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Duisburg: Sylvia Löhrmann überreicht "Idschaza" an Lehrer

Duisburg : Sylvia Löhrmann überreicht "Idschaza" an Lehrer

Am Montag erhielten 60 Lehrkräfte in der Merkez-Moschee offiziell die Berechtigung, islamischen Religionsunterricht an Schulen zu erteilen. Bisher machen landesweit 33 Schulen muslimischen Schülern ein Angebot.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann übergab gestern in den Räumen der Merkez-Moschee in Marxloh 60 Pädagogen die Lehrerlaubnis für die Durchführung des islamischen Religionsunterrichtes. Seit diesem Schuljahr erhalten über 2000 muslimische Kinder an landesweit 33 Grundschulen islamischen Religionsunterricht. Ab dem Schuljahr 2013/2014 soll das Angebot auch auf die weiterführenden Schulen ausgedehnt werden. Im Dezember 2011 schuf der Landtag die gesetzliche Grundlage für die Erteilung der Lehrerlaubnis, die sogenannte "Idschaza". Mehmet Soyhun, Vorsitzender des Beirates für Islamischen Religionsunterricht in NRW, bezeichnete diesen Beschluss als wichtigen Schritt auf einem "steinigen Weg".

Schließlich habe es bereits in den 1970er-Jahren erste Anträge für auf Muslime zugeschnittenen Religionsunterricht gegeben. In Duisburg wird derzeit an drei Grundschulen, nämlich der GGS Sandstraße in Marxloh, der GGS Bruckhausen an der Schulstraße und der GGS Am Tollberg in Wanheim islamischer Unterricht erteilt. Ob und wie viele Duisburger Schulen noch dazu kommen, ist noch offen. "Pro Gruppe braucht man mindestens zwölf Schüler", erklärte ein Sprecher des Schulministeriums auf Anfrage. Die Schulen würden gegebenenfalls ihr Interesse an Islamunterricht bei der Schulaufsicht anzeigen. Dann wird landesweit entschieden, wo mit dem Unterricht begonnen werden kann.

Vor einem halben Jahr nahm Sylvia Löhrmann selbst am Unterricht in der GGS Sandstraße teil und machte sich ein Bild. "Es war eine wunderbare Religionsstunde, die ich nie vergessen werde", resümierte die Ministerin. Die Kinder hätten ihr im Anschluss begeistert und in deutscher Sprache erzählt, was sie gelernt haben. Auch die Eltern könnten durch das Angebot erreicht werden und ihren Nachbarn erstmals auf Deutsch über den Islam berichten. "Dadurch werden Reflexion und Integration gefördert. Dieser Austausch schafft Brücken", so die Ministerin. Darüber hinaus könnten die Schüler lernen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Glaubensgemeinschaften zu erkennen und Letztere zu akzeptieren. "Die muslimischen Schüler werden in der Schule nun gleichbehandelt", sagte Mehmet Soyhun.

Durch den Unterricht, der nach dem Wunsch des Beirates in Zukunft flächendeckend angeboten werden soll, könnten "Vorbehalte, Vorurteile und Ängste weiter abgebaut werden". Helga-Maria Poll vom Kulturbeirat der Moschee-Begegnungsstätte lobte die Entwicklung im Rahmen ihrer Begrüßungsrede: "Das ist ein großer Meilenstein auf dem Weg Miteinaner-Zueinander", sagte sie.

(RP)