsas aus Madagaskar. Diese sind nachtaktiv und für die Zoobesucher daher nie zu sehen.

Sie hätte das Zeug zum Publikumsliebling mit ihren Fledermausohren, den großen braunen Augen und der rosa Steckernase. Besonders Kinder wären wohl begeistert , sie durchs Gehege wuseln zu sehen, wobei sie auch gerne mal große Sprünge wie ein Känguru macht. Nur leider bekommen sie Zoobesucher nie zu Gesicht, denn die Madagaskar-Ratte, die in ihrer natürlichen Heimat den schönen Namen Votsotsa trägt, wird erst nachts aktiv. Tagsüber lebt sie im Verborgenen, eingebuddelt unter künstlichen Steinplatten im Gehege, das sie sich mit einem älteren Paar schwarz-weißer Varis teilt, einer Lemurengattung, die ebenfalls aus Madagaskar stammt.

„Das Eingraben ist eine natürliche Verhaltensweise“, erklärt Johannes Pfleiderer, Zoologischer Leiter der Kaiserberg Arche. „So schützen sie sich in ihrer Heimat vor einem ihrer größten Feinde, den madegassischen Riesenboas.“ Vor einem anderen Feind hingegen können sich die Votsotsas nicht schützen: dem Menschen. Der hat ihren ursprünglichen Lebensraum im westlichen Trockenwald der Insel soweit zerstört, dass das Gebiet nur noch etwa 1000 Quadratmeter groß ist. Weil die Tierart dadurch enorm bedroht ist, hat es sich auch der Zoo Duisburg zur Aufgabe gemacht, sie zu halten und zu züchten. „Wenn auf einem so kleinen Areal, auf dem die Ratten in Madagaskar leben, mal eine Krankheit oder Seuche ausbricht, kann das schnell die ganz Population dahinraffen“, nennt Pfleiderer einen Grund für eine Bestandssicherung in Tiergärten. „Die meisten Zoos, die Madagaskar-Ratten halten, gibt es in England. Die Stammzucht begann 1989 auf der Insel Jersey, wo auch heute das Internationale Zuchtbuch geführt wird.“

Die erste Nachzucht der Votsotsas in Deutschland gelang 2001 im Zoo Duisburg. 2014 zog ein neues Weibchen aus London in den Tierpark ein, 2016 kam ein Männchen hinzu. Und im August vergangenen Jahres wurde – nach langer Pause – erneut ein Votsotsa am Kaiserberg geboren. Im Januar 2019 erblickte ein zweites Junges das Licht der Welt, so dass die Familie nun vier Häupter zählt. „Madagaskar-Ratten leben monogam und bringen im Jahr ein-, zweimal ein bis drei Jungtiere zur Welt, die dann anderthalb bis zwei Jahre noch bei ihren Eltern leben“, erklärt Pfleiderer.

Mit dem aktuellen Nachwuchs sind dem Zoo Duisburg insgesamt erst vier Nachzuchten gelungen. Dennoch hofft der Zoologische Direktor, dass sich die Votsotsas in seiner Obhut kräftiger vermehren: „Derzeit ist Duisburg der einzige Zoo in Deutschland, der die Tiere hält. Wir möchten ein Beispiel sein für andere, und zeigen, dass man mit relativ geringem Aufwand damit zum Artenschutz beitragen kann. Wir wünschen uns auch, dass wir irgendwann Madagaskar-Ratten an andere zoologische Gärten abgeben können.“ Etwa an den Frankfurter Zoo, der die Ratten gerne hätte und sie auch in seinem Nachthaus den Besuchern zeigen könnte.

„Die Kollegen in Frankfurt können das“, ist Pfleiderer überzeugt. „Die haben viel Erfahrung mit nachtaktiven Tieren.“ Zudem wollen die Hessen die Votsotsas auch zusammen mit Lemuren halten wie die Duisburger. „Früher haben wir die Madagaskar-Ratten gemeinsam mit den Kattas gehalten, aber die sind zu frech“, erzählt Johannes Pfleiderer, Zoologischer Leiter der Kaiserberg-Arche. Jetzt mit den Varis, die schon etwas betagter sind, gelinge die Haltung in einem Gehege besser. „Wir haben sogar festgestellt, dass die Votsotsas dominieren.“ Wenn die Varis Futter stibitzen wollten, hätten sie schon das eine oder anderer Mal Bekanntschaft mit den rattenscharfen Zähnen ihrer Mitbewohner gemacht. „Jetzt halten die Varis respektvoll Abstand“, sagt Pfleiderer lachend.

(U.S.)
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